NBA superstar Stephen Curry (C), NBA free agent Seth Curry (L) attend a fan meeting during Curry Brand's 10th Anniversary Asia Tour on August 18, 2025 in Chongqing, China. NBA basketball superstar Stephen Curry from the Golden State Warriors headed to Chongqing, China, his only Asian stop for a 3-day brand event, featuring the world's first CURRY CON fan convention and Asia's debut Curry Camp. (Photo by You Fang/VCG via Getty Images)
Cover August 2025, Chongqing. NBA-Star Stephen Curry war das Gesicht der groß angelegten 10-Jahres-Tour der “Curry Brand” von Under Armour, umgeben von UA-Branding und einem Jahrzehnt gemeinsamer Geschichte. Heute ist der vierfache NBA-Champion als Sneaker-‘Free Agent’ unterwegs – und Fans beobachten, wie er mit Chinas Anta vorsichtig vorfühlt. (Foto von You Fang/VCG via Getty Images)
NBA superstar Stephen Curry (C), NBA free agent Seth Curry (L) attend a fan meeting during Curry Brand's 10th Anniversary Asia Tour on August 18, 2025 in Chongqing, China. NBA basketball superstar Stephen Curry from the Golden State Warriors headed to Chongqing, China, his only Asian stop for a 3-day brand event, featuring the world's first CURRY CON fan convention and Asia's debut Curry Camp. (Photo by You Fang/VCG via Getty Images)

Während Stephen Curry 2026 in eine hochkarätige Sneaker-“Free Agency” eintritt, deutet sein wahrscheinlicher Wechsel zum chinesischen Schwergewicht Anta auf einen historischen Machtwechsel in der NBA hin. Von Kyrie Irvings kreativer Führungsrolle bis zum wachsenden Einfluss von Nikola Jokic: Wir zeigen, wie chinesische Marken das Nike-Adidas-Duopol auf der globalen Basketball-Bühne aufbrechen.

Mehr als ein Jahrzehnt lang war Stephen “Steph” Curry von den Golden State Warriors aus der NBA untrennbar mit der Sportmarke Under Armour verbunden – bis jetzt. Ende 2025 beendete der vierfache NBA-Champion seine zwölfjährige Partnerschaft mit dem US-Sportausrüster nahezu geräuschlos und begab sich in die vielbeachtete Sneaker-“Free Agency”. Der Schritt ließ die Basketballwelt aufhorchen: Alle Augen richteten sich darauf, wo Curry als Nächstes unterschreiben würde – Chinas Anta kristallisierte sich als verlockender Favorit heraus. Es mehren sich die Gerüchte, dass Currys nächste Signature-Schuhe nicht von Nike oder Adidas stammen, sondern von einer chinesischen Marke, die sich auf der NBA-Bühne profilieren will.

Curry hat auf dem Parkett bereits Andeutungen gemacht. Während der jüngsten NBA-All-Star-Festivitäten lief die Ikone der Golden State Warriors in Anta-Sneakern auf – sogar in einem Paar, dessen Ferse mit seinem vertrauten “SC”-Logo verziert war. Nach Jahren als prägendster Botschafter von Under Armour markierte Currys Auftritt in Schuhen einer chinesischen Marke einen Paradigmenwechsel im Sneaker-Kosmos. Sollte er tatsächlich bei Anta unterschreiben (wie viele vermuten), wäre dies ein Einschnitt: Ein Superstar seiner Generation verleiht einem chinesischen Label Strahlkraft und stellt die langjährige Dominanz von Nike und weiteren US-Marken in Frage.

Chinesische Marken in der NBA auf dem Vormarsch

Currys Lage ist das jüngste – und vielleicht bedeutendste – Zeichen für die wachsende Präsenz chinesischer Sportmarken in der NBA. Noch vor Kurzem galt ein All-Star in chinesischen Sneakers als Kuriosum. (Als Dwyane Wade 2012 Nikes Jordan Brand verließ und bei Li-Ning unterschrieb, galt das als wegweisender Schritt.) Heute haben sich mehrere profilierte Spieler selbstbewusst chinesischen Unternehmen angeschlossen. Vor allem Anta und Li-Ning haben starke NBA-Kader aufgebaut und prägen die Sneaker-Landschaft aktiv neu.

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Tatler Asia
Stephen Curry #30 of the Golden State Warriors reacts against the Houston Rockets during the fourth quarter in Game Six of the Western Conference First Round NBA Playoffs at Chase Center on May 02, 2025 in San Francisco, California. (Photo by Ezra Shaw/Getty Images)
Above Abruptes Ende: Die Spannungen eskalierten im Dezember 2025, nachdem Under Armour sich die rund eine halbe Million Instagram-Follower der “Curry Brand” “einverleibt” und in den Haupt-Basketball-Account überführt hatte. Dieser Schritt gilt weithin als Grund, warum Curry beim All-Star-Weekend 2026 sein letztes UA-Signature-Modell (den Curry 13) nicht trug und stattdessen Anta wählte. (Foto von Ezra Shaw/Getty Images)
Stephen Curry #30 of the Golden State Warriors reacts against the Houston Rockets during the fourth quarter in Game Six of the Western Conference First Round NBA Playoffs at Chase Center on May 02, 2025 in San Francisco, California. (Photo by Ezra Shaw/Getty Images)

Anta betrat 2007 den NBA-Markt zunächst mit Rollenspielern, eskalierte jedoch rasch zu Namen wie Kevin Garnett im Jahr 2010. Diese frühen Deals ebneten den Weg für ambitioniertere Partnerschaften. Currys Teamkollege bei den Golden State Warriors, Klay Thompson, wechselte 2014 von Nike zu Anta, unterschrieb später eine zehnjährige Verlängerung über 80 Millionen US-Dollar und schließlich einen lebenslangen Vertrag. “Anta ging ein Wagnis mit mir ein, und ich ging eines mit ihnen ein. Es war eine Verbindung wie gemacht für den Himmel,” sagte er damals den Medien. Die Partnerschaft hat seither über zehn Millionen Signature-Paare verkauft und 2026 einen lebenslangen Vertrag besiegelt. 2023 verpflichtete Anta einen weiteren NBA-Champion, Kyrie Irving – nach dessen Trennung von Nike – und ernannte ihn zum Chief Creative Officer von Anta Basketball. “Der erste Schritt zu einer Partnerschaft besteht darin, dieselben Träume, Ziele und Missionen zu teilen,” bemerkte Irving.

Li-Ning schlug derweil einen parallelen Kurs ein. Der Meilenstein-Deal von 2012 mit Dwyane Wade – der Converse und Jordan den Rücken kehrte – hat sich zu einem lebenslangen Vertrag und der populären Sneaker-Linie “Way of Wade” entwickelt. “Das war etwas, das ich tun musste … um mir und meiner Familie ein Vermächtnis aufzubauen,” erklärte Wade. Andere Stars folgten: Jimmy Butler verließ Adidas und Jordan, um bei Li-Ning zu unterschreiben, ebenso schloss sich CJ McCollum dem Kader an. Was als Rinnsal begann, ist zu einem stetigen Strom geworden und signalisiert eine breitere Verschiebung im globalen Basketball-Sneaker-Geschäft.

 

Anta: Das ‘Nike’ Chinas?

In puncto Größe und Ambition ist Anta zum Fahnenträger des Aufstiegs chinesischer Sportbekleidung geworden. Häufig als “Nike Chinas” bezeichnet, ist Anta tatsächlich eine heimische Macht – das Unternehmen betreibt über 12.000 Geschäfte (einschließlich Tochtermarken wie Fila) und dominiert seit einigen Jahren Chinas Sportbekleidungsmarkt. Tatsächlich überholte Anta 2022 Nike erstmals bei den Gesamtumsätzen in China und hat seither die Führung behauptet. Die Erlöse des Unternehmens erreichten 2024 ¥70,8 Milliarden (rund 10,2 Milliarden US-Dollar), ein Plus von 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch wenn das im Vergleich zu Nikes globalen ~46 Milliarden US-Dollar nur ein Bruchteil ist, zeigt es doch, dass Antas Strategie im Heimatmarkt aufgeht.

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Nun richtet die Marke den Blick weit über das Heimatfeld hinaus. “Wir wollen nicht das Nike Chinas sein, sondern das Anta der Welt,” erklärte Antas Chairman Ding Shizhong und umriss damit seine globalen Ambitionen. Diese Ambitionen sind mehr als Worte: Anta investierte massiv im Ausland, erwarb 2026 sogar einen bedeutenden Anteil an Puma über 1,8 Milliarden US-Dollar und hatte zuvor über die Tochter Amer Sports Marken wie Wilson und Salomon übernommen. Entscheidender Hebel: Anta und Li-Ning nutzen NBA-Stars, um ihre internationale Glaubwürdigkeit zu stärken. Irvings Partnerschaft etwa ließ Anta Leistung und Kultur verschmelzen – die Marke präsentierte mit Kyrie bei der New York Fashion Week eine Kollektion zwischen Fashion und Sportswear und zeigte, wie ein chinesisches Sneaker-Unternehmen auf der globalen Stilbühne agieren kann.

Above In diesem Material von der New York Fashion Week 2025 spricht NBA-Spieler Kyrie Irving über seine Rolle als Chief Creative Officer von Anta und betont, dass sein Wechsel weniger ein klassisches Sponsoring, sondern das “Eintreten in eine Familie” und kreative “Langlebigkeit” bedeute

Die kulturelle Bedeutung dieses Wandels entgeht den Beobachtern nicht. In China ist es ein Grund zum Stolz, wenn heimische Marken von Weltklasse-Athleten unterstützt werden – ein Zeichen dafür, dass chinesische Unternehmen mit westlichen Ikonen auf Augenhöhe konkurrieren können. Global erleben wir einen Wahrnehmungswechsel: Wo ein chinesischer Sneaker einst von Sneakerheads belächelt wurde, besitzt er heute Prestige, wenn ihn Stars wie Klay Thompson oder Kyrie Irving tragen. Der Einfluss wirkt in beide Richtungen – NBA-Stars lernen die enorme chinesische Fangemeinde und Ästhetik zu schätzen, während chinesische Marken globale Designtrends und Athleten-Feedback integrieren, um Produkte zu kreieren, die weltweit Anklang finden. Das Ergebnis ist ein Ost-trifft-West-Mix in der Sneakerkultur, bei dem eine Signature-Silhouette ebenso von Pekinger Streetwear wie von NBA-Tradition inspiriert sein kann.

Der Weg nach vorn: Kultur, Business und das nächste Jahrzehnt

Was hält die Zukunft für chinesische Marken in der NBA bereit? In den nächsten fünf bis zehn Jahren dürfte ihr Fußabdruck im wörtlichen wie im übertragenen Sinn weiter wachsen. Sollten Curry und Anta tatsächlich zusammenfinden, könnten weitere Topnamen dem Trend folgen – ein Schritt, der vor zehn Jahren fast unvorstellbar gewesen wäre. Solche Engagements gehen über reines Business hinaus. Sie verkörpern das Zusammenspiel von Lifestyle, Kultur und Kommerz: Athleten tragen nicht nur einen Schuh, sondern übernehmen Rollen als Creative Designer, Camp-Botschafter und kulturelle Brückenbauer. So umfasst Irvings Anta-Deal etwa Jugend-Basketballcamps in China und den USA sowie die Einbindung von Kollaborateuren aus Musik, Kunst und Aktivismus – ein Beispiel dafür, wie Sneaker-Partnerschaften heute weit über Footwear hinausreichen.

Unterdessen werden Nike und Adidas – die langjährigen Goliaths – das Feld kaum kampflos räumen. Nike stattet noch immer die Mehrheit der NBA-Spieler aus und wahrt eine Aura der Dominanz (gestützt durch lebenslange Verträge mit Ikonen wie LeBron James und Kevin Durant). Doch das Kräfteverhältnis verschiebt sich langsam. Greater China war für Nike zuletzt die schwächste Region, und chinesische Marken nutzen den Moment, um bei Innovation und Storytelling anzugreifen. Schon bald könnten chinesische Unternehmen NBA-Events sponsern, Flagship-Boutiquen in wichtigen US-Städten eröffnen oder College- und Grassroots-Partnerschaften schließen, um die nächste Generation von Athleten zu fördern.

Auch im Lifestyle-Bereich setzt sich die gegenseitige Befruchtung fort. Die Sneakerkultur, einst vornehmlich durch US-Marken und die Retro-Mythologie um Michael Jordan geprägt, ist wahrhaft global geworden. Es ist heute ebenso plausibel, dass ein Teenager in Los Angeles Kyries Anta-Kollaboration oder Wades Li-Ning-Modell “Way of Wade” begehrt, wie dass er dem neuesten Air Jordan nachjagt. Wie Antas Chairman andeutete, geht es nicht darum, Nike innerhalb Chinas zu imitieren, sondern eine Identität zu schaffen, die weltweit besteht. Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen, könnten chinesische Sneakerhersteller Anfang der 2030er Jahre ebenso zum NBA-Narrativ gehören wie der in Oregon beheimatete Gigant, der die vergangenen Jahrzehnte prägte.

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Dwyane Wade and Gabrielle Union attend the Li-Ning Menswear Fall/Winter 2020-2021 show as part of Paris Fashion Week on January 18, 2020 in Paris, France. (Photo by Francois Durand/Getty Images)
Above Dwyane Wade und Gabrielle Union auf der Paris Fashion Week 2021 veranschaulichen den “Wade-Effekt”. Indem er Jordan zugunsten von Li-Ning verließ, bewies Wade, dass ein NBA-Star mit einem chinesischen Partner seine globale Fashion-Credibility bewahren kann – und ebnete so den Weg für Currys aktuellen Kurswechsel. (Foto von Francois Durand/Getty Images)
Dwyane Wade and Gabrielle Union attend the Li-Ning Menswear Fall/Winter 2020-2021 show as part of Paris Fashion Week on January 18, 2020 in Paris, France. (Photo by Francois Durand/Getty Images)

Am Ende geht es bei dieser Entwicklung um mehr als Sneakers – es geht um Kultur und Selbstbewusstsein. Eine neue Generation von NBA-Stars setzt auf Partnerschaften, die einst als gewagte Umwege galten, und erweitert damit die Definition dessen, was eine “globale Sportmarke” sein kann. Die Kollision von Lifestyle, Kultur und Business im Sneaker-Segment bringt faszinierende Paarungen hervor, und die NBA ist die perfekte Bühne. Ein treffendes Beispiel ist Nikola Jokic, womöglich der derzeit beste Basketballer der Welt, der seit 2023 Schuhe des chinesischen Unternehmens ‘361’ trägt. Heute spekuliert man über Steph Curry und Anta; morgen könnte ein weiterer Superstar ein Bündnis in Peking oder Shanghai schmieden. Das Spiel – und das Spiel hinter dem Spiel, das Sneaker-Business – verändert sich rasant, und alle Beteiligten, von Athleten über Fans bis zu Fashionistas, sind auf dieser Reise dabei. Chinesische Marken sind im NBA-Universum angekommen – ihre Geschichte hat gerade erst begonnen.