Cover 20 Jahre Schauspielkarriere von Reza Rahadian: Ein ehrliches Gespräch über die Welt des Films, persönliche Rückschläge und jene trügerischen Komfortzonen, die er bewusst vermeidet. (Foto: Nicoline Patricia Malina)

Zwischen zwei Jahrzehnten der Schauspielerei und seinem Regiedebüt lernt Reza Rahadian zu akzeptieren, exzellent zu führen und sich nicht allzu sehr in der Komfortzone auszuruhen.

Der Weg eines Schauspielers verläuft niemals isoliert. Er stützt sich zweifellos auf seine Sensibilität und persönlichen Erfahrungen, doch er ist wahrhaftig nie allein. Davon ist auch Reza Rahadian zutiefst überzeugt. Auf seiner 20-jährigen schauspielerischen Reise gab es stets Menschen, die ihn begleiteten, unterstützten und an das glaubten, was er vor der Kamera verfeinerte und präsentierte. 20 Jahre sind keine kurze Zeitspanne, um in einer derart schnelllebigen Branche zu bestehen. In dieser Zeit war Reza nicht nur ein überaus produktiver Schauspieler; er avancierte zu einem der beständigsten und markantesten Gesichter des indonesischen Kinos.

Während er über zwei Jahrzehnte hinweg geradezu unweigerlich mit dem gleißenden Rampenlicht, roten Teppichen und seiner herausragenden Brillanz in der Schauspielkunst in Verbindung gebracht wurde, hat ihn dies paradoxerweise zu jener Bescheidenheit zurückgeführt, die heute sein Anker ist. Dies wurde besonders deutlich, als er zu unserem Fotoshooting und Interview erschien. Er trug ein schlichtes weißes T-Shirt sowie Jeans und bat lediglich um heißes Wasser für einen schwarzen Kaffee aus einem mitgebrachten Päckchen. Er gesteht, dass er es heute vorzieht, Kleidung mehrfach zu tragen, selbst gebrühten Kaffee zu genießen und seine Zeit zu verbringen, ohne das ständige Bedürfnis zu verspüren, sich inszenieren zu müssen.

Tatler Asia
Above Nach zwei Jahrzehnten vor der Kamera betrachtet Reza Rahadian die Filmwelt nun aus einer völlig neuen Perspektive.

Tatsächlich krönte er im vergangenen Jahr zwei Jahrzehnte kreativen Schaffens mit seinem Regiedebüt für den Film “Pangku”, der sowohl von der Kritik als auch vom Publikum hochgelobt wurde und zahlreiche renommierte Auszeichnungen erhielt, darunter beim Festival Film Indonesia (FFI), dem Busan International Film Festival (BIFF) und dem Festival Film Tempo. Der Fokus fühlt sich nun anders an und scheint ein völlig neues Kapitel in seiner bemerkenswerten kreativen Reise aufzuschlagen.

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Above Mit seinem beeindruckenden Regiedebüt “Pangku” erntete er weitreichende Anerkennung von renommierten Kritikern und dem Publikum.

Der außergewöhnliche Lernraum namens Film

Reza Rahadian konnte sich nie weit von der Welt des Films entfernen. “Der Film ist für mich ein Raum, in dem Bilder zum Leben erweckt werden und ihrerseits Leben spenden. Ich lebe nicht nur für den Film, sondern der Film gibt auch mir meinen Lebensunterhalt.”

Wenn man seinen Antworten lauscht und den Glanz in seinen Augen sieht, fühlt man sich an jemanden erinnert, der zutiefst verliebt ist — und dieses Leuchten strahlt unverkennbar zurück. Es ist eine Energie, die man immer seltener antrifft: jemanden zu beobachten, der sich mit ganzem Herzen und all seinen Höhen und Tiefen einer Leidenschaft hingibt. Natürlich ist diese Liebe nicht immer von Leichtigkeit geprägt. Im Jahr 2018 sah er sich nach der Hauptrolle in einem Film scharfer Kritik ausgesetzt. Daraufhin nahm er sich eine fast achtmonatige Auszeit und entschied sich, an der Fakultät Vokasi der Universitas Indonesia zu unterrichten — etwas, das er zuvor noch nie getan hatte. Zu seiner eigenen Überraschung erwies sich diese Phase als ein wunderbarer Moment tiefgreifender Reflexion.

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Above Reza Rahadian betritt ein neues Kapitel mit einer weitaus umfassenderen und reiferen Perspektive.
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Above Reza Rahadian lernt zu akzeptieren, dass sowohl außergewöhnliche Erfolge als auch Rückschläge stets nur vorübergehender Natur sind.

Für mich ist Film ein Raum, in dem Bilder zum Leben erwachen und Leben ins Leben bringen. Ich lebe nicht nur für den Film, sondern er sichert mir auch meinen Lebensunterhalt. - Reza Rahadian

Reza begann zu verinnerlichen, dass sowohl Erfolg als auch Misserfolg von flüchtiger Natur sind. “Wenn ein Film schlecht ist, dann ist er eben schlecht. Ist er gut, dann ist er gut. Selbst wenn ein Werk von einigen als herausragend empfunden wird, kann es von anderen als mangelhaft betrachtet werden. Es ist überaus subjektiv”, erklärt er. Er spürt nicht länger den Druck, die Wahrnehmung der Menschen lenken zu müssen — nicht alles lässt sich kontrollieren, und das sollte es auch nicht. Er muss lediglich seinen Teil mit absoluter Hingabe und Integrität erfüllen.

“Es gibt unzählige Menschen da draußen, die arbeiten müssen, schlichtweg weil sie arbeiten müssen, und nicht immer lieben sie das, was sie tun. Sie müssen überleben und haben schlicht keine anderen Optionen. In meinem Fall darf ich tun, was ich wahrhaftig liebe, und das möchte ich keinesfalls als selbstverständlich ansehen oder vergeuden”, bemerkt Reza, der seine Arbeit als Schauspieler nicht als bloße Bürde, sondern vielmehr als eine Art kreativen Spielplatz betrachtet. “Ehrlich gesagt habe ich mich bis zu dieser Sekunde noch nie gelangweilt — und ich hoffe inständig, dass dies so bleibt. Ich bin der Filmindustrie noch lange nicht überdrüssig.”

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Above Für Reza Rahadian bedeutet die kreative Reise vor allem, die hohe Kunst des Akzeptierens und Loslassens zu meistern.

Das Erwachen eines lange ruhenden Traums

Für einen Schauspieler, der es gewohnt ist, sich voll und ganz auf die Verkörperung eines Charakters zu konzentrieren, bedeutet der Platz auf dem Regiestuhl eine immense Erweiterung des eigenen Horizonts. Der Entstehungsprozess von “Pangku” hat Rezas Perspektive auf den Film grundlegend transformiert. Was zuvor ein individueller Prozess war, ist nun ein kollektives Unterfangen. Statt sich auf eine einzige Rolle zu fokussieren, orchestriert er nun Hunderte kleiner Entscheidungen, die die Richtung der gesamten Erzählung bestimmen. Zudem war die Arbeit als Regisseur ein lang gehegter Traum für Reza Rahadian, der nun endlich vollendete Wirklichkeit geworden ist.

“Das Filmemachen ist von enormer Komplexität geprägt”, bemerkt er. “Exzellente Führung ist hierbei von absolut entscheidender Bedeutung. Man muss exakt wissen, was man am Set erreichen möchte.” Er spricht mit Leidenschaft über die Kunst der Menschenführung, das Risikomanagement und die Offenheit für konstruktives Feedback. Er erläutert, wie seine früheren organisatorischen Erfahrungen — insbesondere als Vorsitzender des Komitees des Festival Film Indonesia (FFI) in den Jahren 2021 bis 2023 — ihm geholfen haben zu verstehen, dass Regiearbeit vor allem bedeutet, tiefgreifende Verantwortung zu übernehmen.

Die kreative Welt neigt oft dazu, sich in idealistischen Vorstellungen zu verstricken, doch er wählt bewusst den Mut, Dinge zu beginnen und auch zu vollenden. Ein Film, ungeachtet seiner potenziellen Schwächen, erlangt letztlich erst dann wahre Bedeutung, wenn er das Licht der Welt erblickt. “Diesen Satz rufe ich mir stets ins Gedächtnis: Ein wahrhaft gutes Werk ist ein abgeschlossenes Werk.”

Die Rolle des Regisseurs hat ihn auch gelehrt, Filmwerke nicht mehr vorschnell zu verurteilen. Er weiß nun aus erster Hand, wie viele Hände an einem einzigen Projekt beteiligt sind. Diese neue Perspektive hat ihm eine tiefe Empathie für seine Schauspielkollegen und die Crewmitglieder verliehen. Er betrachtet einen Film nicht länger nur aus dem Mikrokosmos eines Charakters heraus; er sieht ihn nun als vielschichtiges, lebendiges Ökosystem.

Die Furcht vor übermäßiger Bequemlichkeit

Wenn es eine Sache gibt, die Reza heute noch beunruhigt, dann ist es keineswegs das Scheitern. Er fürchtet sich nicht davor zu versagen. Er hat bereits genügend Rückschläge erlebt, um zu begreifen, dass genau dort die ehrlichsten und tiefgreifendsten Lektionen des Lebens verborgen liegen. Was ihn jedoch wachsam werden lässt, ist ein Übermaß an Bequemlichkeit. Die Komfortzone, so reflektiert er, kann schnell zu einer unsichtbaren Falle werden. Er gesteht, dass er oft allzu streng und fordernd mit sich selbst umgeht.

Gegenwärtig lernt er, seinem eigenen Körper und Geist mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Er lernt, dass Angst kein Feind ist, sondern vielmehr eine sanfte Erinnerung daran, unaufhörlich Fragen zu stellen. Das ständige “Warum” ist ein Gedanke, den er bewusst pflegt. Er ist der festen Überzeugung, dass genau aus dieser Neugier wahrhaftiges Wissen erwächst.

Nach dem immensen Erfolg von “Pangku” bereitet er derzeit bereits seinen zweiten Film als Regisseur vor. Der Prozess befindet sich noch in der spannenden Phase der Recherche und Entwicklung, doch die Thematik ist für ihn von äußerst persönlicher Natur. Zugleich bleibt er der Schauspielerei treu, insbesondere bei Projekten mit tiefgreifendem sozialen Wert, deren generationsübergreifender Diskurs ihm wichtig erscheint. So überrascht es kaum, dass er auch in der Verfilmung des herausragenden Romans “Laut Bercerita” von Leila S. Chudori in der Hauptrolle des Biru Laut glänzen wird.

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Above An diesem faszinierenden Wendepunkt wählt Reza Rahadian den Weg des Zuhörens, des ständigen Lernens und des mutigen Neuanfangs.

Ich erinnere mich immer an diesen Spruch: Gute Arbeit ist getan. - Reza Rahadian

Wenn er seinen Blick 10 bis 20 Jahre in die Zukunft richtet, visualisiert er ein indonesisches Kino, das zunehmend facettenreicher, mutiger und offener für den globalen Diskurs wird. Es wird keine Barrieren mehr geben, die den kreativen Fluss behindern. “Eines Tages werden wir nicht mehr überrascht sein, indonesische Filmemacher in allen Teilen der Welt arbeiten zu sehen”, äußert er voller Optimismus.

Eine Branche mag in Zahlen und messbaren Erfolgen wachsen, doch letztlich wird sie stets von Menschen getragen, die die Bereitschaft zum kontinuierlichen Lernen mitbringen. Dem Lernen aus Rückschlägen. Dem Erlernen vorbildlicher Führung. Und der Kunst, sich niemals allzu sicher und bequem zu fühlen.

Und vielleicht ist genau dies das wahre, zweite Kapitel für Reza Rahadian: nicht nur ein physischer Wechsel von der Position vor der Kamera hinter die Kulissen, sondern vielmehr eine tiefgreifende Entwicklung hin zu vollendetem Bewusstsein.

Credits

Photography: Nicoline Patricia Malina (NPM Photography)
Styling: Hans Hambali
Words: Adeste Adipriyanti
Make-Up: Ryan Ogilvy
Hair: Muhammad Adhar
Photography Assistant: Melvin Roberto, Eny Koesrini, Klarita Dania, Tofik Hidayat, Badrul
Outfit: Maison Valentino, Tangan Prive