Alex Červený’s Earth, Sea and Air (2026, print, silver leaf and collage on paper) and, at the end of the passage, Skin-book (1996–2026, acrylic, gold leaf and pencil on parchment), in the Byzantine cistern beneath Zeyrek Çinili Hamam
Cover Die Ausstellung im Zeyrek Çinili Hamam präsentiert Werke von Alex Červený in der historischen byzantinischen Zisterne.
Alex Červený’s Earth, Sea and Air (2026, print, silver leaf and collage on paper) and, at the end of the passage, Skin-book (1996–2026, acrylic, gold leaf and pencil on parchment), in the Byzantine cistern beneath Zeyrek Çinili Hamam

Eine 13-jährige Restaurierung erweckte das Zeyrek Çinili Hamam als aktives Badehaus zu neuem Leben und verwandelte die darunterliegende byzantinische Zisterne in eine Galerie, in der das Werk “Atlas of Encounters” des brasilianischen Künstlers Alex Červený bis Januar zu sehen ist.

In die Steinwände einer byzantinischen Zisterne im Istanbuler Viertel Zeyrek sind kleine Schiffe eingeritzt. Man geht davon aus, dass sie von Galeerensklaven des osmanischen Großadmirals Hayreddin Barbarossa geschnitzt wurden, die im 16. Jahrhundert beim Bau seines Hamams eingesetzt wurden und deren Namen nie verzeichnet wurden. Bis zum 31. Januar 2027 teilen sich diese Gravuren den Raum mit dem Werk des brasilianischen Künstlers Alex Červený. Das Zeyrek Çinili Hamam bietet somit eine beeindruckende Kulisse für diese Ausstellung.

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Alex Červený and Anlam de Coster on the roof of Zeyrek Çinili Hamam, among the domes above the bathhouse
Above Alex Červený und Anlam de Coster auf dem Dach des Zeyrek Çinili Hamam inmitten der Kuppeln über dem Badehaus
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The lead-clad domes of Zeyrek Çinili Hamam, studded with glass oculi, rise among the apartment blocks of Zeyrek, a UNESCO World Heritage neighbourhood
Above Die bleibedeckten Kuppeln des Zeyrek Çinili Hamam, besetzt mit Glas-Okuli, erheben sich über dem Zeyrek-Viertel, einem UNESCO-Weltkulturerbe
Alex Červený and Anlam de Coster on the roof of Zeyrek Çinili Hamam, among the domes above the bathhouse
The lead-clad domes of Zeyrek Çinili Hamam, studded with glass oculi, rise among the apartment blocks of Zeyrek, a UNESCO World Heritage neighbourhood

“Atlas of Encounters”, Červenýs erste Einzelausstellung in der Türkei, belegt die Zisterne unter der Frauenabteilung des Zeyrek Çinili Hamam. Dieses Doppelbad wurde einst von Mimar Sinan, dem bedeutendsten kaiserlichen Architekten, für Barbarossa entworfen. Sinan integrierte die ältere Struktur in das Fundament, was die Stabilität des Zeyrek Çinili Hamam zusätzlich festigte. Wie viele Zisternen der Stadt verfiel sie, als das osmanische System auf fließendes Wasser umgestellt wurde, und geriet in Vergessenheit.

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Zeyrek Çinili Hamam, commissioned by Hayreddin Barbarossa and designed by Mimar Sinan, reopened in 2023 after a 13-year restoration by The Marmara Group
Above Das im Auftrag von Hayreddin Barbarossa errichtete und von Mimar Sinan entworfene Zeyrek Çinili Hamam eröffnete 2023 nach einer 13-jährigen Restaurierung durch die Marmara Group erneut.
Zeyrek Çinili Hamam, commissioned by Hayreddin Barbarossa and designed by Mimar Sinan, reopened in 2023 after a 13-year restoration by The Marmara Group

Eine Restaurierung, die zur Ausgrabung wurde

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A painted niche uncovered during the 13-year restoration, one of the many layers the project brought to light
Above Eine während der 13-jährigen Restaurierung freigelegte bemalte Nische, eine der vielen Schichten, die das Projekt zutage förderte.
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The domed entrance hall, where bathers rest after the bath, with a marble fountain and restored painted decoration on the arches
Above Die Kuppelvorhalle, in der sich Badegäste erholen, mit einem Marmorbrunnen und restaurierten Malereien an den Bögen des Zeyrek Çinili Hamam.
A painted niche uncovered during the 13-year restoration, one of the many layers the project brought to light
The domed entrance hall, where bathers rest after the bath, with a marble fountain and restored painted decoration on the arches

Die Marmara Group erwarb das Zeyrek Çinili Hamam im Jahr 2010. Viele der İznik-Kacheln, die dem Ort seinen Namen gaben, waren im 19. Jahrhundert entfernt worden. “Wir dachten, es würde drei oder vier Jahre dauern”, sagte Koza Güreli Yazgan, Gründungsdirektorin des Hamams. Die Restaurierung dauerte 13 Jahre und glich einer archäologischen Ausgrabung. Sie brachte tausende Kachelfragmente und Artefakte aus der römischen, byzantinischen und osmanischen Zeit hervor. “Plötzlich ging die Geschichte nicht mehr nur um ein 500 Jahre altes osmanisches Bad”, erklärte sie. Es offenbarte tiefe historische Schichten Istanbuls.

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Star-shaped openings pierce the dome of the hot room at Zeyrek Çinili Hamam, scattering daylight across the marble below
Above Sternförmige Öffnungen durchdringen die Kuppel des heißen Raums im Zeyrek Çinili Hamam und werfen Tageslicht auf den Marmorboden.
Star-shaped openings pierce the dome of the hot room at Zeyrek Çinili Hamam, scattering daylight across the marble below
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The restored hot room of Mimar Sinan’s 16th-century bathhouse, with marble basins, scalloped arches and hexagonal panels of İznik tiles beneath the star-pierced dome
Above Der restaurierte Heißraum des Zeyrek Çinili Hamam mit Marmorbecken, geschwungenen Bögen und hexagonalen İznik-Kacheln unter der sternförmigen Kuppel.
The restored hot room of Mimar Sinan’s 16th-century bathhouse, with marble basins, scalloped arches and hexagonal panels of İznik tiles beneath the star-pierced dome

Das Zeyrek Çinili Hamam eröffnete 2023 mit einem Museum für die Fundstücke und einer Zisterne, die für zeitgenössische Kunst genutzt wird. Yazgan lehnt den Begriff “adaptive Umnutzung” ab. “Wir haben die historische Funktion nicht ersetzt”, sagt sie. “Wir haben dreizehn Jahre investiert, damit ein 16. Jahrhundert Hamam wieder als Hamam funktionieren kann.” Das kulturelle Programm wuchs organisch aus dem Bestreben, die ursprüngliche soziale Bedeutung des Ortes zu bewahren.

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Die Unterwelt des Hamams

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Alex Červený’s Earth, Sea and Air (2026, print, silver leaf and collage on paper) and, at the end of the passage, Skin-book (1996–2026, acrylic, gold leaf and pencil on parchment), in the Byzantine cistern beneath Zeyrek Çinili Hamam
Above Alex Červenýs Werk in der byzantinischen Zisterne unter dem Zeyrek Çinili Hamam, inklusive Earth, Sea and Air sowie Skin-book.
Alex Červený’s Earth, Sea and Air (2026, print, silver leaf and collage on paper) and, at the end of the passage, Skin-book (1996–2026, acrylic, gold leaf and pencil on parchment), in the Byzantine cistern beneath Zeyrek Çinili Hamam

Die Gänge der Zisterne des Zeyrek Çinili Hamam sind schummrig und führen zwischen Mauern aus unregelmäßigem Mauerwerk hindurch. Anlam de Coster, künstlerische Leiterin, betont, dass die Restaurierung den Raum öffnete, “ohne seinen Charakter zu neutralisieren”. Man spürt deutlich, dass man einen Raum betritt, der einer anderen Geschichtsepoche angehört.

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Alex Červený, Skin-book, 1996–2026, acrylic, gold leaf and pencil on parchment
Above Alex Červený, Skin-book, 1996–2026, Acryl, Blattgold und Bleistift auf Pergament.
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Detail of Skin-book, with dozens of named volcanoes, from Santorini to Eyjafjallajökull, inscribed across the body
Above Detail des Skin-book mit Dutzenden beschrifteten Vulkanen, von Santorin bis Eyjafjallajökull, über den Körper verteilt.
Alex Červený, Skin-book, 1996–2026, acrylic, gold leaf and pencil on parchment
Detail of Skin-book, with dozens of named volcanoes, from Santorini to Eyjafjallajökull, inscribed across the body

De Coster beschreibt die Zisterne des Zeyrek Çinili Hamam als das “Unterbewusstsein des Hamams”. Besucher können hier baden, mehr über die Badekultur erfahren oder Ausstellungen entdecken, die mit dem Ort resonieren. Es geht nicht darum, das Erbe nur als Kulisse zu nutzen, sondern Kunst zu zeigen, die die Risse und Spuren des Gebäudes würdigt.

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Alex Červený, Bosphorus, 2026, acrylic on canvas
Above Alex Červený, Bosphorus, 2026, Acryl auf Leinwand, ausgestellt im Zeyrek Çinili Hamam.
Alex Červený, Bosphorus, 2026, acrylic on canvas

In den schummrigen Zisternen des Zeyrek Çinili Hamam können die Wände nicht wie in einem herkömmlichen Museum genutzt werden. Die über 30 Werke, darunter Zeichnungen auf Pergament, erscheinen nach und nach im Dämmerlicht. Das Verhältnis zu Körperlichkeit und Nähe ist in dieser Umgebung des Zeyrek Çinili Hamam völlig anders als in einem typischen “White Cube”.

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Ein Buch, das er nicht lesen konnte

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Installation view of Atlas of Encounters at Zeyrek Çinili Hamam, with pages from Alex Červený’s Astronomy Notebooks series (2009)
Above Installationsansicht von “Atlas of Encounters” im Zeyrek Çinili Hamam mit Seiten aus Alex Červenýs Astronomy Notebooks (2009).
Installation view of Atlas of Encounters at Zeyrek Çinili Hamam, with pages from Alex Červený’s Astronomy Notebooks series (2009)

De Coster entdeckte Červenýs Arbeit auf der Art Basel. Der Künstler war 2009 in Istanbul und fand in einem Antiquariat auf der İstiklal-Allee ein astronomisches Lehrbuch in arabischer Schrift. Obwohl er es nicht lesen konnte, faszinierte ihn das Layout. Er begann, die Seiten während schlafloser Nächte künstlerisch zu bearbeiten.

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The pair of seascapes. Alex Červený, Baklava (left) and Bosphorus, both 2026, oil on canvas
Above Die beiden Seestücke: Alex Červený, Baklava (links) und Bosphorus, beide 2026, Öl auf Leinwand.
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Installation view of Alex Červený’s Astronomy Notebooks, drawn on pages of an astronomy book he found in Istanbul in 2009, with the painting Flood (2026, oil on canvas) at right
Above Installationsansicht der Astronomy Notebooks im Zeyrek Çinili Hamam mit dem Gemälde Flood (2026) rechts.
The pair of seascapes. Alex Červený, Baklava (left) and Bosphorus, both 2026, oil on canvas
Installation view of Alex Červený’s Astronomy Notebooks, drawn on pages of an astronomy book he found in Istanbul in 2009, with the painting Flood (2026, oil on canvas) at right

Červený arbeitet oft mit Palimpsesten. Er fügt seine Gesten einer Oberfläche hinzu, die bereits eine eigene Geschichte im Zeyrek Çinili Hamam trägt. Er nennt das Resultat “ein Treffen von vier Händen”. Die Astronomy Notebooks bilden das Herzstück der Ausstellung und wurden nun erstmals an diesem passenden Ort im Zeyrek Çinili Hamam präsentiert.

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Ship figure and circle of bodies. Alex Červený, Istanbul (left) and Turkish Bath, both 2026, embroidery on fabric; the ship recalls Barbarossa’s fleet and the graffiti on the cistern walls
Above Schiffsfigur und Körperkreis: Alex Červený, Istanbul (links) und Turkish Bath (2026), Stickerei auf Stoff, im Kontext des Zeyrek Çinili Hamam.
Ship figure and circle of bodies. Alex Červený, Istanbul (left) and Turkish Bath, both 2026, embroidery on fabric; the ship recalls Barbarossa’s fleet and the graffiti on the cistern walls

“Die Ausstellung entstand durch Begegnungen”, sagt de Coster über die Arbeit im Zeyrek Çinili Hamam. Červený verarbeitete zudem Peştemals, traditionelle Badetücher, zu Kunstwerken. Einige dieser Tücher, bestickt durch eine Wohltätigkeitsorganisation, werden nun zusammen mit neuen Stücken im Zeyrek Çinili Hamam gezeigt, wobei das große Schiff die Verbindung zu Barbarossa unterstreicht.

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Schiffe an der Wand

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Long panorama, close. Alex Červený, Earth, Sea and Air, 2026, print, silver leaf and collage on paper.
Above Langes Panorama: Alex Červený, Earth, Sea and Air, 2026, Druck, Blattgold und Collage auf Papier im Zeyrek Çinili Hamam.
Long panorama, close. Alex Červený, Earth, Sea and Air, 2026, print, silver leaf and collage on paper.

Yazgan plant im Zeyrek Çinili Hamam etwa zwei Ausstellungen jährlich sowie begleitende Vorträge und Workshops. Sie betont: “Diese Gebäude müssen am zeitgenössischen Leben teilhaben, um bedeutsam zu bleiben. Aber nicht jedes historische Gebäude muss ein Hotel oder Restaurant werden.” Das Zeyrek Çinili Hamam beweist, dass es andere Wege gibt.

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Alex Červený, Turkish Bath, 2026, embroidery on fabric
Above Alex Červený, Turkish Bath, 2026, Stickerei auf Stoff, präsentiert im Zeyrek Çinili Hamam.
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Alex Červený, Turkish Bath I, 2012, embroidery on fabric, one of the peştemals he brought home from Istanbul.
Alex Červený, Turkish Bath, 2026, embroidery on fabric
Alex Červený, Turkish Bath I, 2012, embroidery on fabric, one of the peştemals he brought home from Istanbul.

De Coster findet die historischen Gravuren im Zeyrek Çinili Hamam zutiefst bewegend. “Sie erinnern uns daran, dass Geschichte nicht nur durch Denkmäler, sondern auch durch Gesten gewöhnlicher Menschen überdauert.” Červený betrachtet die Ausstellung als Gemeinschaftsprojekt mit den anonymen Künstlern, die vor Jahrhunderten die Schiffe in die Mauern des Zeyrek Çinili Hamam ritzten.

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