Der koreanisch-kanadische Schauspieler und Model Lee Jae Yoon, bekannt aus “My Love by My Side” und Hauptdarsteller der neuen Hongkong-Serie “The Season”, spricht über sein neues Verständnis von Popularität, das weit über das reine Aussehen hinausgeht.
Das hochkarätige Hongkonger Gesellschaftsdrama “The Season” — mit einem internationalen Staraufgebot bestehend aus Jessie Mei Li, Karena Lam, Toby Stephens und Anson Lo — feiert heute, am 17. Juni 2026, seine mit Spannung erwartete weltweite Premiere auf Viu und Hulu. Die Serie, Hongkongs moderne Antwort auf “Crazy Rich Asians” und “Emily in Paris”, besticht durch atemberaubende Kostüme der in Los Angeles ansässigen Designerin Vera Chow, die die Elite der Geschichte in glamouröse Roben und elegante Anzüge hüllt.
Doch Jon Kim, der kühl wirkende Problemlöser der mächtigen Hext-Familie, gespielt von Lee Jae Yoon, bildet eine deutliche Ausnahme: Schweigsam und streng hinterlässt er einen unvergesslichen Eindruck, als er in seiner ersten Szene in einem schlichten schwarzen Oberteil auftritt und damit einen krassen Kontrast zu den farbenfrohen, lebendigen Kleidungsstücken der übrigen Yacht-Gäste bildet. Zwar sorgt die beeindruckende Statur des koreanisch-kanadischen Schauspielers für eine charismatische Präsenz — Lee wurde zuletzt durch seine Teilnahme an der Fitness-Reality-Show “Physical: 100 Season 2 – Underground” auf Netflix bekannt.
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Above Der koreanisch-kanadische Schauspieler Lee Jae Yoon, der in “The Season” die Hauptrolle spielt (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Ahn Jun Young)
Lee baute seine Karriere zunächst durch Mainstream-K-Dramas wie “Weightlifting Fairy” und “My Love by My Side” auf, ein Genre, das traditionell das kuratierte Charisma und die Bühnenpräsenz erfordert, um eine riesige globale Fangemeinde zu bedienen.
Für “The Season”, seine erste Rolle in englischer Sprache, setzt Lee stattdessen auf eine gründliche psychologische Vorbereitung und nuancierte schauspielerische Entscheidungen. Er befreit sich heute bewusst von alten Zwängen, indem er weniger auf sein äußeres Erscheinungsbild fokussiert und beruflichen Erfolg über ein tieferes Rollenverständnis definiert.
Der Schauspieler ist diese Woche in der Stadt, um die Serie zu bewerben. Tatler traf ihn, um über die Dreharbeiten vor Ort, den Ausbruch aus dem klassischen K-Drama-Ökosystem und seine Ansichten zu Schönheitsidealen als moderner Darsteller zu sprechen.

Above Jon Kim in “The Season”, dargestellt von Lee Jae Yoon (Bild: Instagram/@theseason.show und @goomapapa)
Was hat Sie an der Rolle des Jon Kim in “The Season” gereizt und wie haben Sie sich auf eine Figur mit solch bedrohlicher Aura vorbereitet?
Jon Kim ist ein Problemlöser, der die Dynamik in jedem Raum verändert. Er sorgt für Unbehagen, da man nie sicher weiß, was er plant. Dieses Geheimnisvolle hat mich an der Figur gereizt. Besonders hervorzuheben ist, dass er der einzige koreanische Charakter in “The Season” ist, was dem Projekt eine ganz eigene Note verleiht.
Ich hatte eine klare Vorstellung davon, wie Jon Kim spricht, aussieht und sich bewegt. Er ist ein beobachtender Charakter, der Emotionen nicht offen zeigt. Er analysiert Menschen ständig und kalkuliert Lösungen. Regie und Produktion sahen Jon Kim von Anfang an in mir, daher sollte ich mein natürliches Auftreten nicht verändern. Ich konzentrierte mich darauf, meine Texte präsent zu haben und eine stoische, ruhige Art auszustrahlen.
Wie viel von Ihrer persönlichen Persönlichkeit steckt in Jon Kim?
Ich bin im wahren Leben kein Problemlöser. Allerdings bin ich sehr organisiert und bereite Dinge gerne vor, bevor sie eintreten. In dieser Hinsicht sind Jon Kim und ich uns sehr ähnlich. Ich versuche immer, eine Verbindung zu meinen Charakteren aufzubauen und das Gute in ihnen zu finden, daher fiel mir der Übergang in seine Gefühlswelt nicht allzu schwer.

Above Lee Jae Yoon, ein Star aus “The Season” (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Ahn Jun Young)
Zu Beginn Ihrer Karriere spielten Sie oft freundliche Figuren, heute verkörpern Sie eher düstere Gegenspieler. Wie navigieren Sie durch diesen kreativen Wandel?
In jungen Jahren spielte ich oft gute Söhne, Geschäftsleute oder Ärzte. Mit dem Älterwerden hat sich der Ausdruck meines Gesichts gewandelt, und ich werde heute überwiegend als Antagonist besetzt. Zur Vorbereitung studiere ich brillante Schurken-Darstellungen von Schauspielern wie Gary Oldman, Johnny Depp, Robert De Niro oder Al Pacino. Wenn ein Charakter auf wahren Ereignissen basiert, tauche ich in Dokumentationen und Artikel ein. Ist er rein fiktiv, suche ich nach ähnlichen cineastischen Vorbildern. Da Jon Kim einen militärischen Spezialkräfte-Hintergrund hat und sehr ruhig ist, konnte ich ihn auf dem Fundament ähnlich intensiver Rollen aufbauen, die ich in der Vergangenheit verkörpert habe.
Wie hat sich Ihre Definition eines fesselnden Charakters in den letzten zwei Jahrzehnten gewandelt?
Früher fokussierte ich mich sehr stark auf mein visuelles Erscheinungsbild — darauf, wie ich aussah und wirkte, und darauf, attraktiv zu sein. Ich habe erkannt, dass es tiefgreifendere Wege gibt, eine Figur auszudrücken. Ich jage nicht mehr krampfhaft nach der Zuneigung des Publikums. Heute konzentriere ich mich darauf, alles Überflüssige wegzulassen und meine schauspielerische Leistung für sich sprechen zu lassen.

Above Lee Jae Yoon aus “The Season” in “Physical: 100 Season 2 – Underground” (Foto: Instagram/@goomapapa)
Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Dreharbeiten zu “The Season” in Hongkong?
Hongkong ist eine faszinierende Stadt mit einem vielfältigen Mix an Kulturen und fantastischer Kulinarik. Neben der Arbeit vor der Kamera gibt es so viel zu entdecken. Ich habe großartige Freunde gefunden, die mir halfen, die Stadt zu erkunden. Ich liebe die Balance zwischen Urbanität und Natur — man findet geschäftige Stadtgebiete direkt neben friedlichen Bergen. Das Lebensgefühl ist ähnlich hochfrequent wie in Seoul, doch Hongkong wirkt unglaublich entspannend.
Die Serie weist eine internationale Besetzung auf. Hat dieses globale Umfeld Ihre Herangehensweise verändert?
Es war meine erste Rolle, bei der ich ausschließlich Englisch sprach, was anfangs nervenaufreibend war. Doch das Umfeld erlaubte mir, mich freier zu fühlen als bei meinen üblichen koreanischen Produktionen. Das internationale Set fühlte sich an wie ein Treffen unter Freunden. Jeder war respektvoll und gleichzeitig verspielt, was meine Anspannung komplett löste.
Wie nehmen Sie die weltweite Explosion koreanischer und asiatischer Kultur wahr?
Als ich nach meiner Rückkehr aus Kanada 2003 nach Korea kam, wusste man im Westen wenig über das Land. Heute wird unsere Kultur weltweit anerkannt, was mich stolz macht. Das Hongkonger Kino war für mich eine enorme Inspiration. Ich habe Bruce Lee, Jackie Chan, Jet Li und Donnie Yen bewundert. Besonders Bruce Lee war für mich als asiatischer Mann, Kampfsportler und Philosoph eine monumentale Figur. Er lehrte mich, stolz auf meine asiatische Identität zu sein.

Above Lee Jae Yoon mit der Besetzung und Crew von “The Season” bei der Erkundung von Hongkong (Foto: Instagram/@goomapapa)
Ihre Fitness bei “Physical: 100 Season 2 – Underground” verblüffte die Fans. Wie groß war der mentale Druck?
Ehrlich gesagt wollte ich anfangs nicht teilnehmen. In Südkorea gibt es öffentliche Ranglisten athletischer Unterhaltungskünstler, und da ich weit oben stand, war der Druck immens, mich gegen Elite-Athleten zu beweisen. Ich hatte Angst vor einer Blamage. Ein Regisseur überzeugte mich, dass dies eine notwendige Herausforderung sei. Nachdem ich die erste Runde überstanden hatte, verflog der Druck; ich realisierte, dass ich nichts zu verlieren hatte.
Was ist Ihre Philosophie von Wellness?
Wahrer Wellness ist simpel: Er beginnt mit guter Ernährung und ausreichend Schlaf. Dann folgen Hingabe und beständige Gewohnheiten. Selbst an Tagen, an denen ich erschöpft bin, zwinge ich mich, aufzustehen. Freunde, die eine positive und aktive Einstellung vorleben, helfen dabei, am Ball zu bleiben. Diese disziplinierte athletische Mentalität kommt direkt meiner Arbeit in “The Season” zugute, da Dreharbeiten enorme physische Ausdauer erfordern.
Welche Projekte stehen als Nächstes an?
Ich habe gerade einen Film abgeschlossen, der in Thailand gedreht wurde und in dem auch Arden Cho mitspielt. Der Film beleuchtet die skrupellosen Rivalitäten innerhalb einer K-Pop-Agentur. Ich würde die Stimmung des Projekts als eine Mischung aus “K-pop Demon Hunters” und “Black Swan” beschreiben — es wird extrem intensiv, und ich kann es kaum erwarten, dass die Zuschauer es sehen.





