Yuan Hao-Cheng, der Gründer und CEO von Ridge Studio, ist ein Träumer, der zwischen Theaterillusionen und realen Abfällen nach der Wahrheit der Nachhaltigkeit sucht. Er betrachtet das Vergängliche als Ausgangspunkt seines Schaffens und repariert zwischen Sägespänen und Stahlgerüsten in der Fabrik eigenhändig die Risse zwischen Kunst und Umwelt.
Für die meisten Menschen ist die Bühne ein Ort des kollektiven Träumens. Doch wenn die Lichter erlöschen und das Publikum den Saal verlässt, beginnt für Yuan Hao-Cheng die eigentliche Gestaltungsaufgabe: die Demontage jener Holz- und Strukturmaterialien, die andernfalls zu Abfall würden. Als Gründer und CEO von Ridge Studio ist Yuan Hao-Cheng tief im Theaterdesign verwurzelt. Zwischen Sägespänen und Stahlgerüsten hat er ein außergewöhnliches integratives Denken entwickelt. Von Theatern über Konzerte bis hin zu kulturellen Großprojekten agiert er als interdisziplinärer Übersetzer. Sein Ziel ist es, eine völlig neue Ordnung des “Kreislaufs” zwischen kreativem Höhepunkt und materiellem Lebenszyklus zu etablieren. Für ihn ist Design keine punktuelle visuelle Präsentation, sondern eine langfristige, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Praxis des “Verschwindens und Bleibens”.
“Ich denke, wir sind so etwas wie Raummagier”, beschreibt Yuan Hao-Cheng sich und sein Team. Die Bühne ist für ihn mehr als eine bloße Anhäufung von Materialien; sie ist ein Raum, in dem Geschichten lebendig werden und an die das Publikum “glaubt”. Die Faszination dieser Magie liegt in ihrer Fähigkeit, Grenzen zu überwinden — sei es im Theater, auf Musikfestivals oder gar in Escape Rooms. Er strebt nach einer multisensorischen Authentizität. Doch im Gegensatz zum klassischen Bild eines Zauberers, der seinen Zauberstab schwingt, weiß Yuan Hao-Cheng genau: Um Illusionen wahr werden zu lassen, muss man sich auf eine absolut fundierte, materielle Logik stützen.

Above Exklusives Interview mit Yuan Hao-Cheng, dem visionären Gründer und CEO von Ridge Studio. (Foto: Yonn Lin)

Above Exklusives Interview mit Yuan Hao-Cheng, dem visionären Gründer und CEO von Ridge Studio. (Foto: Yonn Lin)
Die Fabrik des Magiers und seine Logik der Übersetzung
Um diese räumliche Magie präzise in die Realität umzusetzen, etablierte Yuan Hao-Cheng bereits bei der Gründung seines Unternehmens eine eigene Produktionsstätte. Dies ist keine bloße Backend-Fertigung, sondern ein Labor, das Design, Handwerkskunst und Produktion auf höchstem Niveau integriert. “Die Authentizität der Magie entspringt einer Obsession für Details”, erklärt Yuan Hao-Cheng. Er macht sich die Eigenschaften der Materialien eigen und verwandelt emotionale Geschichten in rationale Gebilde — sei es durch die abgenutzte Textur speziell gemischter Farben oder die strukturelle Stärke kunstvoller Holzarbeiten.
In der stark arbeitsteiligen Veranstaltungsbranche besteht die Essenz seiner Arbeit darin, Bedürfnisse präzise aufeinander abzustimmen und Kommunikationshürden zu beseitigen. Die Funktionsweisen von Theater, Popmusik und öffentlichen Ausstellungen unterscheiden sich grundlegend. Ein und dieselbe Anforderung kann in verschiedenen Kontexten zu völlig unterschiedlichen Kosten und Ausführungswegen führen. Er versteht es meisterhaft, das oft vage ästhetische Verlangen aller Beteiligten zu entschlüsseln und in kalkulierbare, modulare technische Spezifikationen zu übersetzen. In der frühen Phase der kreativen Entwicklung filtert er ineffektive Kommunikation heraus und stellt sicher, dass die visuelle Ausdruckskraft des Künstlers mit den physikalischen Grenzen der Produktion im Einklang steht. Für Yuan Hao-Cheng bedeutet herausragendes Produktionsmanagement nicht nur die termingerechte Fertigstellung, sondern auch das präzise Ausloten jener Grenze, an der Ressourcen und Ästhetik harmonisch koexistieren.

Above Exklusives Interview mit Yuan Hao-Cheng, dem visionären Gründer und CEO von Ridge Studio. (Foto: Yonn Lin)

Above Exklusives Interview mit Yuan Hao-Cheng, dem visionären Gründer und CEO von Ridge Studio. (Foto: Yonn Lin)
Vom leidenschaftlichen Boot zur unternehmerischen Kreuzfahrt
In den Augen von Yuan Hao-Cheng glich der Beginn von Ridge Studio eher einem großen Abenteuer. Er trommelte ehemalige Kommilitonen zusammen, um ein “kleines Boot” zu formen, das ins Ungewisse steuerte. Jeder hatte seine feste Rolle, und gemeinsam segelten sie, angetrieben von ihrer Leidenschaft für Bühnenbild, auf das offene Meer hinaus. Doch die Auswirkungen der Pandemie zwei Jahre nach der Gründung erteilten dem jungen Kapitän eine äußerst reale und harte Lektion.
“Als die Gehälter nicht mehr ausgezahlt werden konnten und mich alle fragten, woher das Geld für den nächsten Monat kommen solle, wurde mir zum ersten Mal die wahre Mission und der immense Druck eines Unternehmens bewusst”, erinnert sich Yuan Hao-Cheng. Als einige Mitstreiter der ersten Stunde aufgrund persönlicher Lebenspläne beschlossen, das Schiff zu verlassen, erkannte er tiefgreifend: Die Existenz eines Unternehmens kann nicht allein auf Wunschdenken und Enthusiasmus beruhen. Vielmehr bedarf es eines stabilen Betriebssystems, das in der Lage ist, den Lebensunterhalt aller Beteiligten zu sichern. Diese schmerzhafte Erfahrung ließ ihn die Naivität eines reinen Künstlers ablegen. Er übernahm das Gewicht der unternehmerischen Verantwortung und formte Ridge Studio von einem kleinen Holzboot voller Gleichgesinnter zu einem Kreuzfahrtschiff mit gesellschaftlicher Verantwortung und einer langfristigen Vision.

Above Exklusives Interview mit Yuan Hao-Cheng, dem visionären Gründer und CEO von Ridge Studio. (Foto: Yonn Lin)

Above Exklusives Interview mit Yuan Hao-Cheng, dem visionären Gründer und CEO von Ridge Studio. (Foto: Yonn Lin)
Die wahren Koordinaten nach dem Verschwinden
Das Theater ist eine Branche, die meisterhaft Illusionen erschafft, doch die Abfälle, die nach dem Abbau einer Produktion zurückbleiben, sind von unerbittlicher Realität. Für Yuan Hao-Cheng entsprang das Erwachen für die “Nachhaltigkeit” keinem bloßen Slogan, sondern einem visuellen Schock während seiner Studienzeit. Immer wenn nach der letzten Vorstellung die Lichter erloschen, wurde das Bühnenbild, in das zuvor so viel Herzblut geflossen war, innerhalb weniger Stunden demontiert und von mehreren großen Müllwagen abtransportiert.
“Dinge, die eigentlich äußerst wertvoll waren, verwandelten sich in dem Moment, in dem die Vorstellung endete, plötzlich in Müll”, erzählt Yuan Hao-Cheng. Dieses Schuldgefühl angesichts der verschwendeten Ressourcen wurde zu seinem stärksten Antrieb, eine zirkuläre Produktion zu etablieren. Er investierte 13 Jahre in den Aufbau dieses Konzepts — von akademischen Forschungen bis hin zur tatsächlichen Implementierung eines Lagersystems —, um diesen Kreislauf der Verschwendung zu durchbrechen. Er lernte, die Bauherren zu überzeugen: durch Mieten statt Kaufen, durch das Neuanordnen und Kombinieren alter Materialien und Designs. So verwandelte er die “Wegwerf-Ästhetik” des Theaters in einen fließenden, zirkulären Wert. Nachhaltigkeit bedeutet für ihn nicht den Verzicht auf Ästhetik. Es ist vielmehr eine intelligentere Methode, die es der Seele eines Raumes ermöglicht, in verschiedenen Projekten immer wieder neu geboren zu werden.

Above Exklusives Interview mit Yuan Hao-Cheng, dem visionären Gründer und CEO von Ridge Studio. (Foto: Yonn Lin)

Above Exklusives Interview mit Yuan Hao-Cheng, dem visionären Gründer und CEO von Ridge Studio. (Foto: Yonn Lin)
Beitou: Der Entwurf einer heilenden Stadt
Die Ambitionen von Yuan Hao-Cheng beschränken sich keineswegs auf die Bühne. Derzeit strebt er danach, Beitou in eine “heilende Stadt” mit enormem Potenzial für kulturellen und künstlerischen Tourismus zu verwandeln. Er hat beobachtet, dass die Bezirke Shilin und Beitou in Taiwan die höchste Dichte an Talenten aus den Bereichen Kunst und Kultur aufweisen — mit einem jährlichen Durchlauf von über 8.000 Fachkräften. Damit diese Künstler in der Stadt leben und arbeiten können, betreibt er nicht nur Buchhandlungen und Bars, sondern plant auch die Eröffnung von “Kulturapartments”, in denen heiße Quellen, heilende Ressourcen und darstellende Künste tiefgreifend miteinander verschmelzen. “Eine ideale Kulturstadt ist ein Ort, an dem Künstler sicher und beständig leben können.”
Wenn man in zehn Jahren zurückblickt, möchte Yuan Hao-Cheng nicht nur als jemand in Erinnerung bleiben, der Bühnen baute. Er hofft vielmehr, als jemand definiert zu werden, der “die Kunst und Kultur der breiten Öffentlichkeit nähergebracht hat”. Die Revolution, die er in Beitou ins Leben ruft, handelt nicht nur vom Recycling von Räumen. Sie zeigt vielmehr auf, wie eine gesamte Branche mit der Stadt und der Umwelt in Einklang gebracht werden kann. Wenn Kunst nicht länger durch Konsum ihren Wert beweisen muss, wird dieses niemals endende Design zu der wärmsten Koordinate, die er der Zukunft hinterlässt!
Weiterlesen:




