Die lang erwartete Fortsetzung von “Der Teufel trägt Prada” bietet eine ebenso geistreiche wie tiefgründige Reflexion über eine kriselnde Branche, die mit der “Pompeji-Lava” aus KI und Digitalisierung zu kämpfen hat.
Für all jene, die im Geschäft der Luxusmagazine tätig sind, bleiben die Charaktere des Originalfilms Der Teufel trägt Prada aus dem Jahr 2006 zeitlose Archetypen: die “Teufelin” höchstpersönlich, Miranda Priestly (bekanntermaßen der langjährigen Chefredakteurin der Vogue, Anna Wintour, nachempfunden); Emily Charlton, die ehrgeizige Assistentin, welche die Vorzüge der Modewelt verehrt; und Nigel Kipling, der stille Wächter von Runway. Dann ist da natürlich noch Andrea Sachs — die “unmodische” Assistentin, die in eine Welt des Glamours stolpert und sich gegen die unbarmherzige Natur des High-Fashion-Geschäfts wappnet. Zahlreiche Redakteure können sich heute wohl an eine Zeit erinnern, in der sie, ähnlich wie Sachs, ihre eigenen “himmelblauen” Entscheidungen vor einem furchteinflößenden Personalchef infrage stellten. Mich selbst eingeschlossen.
Zwanzig Jahre sind vergangen, seit der erste Film die inneren Abläufe einer Branche enthüllte, in der “eine Million Mädchen für diesen Job morden würden”. In jener Ära erforderte Erfolg Visionen und vor allem Schnelligkeit. In der gestern (29. April) veröffentlichten Fortsetzung kehrt Sachs als Ressortleiterin zu Runway zurück und findet eine Landschaft vor, die modernen Journalisten unbehaglich vertraut vorkommen dürfte. Das Blatt hat sich gewendet; die Medien sind nicht länger die unangefochtene Autorität oder der Trendsetter. Publikationen sehen sich heute mit Personalabbau, Budgetkürzungen und einer gewaltigen “Pompeji-Lava” konfrontiert — der Digitalisierung des Printbereichs und dem Aufstieg der KI, wie es ein Tech-Mogul im Film so treffend formuliert.
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Above Von links: Anne Hathaway als Andy Sachs, Meryl Streep als Miranda Priestly und Stanley Tucci als Nigel Kipling im Film “Der Teufel trägt Prada 2” (Bild: mit freundlicher Genehmigung von 20th Century Fox und Macall Polay)
Hinter ihren bissigen Bemerkungen und tadellos geschneiderten Mänteln lässt die einst allmächtige Chefredakteurin Priestly nun ihre Krone fallen. Die wahre Stärke von Der Teufel trägt Prada 2 liegt in seiner Ironie: Priestlys unbeholfener Kniefall vor den unerbittlichen Forderungen von Dior unterstreicht auf schmerzliche Weise, wie redaktionelle Integrität im Angesicht finanzieller Schwierigkeiten oftmals schwindet. Der maßlose Luxus, in der First Class zu den Fashion Weeks zu fliegen, ist mittlerweile eine komische, nostalgische Erinnerung. Selbst eine von Kipling kuratierte Gala droht zu scheitern, da John Legends Bitte, ein Klavier einfliegen zu lassen, für das aktuelle Budget schlichtweg als zu teuer erachtet wird.
Der Niedergang dieser einst glorreichen Branche ist selbst im harten Nachrichtenjournalismus spürbar. Sachs, die vor ihrer Rückkehr zu Runway bei einer Zeitung arbeitete, wird nicht mangels Talent, sondern aufgrund fehlender finanzieller Mittel entlassen. Ihr verzweifelter, qualvoller Schrei bei einer Medienpreisverleihung — “Journalismus ist verdammt nochmal wichtig” — stößt bei den kommerziell ausgerichteten Zuhörern auf taube Ohren. Dies wirft eine düstere Frage des digitalen Zeitalters auf: Welchen Wert hat die Wahrheit, wenn das Budget gleich null ist?

Above Anne Hathaway in ihrer legendären Rolle als Andy Sachs in “Der Teufel trägt Prada 2” (Bild: mit freundlicher Genehmigung von 20th Century Fox und Macall Polay)
Dennoch vermeidet es Der Teufel trägt Prada 2, in Selbstmitleid zu versinken. Während sich die Charaktere anpassen, kristallisiert sich eine neue Arbeitskultur mit einer optimistischeren Note heraus: Eine neue Führungsgeneration hält Meetings der Chefetage in Kantinen ab, anstatt ihren Reichtum in luxuriösen Restaurants zur Schau zu stellen. Sogar Priestly wird für ihre charakteristische, unsensible Wortwahl gerügt; in einer köstlichen Wendung ausgleichender Gerechtigkeit am Arbeitsplatz muss sie nun nach einer offiziellen Beschwerde ihre Mäntel selbst aufhängen.
Der Film sah sich aufgrund der Darstellung der asiatischen Assistentin Jin Chao mit gewisser Kritik konfrontiert, da ihr Name phonetische Ähnlichkeiten zu einer gängigen Beleidigung aufweist. Zudem wurde die stereotype Ästhetik der “nerdigen” Leistungsträgerin bemängelt — dicke Brille und konservative Outfits —, die dem Charakter zugeschrieben wurde. Wenngleich eine einfallsreichere Namensgebung und ein kreativeres Styling für Chao dem Werk sicherlich gutgetan hätten, mag die Behauptung, ihre eifrige, stets gefällige Persönlichkeit sei von Grund auf problematisch, eine Überreaktion sein. Schließlich begann auch Sachs, eine exzellente Absolventin der Brown University, ihre berufliche Reise in einem ähnlich “scheußlichen” Rock.

Above Emily Blunt in ihrer Paraderolle als Emily Charlton in “Der Teufel trägt Prada 2” (Bild: mit freundlicher Genehmigung von 20th Century Fox und Macall Polay)
Zweifellos hat Der Teufel trägt Prada 2 die hohen Erwartungen erfüllt und präsentiert sich als ein urkomisches sowie herzerwärmendes Wiedersehen, das nostalgische Anspielungen mit einem erfrischenden Wandel in Ton und Thematik meisterhaft ausbalanciert. Während die Garderobe so blendend wie eh und je bleibt, stilvoll ergänzt durch einen elektrisierenden Gastauftritt von Lady Gaga sowie glamouröse Kulissen im Waldorf Astoria, bietet der Film weit mehr als nur oberflächliche Brillanz. Unter dem Glanz und Glamour verbirgt sich eine tiefgründige Geschichte über Nachfolge, die unumgängliche Notwendigkeit, sich an eine schöne neue Welt anzupassen, und den anhaltenden Kampf um das Überleben des journalistischen Handwerks.





