Obwohl das Bà Bar ein modernes Cocktailbar-Konzept ist, bietet es eine einladende, familiäre Atmosphäre mit urbanem Flair — eingebettet in eine Umgebung, die geschickt zwischen Tradition und Moderne balanciert.
Das Gespräch mit Trang Nguyễn, der Gründerin des Bà Bar, und Băng Di, der operativen Strategiedirektorin von TC Holdings, dem Unternehmen hinter der Bà Bar, gewährte faszinierende Einblicke in die Welt des Nightlife aus weiblicher Perspektive. Beide Frauen haben dem Bà Bar eine ganz eigene Seele verliehen und prägen die Cocktail-Szene inmitten der lebendigen Getränkewelt von Saigon maßgeblich. Das Bà Bar sticht dabei durch seinen einzigartigen Charakter hervor.
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Können Sie uns die Entstehungsgeschichte des Bà Bar schildern?
Băng Di (BD): Vor diesem Projekt war ich eng mit dem Kollektiv Long Hoa Hội verbunden, einer Gruppe junger Künstler, die moderne Folklore-Musik pflegen. Sie wollten diesen Musikstil in ein Nightlife-Konzept integrieren. Anfangs war ich skeptisch gegenüber der Idee, DJs, die Volksmusik remixen, mit einem “Ao-Dai”-Dresscode für den Club zu kombinieren, doch die Neugier siegte. Der Abend war ein voller Erfolg. Als wir später diesen neuen Standort gründeten, wählte ich den Namen “Bà Bar”.

Above Das Interieur der Bà Bar verbindet geschickt vietnamesische Tradition mit moderner Nightlife-Kultur für ein einzigartiges Erlebnis.
Wie unterscheidet sich das Konzept des Bà Bar von anderen Locations?
BD: Der Markt bietet zwar viele Cocktailbars, doch die meisten wirken sehr westlich geprägt und maskulin. Diese Strenge sorgt dafür, dass sich Frauen oft nicht vollkommen wohl fühlen. Ich selbst schätze lebhafte Gespräche, weshalb ich mich in traditionellen Bars oft eingeengt fühlte. Mit dem Bà Bar wollte ich einen anderen Weg gehen und etwas schaffen, das die junge Generation in Vietnam tatsächlich braucht. So habe ich Trang überzeugt, bei diesem Projekt mitzuwirken.
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Was hat Trang dazu bewogen, das Angebot von Băng Di anzunehmen?
Trang Nguyễn (TN): Ich verfügte bereits über Erfahrungen in der F&B-Branche, etwa in Design, Betrieb und Management, doch ein eigenes Projekt zu leiten, war eine völlig neue Herausforderung, die ich unbedingt annehmen wollte.
BD: Ich lieferte lediglich das Grundkonzept, während Trang die gesamte Seele des Bà Bar gestaltete. Nur dadurch konnte diese unvergleichliche Atmosphäre entstehen, die man in bisherigen Cocktailbars vergeblich suchte.

Above Sorgfältig kuratierte Details verleihen dem Bà Bar eine unverwechselbare Identität.

Above Das Bà Bar besticht durch eine gemütliche Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.
Das Bà Bar wirkt nach außen hin recht westlich, doch innen finden sich zahlreiche vietnamesische Akzente. Wie ist dieses Raumkonzept entstanden?
BD: Wein- und Cocktailbars im Ausland sind oft Orte des Lifestyles, nicht bloß reine Verkaufsstellen für Alkohol. Man trifft sich, vernetzt sich und integriert verschiedene Marken zu einem hybriden Erlebnis.
TN: Ich folge stets meiner Intuition, um Frische einzubringen. Junge Menschen lieben Cocktailbars, aber die aktuellen Locations sind entweder zu steif oder zu laut. Das Bà Bar füllt diese Lücke. Wir wollten weder zu sanfte noch zu schrille Klänge. Die DJ-Konsole ist bewusst in die Bar integriert, als stünde dort ein Gerät mitten auf dem Küchentresen. Die Musik soll den Genuss eines Cocktails im Bà Bar perfekt untermalen.
TN: Mittwochs, freitags und samstags legen DJs auf, und mittwochs gibt es Loto-Spiele. Lê Nghĩa, unser Teammitglied und versierter Schauspieler, ist die Seele dieser Abende. Während ich das visuelle Konzept und das Marketing verantworte, verkörpert Lê Nghĩa den Bà Bar-Geist einer Saigoner Frau vergangener Zeiten — das Haar hochgesteckt, in traditioneller Bà-Ba-Kleidung.

Above Die lebhafte Atmosphäre im Bà Bar zieht Nachtschwärmer aus ganz Saigon magisch an.
Wie schwierig war es, die Anforderungen von Băng Di an ein modernes, vietnamesisch inspiriertes Konzept umzusetzen?
TN: Ich habe mich von Erzählungen meiner Eltern und Großeltern inspirieren lassen. Ausgangspunkt war die Idee eines “Zuhause” mit einer gewissen, bewussten Unordnung. Wenn man Gäste empfängt, wie gestaltet man den Wohnbereich und die Küche? So entstanden die Plätze zum Beisammensein, die Bar und die musikalische Untermalung. Details wie die Sofas, die Bücherregale und die karierten Tischplatten, die an die traditionellen vietnamesischen “Khăn Rằn” erinnern, wurden alle in Handarbeit gefertigt.
Die größte Herausforderung war die Treppe, die das Haus in zwei Teile trennt. Dass der hintere Bereich nicht isoliert wirkt, erforderte zahlreiche Anpassungen. Eine Überraschung war zudem der Gehweg vor der Bar: Was als kleiner Sitzbereich für die Ästhetik gedacht war, wurde zum beliebtesten Platz der Gäste — ein authentisches Stück vietnamesischer Straßenkultur.
Wie entsteht durch diese Verbindung eine neue Kultur im Bà Bar?
BD: Junge Leute sind oft zögerlich, vietnamesische Kulturthemen aufzugreifen. Erst mit der Zeit lernt man sie zu schätzen. Warum sollten wir als Vietnamesen nicht unsere eigene Identität in die Gastronomie einbringen? Natürlich nicht durch veraltete Klischeebilder, sondern durch einen modernen, authentischen Ansatz.

Above Jede Ecke im Bà Bar erzählt eine Geschichte vietnamesischer Lebensart.

Above Kreative Cocktails im Bà Bar machen jeden Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis.
TC Holdings plant weitere Cocktailbar-Konzepte. Wie stellen Sie sicher, dass diese trotz gemeinsamer DNA eigenständig bleiben?
TC Holdings hat von Anfang an auf vietnamesische Wurzeln gesetzt. Kultur ist hierbei unser stärkster Anker. Die Differenzierung liegt im Konzept: Während das Bà Bar auf eine gemütliche Cocktail-Atmosphäre setzt, ist Motly als Treffpunkt mit Fingerfood und Bier konzipiert. Salem hingegen legt Wert auf Distanz, gehobenen Luxus und Fusion-Küche. Unser Ziel ist ein Ökosystem, in dem sich die Outlets ergänzen, statt zu konkurrieren.
Wie betrachten Sie den Community-Gedanken, etwa bei Events wie dem “Bà Bar-athon”?
BD: Justin Chiêm entdeckte den “Pub Run”-Trend aus dem Ausland. Ich war zunächst skeptisch, ob Nightlife-Enthusiasten früh laufen würden. Doch der erste Lauf lockte 30 Personen, der nächste bereits 200. Wenn man etwas mit Herz macht, verbreitet es sich von selbst. Den Namen “Bà Bar-athon” hat Trang kreiert, und er wurde zu einer eigenen Community-Marke des Bà Bar.

Above Der Bà Bar-athon hat sich zu einem festen Bestandteil der lokalen Nightlife-Community entwickelt.
Welche Vision haben Sie für die vietnamesische Hospitality-Branche in den kommenden Jahren?
BD: Die F&B-Landschaft in Vietnam befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Junge Gäste legen Wert auf Konzepte mit einer echten Botschaft und Community-Bezug. Die Konsistenz von der Konzeption bis zum Service ist entscheidend. Unser Team muss den Geist des Dienens verinnerlichen: Wahre Gastfreundschaft bedeutet, das Glück der Gäste zum eigenen Ziel zu machen.
Was Kunden kaufen, ist nicht nur ein Getränk oder Essen, sondern Freude und Atmosphäre. Ich möchte, dass jeder Gast mit einem Lächeln das Bà Bar verlässt.
Vielen Dank an Băng Di und Trang für dieses inspirierende Gespräch.
Dieser Artikel basiert auf einer Publikation in der Tatler Vietnam Vol. 22
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Images: RabHuu Studio




