Die thailändische Serie “The Devil Lawyer” geht weit über einen Gerichtskrimi hinaus und fordert die Zuschauer dazu auf, die Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft kritisch zu hinterfragen.
“Mek”, ein junger Anwalt, wird fälschlicherweise eines Mordes beschuldigt. Er ahnt nicht, dass dieser Vorfall ein komplexes Netz aus Fragen über das Rechtssystem, den Glauben und die Ideale aller Beteiligten aufwirft. Dies ist der Ausgangspunkt von “The Devil Lawyer”, einer fesselnden thailändischen Serie über juristische Strategien und moralische Abgründe.
“The Devil Lawyer” hat bei Netflix für Furore gesorgt und den ersten Platz in den Charts erobert. Wir haben mit der Hauptbesetzung gesprochen: Rhatha Phongam (als Jittree), Nat Kitcharit (Mek), Kob Songsit (Big Anan) und Prim Achareeya (Angsumalin). Sie sprechen über ihre Rollen, die Bedeutung des Wortes “Teufel” im System und die dunkle Seite, die in jedem Menschen verborgen sein kann.

Above Ein exklusives Gespräch mit der Besetzung von “The Devil Lawyer” über Wahrheit und Gerechtigkeit (Bild: Tatler Thailand).
1. Eine Geschichte, die uns alle betrifft: Warum “The Devil Lawyer” von Anfang an fesselt
Was “The Devil Lawyer” von gewöhnlichen Anwaltsserien unterscheidet, ist nicht nur die Komplexität der Fälle, sondern das beklemmende Gefühl der Vertrautheit. Rhatha Phongam, die Jittree spielt, erklärt, dass die Serie Themen aufgreift, die zwar jedem bewusst sind, aber in der Unterhaltungsbranche selten offen ausgesprochen werden. Die Zuschauer fühlen sich durch Berichte aus den Nachrichten oder der Presse sofort mit der Geschichte verbunden.
Neben der sozialen Realität sorgen die geschickte Verflechtung der Haupt- und Nebenhandlungen sowie die spannungsgeladenen Szenen im Gerichtssaal dafür, dass man die Serie kaum ausschalten kann.
Above “The Devil Lawyer” wirft ein Schlaglicht auf die Schattenseiten des Justizsystems, wenn ein unbescholtener Anwalt zum Tatverdächtigen wird und Hilfe bei einem “Teufelsanwalt” suchen muss.
2. Der “Teufel” hat kein typisches Gesicht
Der Titel “The Devil Lawyer” lädt dazu ein, über das Wesen des Bösen zu reflektieren. Kob Songsit, der Big Anan spielt, ist überzeugt: “Macht ohne Philosophie und Verantwortung ist das wahre Teuflische.” Rhatha Phongam ergänzt, dass für sie das Teuflische darin liege, um das eigene Fehlverhalten zu wissen und dennoch nicht aufzuhören. Nat Kitcharit hingegen betont die schleichende Gefahr: Die Angst, selbst zum Teil dieses Systems zu werden, ohne es in der eigenen Verblendung überhaupt zu bemerken.

Above Songsit Rungnopakunsi in der Rolle des Anan Metnipaisharn über Macht, Verantwortung und das Böse (Bild: Cai Lian Jie 2026 Netflix).
3. Wahrheit ist nicht gleich Gerechtigkeit
Meks Schicksal als vermeintlicher Mörder ist erst der Anfang einer Welt, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.
Nat erklärt, dass der entscheidende Wendepunkt für seine Figur nicht als Anwalt, sondern als Mensch kam. In einer Schlüsselszene entscheidet sich Mek für einen fragwürdigen Weg, um einen Fall zu gewinnen. Dieser Moment macht ihm schmerzlich bewusst, dass jede Entscheidung Folgen hat. Während er tiefer in den Graubereich abgleitet, hinterfragt die Serie, wie weit “Gerechtigkeit” interpretiert werden kann, abhängig davon, aus welcher Perspektive man sie betrachtet.

Above Nat Kitcharit als Mek Piriyawit in “The Devil Lawyer” über die subjektive Natur der Gerechtigkeit (Bild: Cai Lian Jie 2026 Netflix).
4. Die schonungslose Jittree: Eine schauspielerische Herausforderung
Für Rhatha Phongam war die Rolle der Jittree, einer listigen und gnadenlosen Anwältin, besonders fordernd. Da sie persönlich an das Karma-Prinzip glaubt, musste sie sich intensiv in die Isolation und den Verlust ihrer Figur hineinversetzen, die sie zu einer so harten Person geformt haben. Eine der Schlüsselszenen, in der sie Mek scharf kritisiert, beschreibt sie als einen Moment, in dem ihre eigene Enttäuschung über die Ungerechtigkeit im Alltag, etwa bei Privilegien im täglichen Leben, fast nahtlos mit dem Charakter verschmolz.

Above Rhatha Phongam als Jittree Wankrit in “The Devil Lawyer” (Bild: Cai Lian Jie 2026 Netflix).
5. Gute Absichten allein reichen in einer schweigsamen Welt oft nicht aus
Prim Achareeya, die Angsumalin spielt, schildert ihre Figur als jemanden, der einst Ideale teilte, sich aber durch die Realität des Berufslebens veränderte. Eine Schlüsselszene auf einer Yacht, in der nur der Hilferuf eines Kindes zu hören ist, während alle anderen schweigen, dient als kraftvolle Metapher für die Gesellschaft. “The Devil Lawyer” zeigt hier eindrucksvoll, dass das Böse oft nicht nur durch Täter, sondern durch das Schweigen der Vielen entsteht.

Above Achareeya Phothiphipitthanakon als Angsumalin Thumnat, eine Beobachterin, die vergeblich versucht, ihr Schicksal zu bestimmen (Bild: Cai Lian Jie 2026 Netflix).
6. Authentizität bis ins kleinste Detail
Neben dem starken Drehbuch loben die Schauspieler das akribische Casting. Kob Songsit und Prim Achareeya heben hervor, dass der Einsatz von echten Experten aus verschiedenen Lebensbereichen – von Universitätsdozenten bis zu erfahrenen Schiffsleuten – dem Ensemble eine bemerkenswerte Glaubwürdigkeit verliehen hat.
7. “Wenn das System Risse bekommt: Was für ein Mensch willst du sein?”
Diese zentrale Frage bleibt nach dem Schauen von “The Devil Lawyer”. Nat sieht das Problem nicht nur im System selbst, sondern bei den Individuen, die es durch Korruption ausnutzen. Kob Songsit hofft, dass die Gesellschaft nicht abstumpft und dass die junge Generation den Mut aufbringt, die notwendigen Veränderungen herbeizuführen.
Alle Darsteller betrachten “The Devil Lawyer” als ersten Wellenschlag, um den thailändischen Unterhaltungssektor mutiger und realistischer zu gestalten. Sie laden dazu ein, alle acht Folgen der Serie auf Netflix zu schauen und gemeinsam einen wichtigen Schritt für die lokale Filmindustrie zu gehen.
Ob es eine zweite Staffel geben wird? Bleiben Sie gespannt.

Above Das Trio hinter dem Erfolg von “The Devil Lawyer”: Jakrin Thepwong (Co-Regisseur/Drehbuchautor), Nattawut Poonpiriya (Regisseur) und Songpol Chantarasom (Produzent) (Bild: Worapon Teerawatvijit / Tatler Thailand).















