Cover Die Kunstausstellung “Đi Vắng” im zeitgenössischen Wiking Salon

Die Ausstellung “Đi Vắng” thematisiert die Abwesenheit und das Verschwinden, während sie gleichzeitig die bleibenden Spuren der Präsenz von “Đi Vắng” erkundet.

In der zeitgenössischen Kunstgalerie Wiking Salon eröffnet die Ausstellung “Đi Vắng” einen Dialog über die Sprache der Abstraktion, in dem Form, Farbe, Materialität und Erinnerung in einem stetigen Wandel begriffen sind. Die Ausstellung vereint die vier Künstler Lập Phương, Trần Nữ Yên Khê, Trần Văn Thảo und Ca Lê Thắng und stellt die fundamentale Frage nach der Natur abstrakter Kunst: Wenn konkrete Bilder verschwinden, verliert sich dann auch ihre Bedeutung, oder existieren sie in anderen, immateriellen Formen weiter?

Mehr dazu: Zwischen den Gezeiten dahintreiben

Im Gegensatz zur figurativen Kunst bietet die abstrakte Kunst kein festes Bild zur Identifikation. Was der Betrachter sieht, sind Linien, Farbflächen, geometrische Körper und visuelle Rhythmen, während die “Đi Vắng”-Kernidee oft nur in Ansätzen enthüllt wird. Gerade diese Abwesenheit schafft Raum für Emotionen, Erinnerungen und individuelle Interpretationen. Jedes Werk in “Đi Vắng” wird zu einem eigenen Energiefeld, in dem kreative Kraft und Lebenszeit als visuelle Spuren konserviert sind.

Tatler Asia
Above Kunstwerke der Ausstellung “Đi Vắng” im Wiking Salon

Die Ausstellung präsentiert die Skulpturen von Lập Phương, in denen Formen auf ihre essenziellsten Elemente reduziert werden. Werke wie Cánh (Flügel), Cung (Bogen), Tam Giác (Dreieck) und Phù Sinh (Flüchtiges Leben) erforschen den Kontrast zwischen Gewicht und Leichtigkeit, Materie und Reflexion, Präsenz und “Đi Vắng”-Leere. Durch Stein, Glas und Spiegel schafft der Künstler Strukturen, die gleichermaßen kraftvoll wie fragil wirken und die Bewegung des Körpers im Raum reflektieren.

Tatler Asia
Above Das Werk Triangle (Dreieck) von Lập Phương in der “Đi Vắng”-Ausstellung

Trần Nữ Yên Khê nähert sich der Abstraktion als einen Zustand kontinuierlicher Veränderung. Ihre Bronzeskulpturen und die Serie Giữa chắc chắn và hoài nghi (Zwischen Gewissheit und Zweifel) suggerieren das Nebeneinander von Gegensätzen: Weichheit und Schärfe, Intuition und Vernunft, Bestimmtheit und “Đi Vắng”-Ambivalenz. Ohne konkrete Antworten zu erzwingen, lässt sie dem Betrachter Raum, eigene Bedeutungen aus der persönlichen Erfahrung zu schöpfen.

Tatler Asia
Above Das Werk BCD.13 der Künstlerin Trần Nữ Yên Khê

Die Ausstellung wirft auch einen Blick zurück auf die künstlerische Laufbahn zweier bedeutender abstrakter Künstler, Ca Lê Thắng und Trần Văn Thảo, Mitglieder der “Gruppe der Zehn”, die die abstrakte Malerei Vietnams seit den 1990er Jahren mitgeprägt haben. Beide nahmen an Meilenstein-Ausstellungen teil, darunter Hội Họa Trừu Tượng (Abstrakte Malerei) im Jahr 1992, die erste offiziell genehmigte abstrakte Kunstausstellung in Vietnam.

Tatler Asia
Above Das Werk Violet Space #3 von Künstler Trần Văn Thảo

In den Arbeiten von Trần Văn Thảo schweben Zeichen, Zahlen und undefinierbare Formen wie Echos von Erinnerungen auf der Leinwand. Von den verdichteten Kompositionen der 1990er Jahre entwickelte sich sein Stil hin zu offenen Räumen, in denen Farbe, Wind und Wasser zu visuellen Strömen verschmelzen, die Ruhe und Freiheit vermitteln. “Đi Vắng” zeigt hier die Evolution der Form.

Mehr dazu: David Hockney: Eine neue Perspektive auf die moderne Kunst

Für Ca Lê Thắng ist die Erinnerung an das Mekong-Delta eine ständige Inspirationsquelle. In seinen neueren Arbeiten lösen sich Landschaftselemente in natürlich fließenden Farbschichten auf, die an Schlick, Wasser und die unaufhörliche Zeitbewegung erinnern. Die “Đi Vắng”-Erinnerungen an Heimat, Krieg und Wandel existieren nicht mehr direkt, sondern als unsichtbare Bedeutungsschichten hinter der Oberfläche.

Tatler Asia
Above Das Werk Floating Season (Hochwassersaison) #4 von Ca Lê Thắng

Durch vier unterschiedliche, aber miteinander verwobene Ansätze ist “Đi Vắng” mehr als nur eine Untersuchung abstrakter Kunst; es ist eine Reflexion über die Präsenz des Unsichtbaren. Wenn konkrete Bilder verschwinden, bleiben Emotionen und Erfahrungen im Gedächtnis des Betrachters bestehen. Die Ausstellung lädt das Publikum ein, in diesen Raum einzutreten, in dem Bedeutung nicht vorgegeben, sondern aus dem eigenen Erleben im Moment der Begegnung geformt wird.


Ausstellungsinformationen

  • Ort: Wiking Salon, 12 Nguyễn Hữu Thọ, Nhà Bè, Ho-Chi-Minh-Stadt
  • Dauer: 07.08.2026 - 25.10.2026
  • Besuchszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10:00 - 18:00 Uhr

Die Ausstellung ist nur nach Voranmeldung zugänglich, um jedem Besucher ein privates und “Đi Vắng”-exklusives Erlebnis zu garantieren.

WEITERLESEN

Eine “geschmeidige” Begegnung zwischen GIA Studios und Lâm Na

Nguyễn Huyền Trang: Buchdesign als Mitkreation

Olafur Eliasson: Kunst, Technologie und das Gefühl der Ungewissheit