Morgan Maillard, Style and Heritage Expert, Vacheron Constantin
Cover Morgan Maillard, Style and Heritage Expert bei Vacheron Constantin
Morgan Maillard, Style and Heritage Expert, Vacheron Constantin

Der Uhrmacher Morgan Maillard verrät Tatler GMT, wie er sich in seiner neuen Aufgabe als Style and Heritage Expert bei Vacheron Constantin zurechtfindet

Mit 33 Jahren blickt Morgan Maillard bereits auf eine zwöfjährige Laufbahn bei Vacheron Constantin zurück. Er trat als junger Uhrmacher in das Schweizer Traditionshaus ein. Nach Stationen in den Boutiquen in Singapur, Genf und New York kehrte er 2025 an den Schweizer Hauptsitz der Manufaktur zurück, um die Position des Style and Heritage Expert anzutreten. Tatler GMT sprach mit Maillard auf der Watches and Wonders 2026 über seine neue Aufgabe bei Vacheron Constantin.

Dies ist Ihre erste Watches and Wonders als Style and Heritage Expert. Wie fühlt sich das an?

Es ist wunderbar zu sehen, wie begeistert die Menschen reagieren, wenn wir über unsere neuen Kreationen sprechen. Es macht Freude, unsere Vision für die Marke und die Inspiration hinter unseren Produkten zu vermitteln. Es ist eine überaus bereichernde Erfahrung.

Wie verlief Ihr Weg vom Uhrmacher zum Style and Heritage Expert?

Was mir besonders geholfen hat, war mein tiefes Verständnis für das Kundenverhalten, das ich durch meine Arbeit bei Reparaturen und den direkten Austausch mit Kunden gewonnen habe. Zudem besitze ich fundierte Kenntnisse über historische Zeitmesser. Durch die enge Zusammenarbeit mit Christian Selmoni, dem Style and Heritage Director, bei zahlreichen Projekten habe ich zudem gemerkt, dass wir viele Leidenschaften für Vacheron Constantin teilen. Ich hatte dieses Angebot nicht erwartet, sah es aber als wunderbare Herausforderung. Die Uhrmacherkunst bedeutet für mich den Austausch von Passion, Wissen und Handwerkstechnik. Und Vacheron Constantin blickt auf eine solch tiefgründige Geschichte zurück.

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Above Die Kampagne “One of not many” von Vacheron Constantin vereint vier Persönlichkeiten – die Musiker Benjamin Clementine und James Bay, den Designer Ora Ito sowie den Fotografen und Abenteurer Cory Richards –, die den Innovationsgeist von Vacheron Constantin verkörpern.

Worin liegen Ihre Hauptverantwortlichkeiten?

Ich bezeichne es gerne als eine Symbiose aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich bilde die Brücke zwischen unserer Historie und unseren Kunden bei Vacheron Constantin. Die Gegenwart ist geprägt vom Reisen und dem Austausch über unsere Arbeit. Die Zukunft besteht darin, das Feedback unserer Kunden weltweit aufzunehmen und es mit unserem Erbe zu verknüpfen, um neue Designs zu inspirieren. Unser erstklassiges Designer-Team leistet bereits Unglaubliches, doch gemeinsam können wir visionäre Wege noch weiter vorantreiben.

Was fasziniert Sie am meisten an der Geschichte von Vacheron Constantin?

Jeder Zeitmesser, den wir seit 1755 gefertigt haben, zeichnet sich durch ein gewisses Maß an Raffinesse und Eleganz aus. Dies zieht sich über Generationen hinweg. Das Design und das Uhrwerk entwickeln sich zwar stets weiter, aber wir bleiben weder exzessiv noch in der Vergangenheit stehen. Vacheron Constantin stand schon immer für Auftragsarbeiten, das heißt, das Zuhören war stets Teil unserer DNA. Dies hat es uns ermöglicht, eine derart vielfältige Kollektion aufzubauen.

Welche Fähigkeit aus Ihrer Zeit als Uhrmacher ist für die Heritage-Abteilung besonders wertvoll? Gab es Dinge, die Sie ablegen mussten?

Es gibt nichts, was man ablegen müsste. Ich glaube, alles, was man im Leben professionell oder persönlich lernt, ist jederzeit anwendbar. Als Uhrmacher habe ich festgestellt, dass mir der Dialog mit Menschen sehr am Herzen liegt; das ist eine große Hilfe in meiner jetzigen Rolle bei Vacheron Constantin.

Vermissen Sie die Arbeit am Werktisch?

Nein, denn ich bleibe unseren Zeitmessern sehr nahe. Wenn wir ein neues Kaliber vorstellen, kann ich mich jederzeit an den Werktisch setzen und es auseinandernehmen, um sein Innerstes zu erforschen.

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Above Die moderne Historiques American 1921 im direkten Vergleich mit dem historischen Original von Vacheron Constantin.

Können Sie, wenn Sie ein Vintage-Modell wie die Historiques American 1921 betrachten, die Absicht des ursprünglichen Uhrmachers erkennen? Wie hilft Ihnen das, die Geschichte einem modernen Publikum zu vermitteln?

Die Geschichte der American 1921 ist dafür ein großartiges Beispiel. Wir fertigten die erste Serie 1919 in einem sehr funktionalen, militärisch inspirierten Stil mit Radium-Ziffern und großen Zeigern. Im Jahr 1921 schufen wir dann anspruchsvollere Modelle mit der Krone an der gegenüberliegenden Seite. 2008 entschied der Designer, diese beiden Generationen zu vereinen, und schuf die heutige American 1921. Für mich als Uhrmacher ist es das perfekte Beispiel dafür, wie man ein ikonisches Modell mit einer zeitgemäßen Vision beleben kann, ohne die DNA von Vacheron Constantin zu verlieren. Das Aufziehen dieser Uhr ist ein haptisches Erlebnis, das ich besonders liebe.

Vacheron Constantin besitzt mit über 270 Jahren ein außergewöhnliches Archiv. Gibt es Stücke, die Sie gerne neu interpretiert sehen würden?

Wir arbeiten stetig an vielen Projekten. Es ist jedoch nicht so, dass jede Uhr eine Neuinterpretation benötigt. Vacheron Constantin hat mit Historiques-Modellen wie der 222, der Cornes de Vache und der American 1921 bereits exzellente Arbeit geleistet. Doch es wäre nicht der richtige Tribut, jede historische Uhr in die moderne Ära zu holen. Manche Stücke verdienen es, in ihrer eigenen Zeit zu bleiben.

Ich denke an ein Modell, das ich als Vintage-Stück absolut verehre, das ich jedoch nicht als moderne Uhr sehen möchte – zumindest nicht jetzt. Es ist ein Modell von 1917, das wir “Sole” nennen. Es ist eine beeindruckende Armbanduhr mit den Maßen 46 mm mal 23 mm und einer geschwungenen Form, die an die Sohle eines Schuhs erinnert. Es ist ein fantastisches Stück, das heute erstaunlich modern wirkt, aber es war bereits 1917 vollkommen. Man muss vorsichtig sein, ein großartiges Design nicht einfach nur zu kopieren. Sollten wir es wiederbeleben, dann nur auf die richtige Weise: mit Respekt vor der DNA und einem Hauch von Frische von Vacheron Constantin.

Wie entwickeln Sie den Stil weiter und ehren gleichzeitig die Wurzeln der Manufaktur?

Es ist ein Balanceakt. Nehmen Sie die neue Overseas Self-Winding Ultra-Thin. Das lachsfarbene Zifferblatt ist eine unserer Signaturen seit den 1940er Jahren. Das Platingehäuse besteht aus einer neuen Legierung mit Gallium und Kupfer, was es härter und widerstandsfähiger gegen Stöße macht. Hier gelingt Vacheron Constantin eine elegante Kombination aus Tradition und Moderne. Wie gesagt: Wir schöpfen aus der Vergangenheit, blicken in die Zukunft, hören unseren Kunden zu und finden so den richtigen Weg.

 

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Above Die Overseas Self-Winding Ultra-Thin von Vacheron Constantin ist mit dem neuen, ultraflachen Kaliber 2550 ausgestattet.

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Brian Cheong
Leitender Redakteur, Uhren & Schmuck, Tatler Malaysia
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Brian Cheong

Brian Cheong leitet die Bereiche Uhren ( Tatler GMT ) und Schmuck bei Tatler Malaysia und vereint dabei fundierte redaktionelle Expertise mit langjähriger Erfahrung im Luxussegment. Der erfahrene Journalist für Luxusuhren mit Sitz in Kuala Lumpur war zuvor für World of Watches , Men's Folio und Prestige Malaysia verantwortlich.