Wie ist Ihre Erinnerung an Kristy Chu? Von den Hallen der New Yorker Cooper Union bis zu ihrer Rolle als Dozentin an der Shih Chien University – Kristy Chu verkörpert eine lebenslange Suche nach Ausdruck. Heute hat Kristy Chu längst alle gesellschaftlichen Erwartungen hinter sich gelassen.
In der Zeit des analogen Kabelfernsehens gab es Programmausschnitte, die sich tief in unser Gedächtnis eingeprägt haben. Unvergessen bleibt Kristy Chus Geschichte über einen Flohmarkt in New Jersey. Dort sah sie eine Barbiepuppe auf einem Rasen liegen. Als sie das elfjährige Mädchen fragte, warum sie ihre Puppe verkaufe, antwortete diese: “Ich bin erwachsen geworden. Ich spiele nicht mehr mit Puppen, ich will mir einen Lockenstab kaufen.”
Kristy Chu bemerkte dazu: “Auf dieser Treppe haben wir unsere Jugend getauscht. Ich wollte nicht erwachsen werden, sie hingegen sehnte sich danach.”
Kristy Chu war für mich schon immer eine Vorreiterin des modernen Lebensstils. Ihre Worte trafen stets präzise den Kern, genau wie die “Tatler-Coverstory” über diese außergewöhnliche Persönlichkeit.
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Above Tatler-Coverstory vom September: Kristy Chu im Porträt. Sie trägt eine Biker-Lederjacke und einen Lederrock von Gucci. (Foto: Chuan Zhou)
Fast 30 Jahre später scheint sich alles und doch nichts verändert zu haben. Die Absolventin der Cooper Union und der Columbia University ist mit 61 Jahren heute Künstlerin, Dozentin, Autorin und Kuratorin – ein Mensch, der den wahren Luxus eines Lebensstils mit Substanz versteht. Sie ist das, was man eine “moderne Erwachsene” nennt: jemand, der Krisen als Teil der Reifung begreift, so wie Kristy Chu selbst es vorlebt.
An diesem Spätsommernachmittag durfte ich an einem ihrer “Lebenskurse” teilnehmen, bei dem es um die Beständigkeit von Leidenschaft trotz der Spuren, die das Leben hinterlässt, ging.
Der Schließfachschatz von Kristy Chu

Above Tatler-Coverstory vom September: Kristy Chu im Porträt. Styling von Gucci. (Foto: Chuan Zhou)
“Stil? Was habe ich schon für einen Stil?”, fragt Kristy Chu lächelnd. Ihre modische Reise begann mit dem Kontrast zwischen der strengen Kleidung ihres Vaters und der modischen Freiheit ihrer Mutter. Als sie 1981 in den USA anfing zu studieren, entdeckte sie den Preppy-Style, wurde jedoch an der Cooper Union von der radikalen Ästhetik ihrer Kommilitonen völlig überrumpelt.

Above Kristy Chu im Porträt für die September-Ausgabe. Mode von Gucci. (Foto: Chuan Zhou)
Ihr Kommilitone Jonathan Horst war ihr stilistischer Mentor. Er lehrte sie, dass Bequemlichkeit und Authentizität wichtiger sind als Konformität. Dieses Gespräch befreite sie und führte dazu, dass Kristy Chu begann, in Second-Hand-Läden ihre eigene Identität neu zu definieren.

Above Kristy Chu trägt einen Mantel und ein Kleid von Gucci. (Foto: Chuan Zhou)

Above Kristy Chu beim Ellen Battel Stockel Fellowship der Yale University, 1987.
Seitdem hat Kristy Chu jeden erdenklichen Look ausprobiert – von Goth über Punk bis hin zu minimalistischen oder maskulinen Styles. Diese Suche nach sich selbst offenbarte ihr, wie vielfältig eine einzelne Person sein kann. Heute, mit 60 Jahren, ist ihr die Meinung anderer egal. Sie trägt, was sich für sie richtig anfühlt.
Auch Kristy Chu kennt Niederlagen

Above Kristy Chu: Ein Leben ohne Ende. (Foto: Chuan Zhou)

Above Kristy Chu bei einer spontanen künstlerischen Arbeit während des Shootings. (Foto: Chuan Zhou)

Above Kristy Chu bei einer kreativen Einlage während der Tatler-Aufnahmen. (Foto: Chuan Zhou)
Auf die Frage nach Tiefpunkten antwortet Kristy Chu offen: “Jeden Tag beim Malen habe ich das Gefühl, es nicht zu schaffen.” Doch die größte Herausforderung war ihre Lehrtätigkeit. Zu Beginn ihrer Karriere lösten ihre unorthodoxen Methoden Beschwerden aus, was sie fast zum Rücktritt bewegte. Erst die Ermutigung des Schulleiters, in Dialog zu treten, veränderte ihre Perspektive.

Above Kristy Chu im Gucci-Look. (Foto: Chuan Zhou)
Sie erkannte, dass sie diejenigen vernachlässigt hatte, die sich verloren fühlten. Seitdem sieht Kristy Chu jeden Studenten als Individuum und ist stolz darauf, ihr Potenzial zu entfalten. Diese Erfahrung der Empathie prägt heute ihren gesamten Lebensstil.
Die heilende Kraft des Laufens

Above Kristy Chu in einem eleganten Look von Gucci. (Foto: Chuan Zhou)
Was als Versuch begann, einen Freund in New York zu beeindrucken, wurde für Kristy Chu zu einem Rettungsanker. Wenn das Leben sie stresst, findet sie beim Laufen ihr inneres Gleichgewicht. Fünf Kilometer sind für sie das absolute Minimum – ein Versprechen an sich selbst, das sie als Kristy Chu immer einlöst.
Ich hasse Ziellinien

Above Kristy Chu – Ihr Stil und ihre Lebensweise. (Foto: Chuan Zhou)
“Ich hasse Ziellinien, denn sie bedeuten das Ende!” Kristy Chu genießt den Prozess, nicht das Resultat. Selbst bei ihren Kunstwerken zögert sie das Ende hinaus, weil sie die Interaktion mit dem Entstehungsprozess liebt.

Above Kristy Chu in einem floralen Kleid von Gucci. (Foto: Chuan Zhou)
Wenn ein Bild vollendet ist, verliert es für sie an Lebendigkeit. Es ist wie ein Abschied nach einer intensiven Liebe. Kristy Chu akzeptiert dies und wartet gespannt auf das nächste kreative Abenteuer.

Above Kristy Chu in einer Bikerjacke von Gucci. (Foto: Chuan Zhou)
Rückblickend betrachtet Kristy Chu ihre frühen Werke mit einem Lächeln. Mit 60 Jahren ist ihr Stil gelassener geworden. Sie muss niemandem mehr etwas beweisen, sondern schätzt die Weisheit, die mit jedem Alter einhergeht.
Herzschlag statt KI-Perfektion

Above Kristy Chu in floralem Design von Gucci. (Foto: Chuan Zhou)
Obwohl KI perfekte Bilder erzeugen kann, schätzen Menschen wie Kristy Chu die imperfekten, menschlichen Spuren in ihrer Kunst. Diese Fehler, diese “Risse”, sind es, die das Herz berühren und zeigen, dass wir lebendig sind.
Ein Rat an das junge Ich

Above Kristy Chu trägt Leder von Gucci. (Foto: Chuan Zhou)
Früher dachte Kristy Chu, ihre Studienzeit sei die beste Zeit ihres Lebens. Heute weiß sie: Das Beste liegt noch vor ihr. Sie würde ihrem jungen Ich sagen: “Sei mutig, trau dich, du selbst zu sein, und hör auf, anderen gefallen zu wollen.” Dies ist der Kern der Lebensweisheit von Kristy Chu.

Above Kristy Chu am Set der September-Tatler-Coverstory. (Foto: Chuan Zhou)
Kristy Chu geht ihren Weg weiter, mit allen Narben und Fehlern. Denn wie sie beweist, liegt die wahre Schönheit in der stetigen Weiterentwicklung und der ungebrochenen Freude am Entdecken.
Team
Cover Star: Kristy Chu
Chefredakteur: Blues To
Fotograf: Chuan Zhou
Kreative Leitung und Text: Hou Chou
Styling: Xiang Huang
Set-Design: Nick Chou
Art-Design: Chia Chia Chiang
Make-up: Albee (Backstage)
Haare: Pari H
Mode: Gucci











