Cover LVMH überträgt die renommierte Marke Marc Jacobs offiziell an WHP Global.

Nach fast 30 Jahren Zusammenarbeit übergibt LVMH die renommierte Marke Marc Jacobs offiziell an das in New York ansässige Markenmanagement-Unternehmen WHP Global.

Diese Nachricht wurde vergangene Woche vom französischen Luxusgüterkonzern LVMH bekannt gegeben. Der offizielle Wert der Transaktion wurde nicht veröffentlicht, jedoch ließen frühere Quellen eine Bewertung von rund einer Milliarde US-Dollar verlauten.

Nach dieser Fusion und Übernahme wird Marc Jacobs zu einer zentralen Säule im Modeportfolio von WHP Global — einem Unternehmen, das bereits Marken wie Vera Wang, Rag & Bone und G-Star besitzt. Gemäß der Struktur der Vereinbarung werden WHP Global und die G-III Apparel Group ein Joint Venture zu gleichen Teilen gründen, um das gesamte geistige Eigentum von Marc Jacobs zu halten. G-III, das derzeit Donna Karan betreibt — eine Marke, die einst ebenfalls zu LVMH gehörte — wird das operative Geschäft von Marc Jacobs über einen langfristigen Lizenzvertrag übernehmen. Durch diese Transaktion wird der weltweite Einzelhandelsumsatz von WHP Global die Marke von 9,5 Milliarden US-Dollar übertreffen.

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Above Marc Jacobs wird zu einer tragenden Säule im exquisiten Modeportfolio von WHP Global (Foto: Getty Images)

Trotz des Eigentümerwechsels behält Marc Jacobs weiterhin seine Rolle als Gründer und Kreativdirektor der Marke bei.

In einem Beitrag in den sozialen Medien teilte der Designer mit: “Ich bin gleichermaßen verängstigt und abgeneigt, liebe aber gleichzeitig die Veränderung. Auch wenn Veränderungen unvermeidlich sind, bleiben meine Liebe zur Mode und die Freude, die sie bringt, stets konstant. Ich bin Bernard Arnault auf ewig dankbar für seine Unterstützung, sein Vertrauen und seinen Glauben an mich in den vergangenen 30 Jahren.”

Dieser Verkauf spiegelt nicht nur den Wandel der amerikanischen Kultmarke Marc Jacobs wider, sondern veranschaulicht auch, wie Luxuskonzerne sich in einer Zeit globaler Marktvolatilität umstrukturieren.

Weiterlesen: Die Luxusbranche strukturiert sich um: Wenn Größe nicht mehr der einzige Maßstab für Wachstum ist

Eine seltene Transaktion für den Luxuskonzern LVMH

Dass LVMH eine Marke aus seinem eigenen Ökosystem veräußert, ist ein äußerst seltenes Vorkommnis. Doch angesichts einer anhaltenden Phase verlangsamten Wachstums in der globalen Luxusgüterbranche beginnt der Konzern, sein Markenportfolio proaktiv umzustrukturieren. Dabei konzentriert man sich auf Ressourcen für sogenannte “Megabrands”, die ein starkes Wachstumspotenzial aufweisen und weitaus höhere Gewinne erzielen können.

Vor dem Verkauf von Marc Jacobs veräußerte LVMH bereits im vergangenen Jahr Off-White an die Bluestar Alliance, gab Anfang 2025 die Anteile an Stella McCartney an die Gründerin zurück und erwägt Berichten zufolge auch eine mögliche Trennung von Fenty Beauty.

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Above Diese strategische Entscheidung stellt eine der Maßnahmen von LVMH zur Gewinnsteigerung dar (Foto: LSEG)

Bei der Bekanntgabe der Geschäftsergebnisse des ersten Quartals betonte Finanzdirektorin Cécile Cabanis, dass die oberste Priorität des Konzerns stets darin bestehe, die Leistung der weniger rentablen Marken zu verbessern. Sollte sich jedoch ein geeigneterer Partner für die jeweilige Marke finden, sei LVMH durchaus bereit, eine Transaktion durchzuführen.

Dies verdeutlicht den Druck, dem Luxuskonzerne derzeit ausgesetzt sind, da der Markt nach Jahren des rasanten Wachstums in eine Phase der langsamen Erholung eintritt. Die Verbraucher beginnen, ihre Ausgaben einzuschränken, insbesondere im Segment des zugänglichen Luxus, zu dem auch die Marke Marc Jacobs gehört.

Gleichzeitig verzeichnen die Ultra-Luxus-Häuser innerhalb des LVMH-Ökosystems, wie beispielsweise Loro Piana, weiterhin eine stabile Nachfrage, da ihre äußerst wohlhabende Kundschaft weniger von wirtschaftlichen Schwankungen betroffen ist.

Von der New Yorker Ikone zur globalen Luxusmarke

Das Label Marc Jacobs wurde im Jahr 1984 von dem gleichnamigen Designer Marc Jacobs und seinem Partner Robert Duffy gegründet. Als Jacobs im Jahr 1997 der erste Kreativdirektor von Louis Vuitton wurde, erwarb LVMH die Mehrheitsanteile an der Marke.

Dies markierte einen Meilenstein, der sowohl für Marc Jacobs als auch für Louis Vuitton eine beispiellose Ära des Erfolgs einläutete.

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Above Die spektakuläre Modenschau von Marc Jacobs in der New York Public Library (Foto: Getty Images)

Während seiner 16-jährigen Tätigkeit bei Louis Vuitton trug Marc Jacobs maßgeblich dazu bei, das Image des französischen Modehauses grundlegend zu wandeln. Aus einer Marke, die traditionell für Reisegepäck und Taschen bekannt war, formte er ein Modeimperium von globaler kultureller Bedeutung. Er inszenierte hochgradig theatralische Modenschauen und initiierte legendäre Kooperationen mit renommierten Künstlern wie Stephen Sprouse, Takashi Murakami und Yayoi Kusama.

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Above Marc Jacobs trug wesentlich zur vollkommenen Neuausrichtung des Images von Louis Vuitton bei (Foto: @themarcjacobs)

In den 2000er Jahren florierte auch Marc Jacobs unter der Schirmherrschaft von LVMH und expandierte auf rund 250 Boutiquen weltweit. Die im Jahr 2001 eingeführte Produktlinie Marc by Marc Jacobs eroberte rasch die Einkaufszentren, bevor sie 2015 eingestellt wurde. Im Jahr 2020 präsentierte die Marke schließlich Heaven by Marc Jacobs — eine Linie, die sich mit ihrem Y2K-Esprit und kulturell geprägten Kollaborationen gezielt an die Generation Z richtet.

LVMH-Vorsitzender und CEO Bernard Arnault erklärte: “Marc Jacobs ist ein Designer von seltener Kreativität und einzigartiger Vision. Sein Einfluss auf die Modewelt ist unbestreitbar.”

Marc Jacobs selbst äußerte sich erwartungsvoll, gemeinsam mit Yehuda Shmidman, dem Vorsitzenden und CEO von WHP Global, “ein neues, leuchtendes Kapitel” aufzuschlagen.

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