Die mit dem Olivier Award ausgezeichnete Neuinszenierung von “Jesus Christ Superstar” hat offiziell in Manila Einzug gehalten und wird noch bis zum 31. Mai im The Theatre at Solaire aufgeführt. Hier sind unsere Eindrücke der Galavorstellung vom 5. Mai.
Zweifellos elektrisierend durch grelle Lichter und die herausragenden hohen Töne der Hauptdarsteller sowie des Ensembles: Die Inszenierung von Jesus Christ Superstar, die von GMG Productions und David Ian für Crossroads Live und Work Light Productions nach Manila gebracht wurde, zielt darauf ab, jene konzertante Aufführung nachzubilden, für die das Londoner Regent’s Park Open Air Theatre bekannt ist. Doch für ein Musical, das einst aus Kontroversen entstand, ist diese Tournee-Version überraschenderweise nicht provokant genug für ein überwiegend katholisches Land, das bereits 1972 das Privileg hatte, unter anderem eine Aufführung unter der choreografischen Leitung der Nationalkünstlerin Alice Reyes zu erleben.
Um die kulturelle Bedeutung dieser legendären Show zu verstehen, muss man auf ihre Entstehungsgeschichte blicken. Andrew Lloyd Webber und Tim Rice konzipierten das Werk ursprünglich im Jahr 1969 mit der ersten Single Superstar, bis 1970 ein vollständiges Rock-Konzeptalbum veröffentlicht wurde. Es war ein radikaler Ansatz, der die Passion Christi durch die zynischen, aber auch mitfühlenden Augen seines Verräters, Judas Ischariot, präsentierte. Das Werk zog bekanntermaßen den Zorn vieler auf sich, da es sich stark auf die menschliche, fehlbare Seite von Jesus konzentrierte, die Natur seiner Göttlichkeit infrage stellte und seine Auferstehung bemerkenswerterweise ausließ. Zwar gelingt es dem Manila-Gastspiel der britischen Tourneeproduktion erfolgreich, die Ursprünge der Show als Hommage an die vielfältigen Formen des Rock ’n’ Roll der sechziger und siebziger Jahre herauszustellen. Jedoch vermisst man ein wenig jenen revolutionären, grenzüberschreitenden Geist, für den spätere Produktionen und Verfilmungen von Jesus Christ Superstar so berühmt waren.
Mehr lesen: Machen Sie sich auf etwas gefasst: Eine ehrliche Kritik zu ‘Der Teufel trägt Prada 2’

Above Joshua Bess, Gab Pangilinan und das internationale Tournee-Ensemble von “Jesus Christ Superstar” (Foto: Vitt Salvador)
Für all jene, die mit den späteren Versionen von Jesus Christ Superstar vertraut sind, welche auf ihre jeweilige Zeitgenossenschaft anspielen, reduziert die britische Tourneeproduktion dies erheblich, um sich ausschließlich auf die Musikalität und Lyrik des Ursprungsmaterials zu konzentrieren. Anstatt Kostüme und szenische Elemente zu nutzen, um das moderne politische oder soziale Klima zu reflektieren, geht diese Inszenierung stark auf Nummer sicher.
Die Eröffnungsszene ist entscheidend, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln, doch die Tonanlage war zu Beginn der Galavorstellung schlichtweg nicht laut genug. Dieser Mangel an akustischer Durchschlagskraft schien den Darstellern unabsichtlich eine gewisse Zurückhaltung aufzuzwingen. Die von Drew McOnie stammende Choreografie unterstreicht die Körperlichkeit der Darsteller und zielt darauf ab, eine leicht exzentrische Atmosphäre für die Songs zu schaffen. Dennoch entsprachen die emotionale Ausdruckskraft und Energie des Ensembles zu Beginn nicht ganz den choreografischen Absichten. Erst in der Mitte des ersten Songs nahm die Dynamik spürbar zu, und es dauerte bis zur Mitte des ersten Aktes, bis die Produktion die notwendige Balance zwischen der Rock-Akustik und der rohen Kraft der Künstler erreichte.

Above Joshua Bess in der Rolle des Jesus mit dem internationalen Tournee-Ensemble von “Jesus Christ Superstar” (Foto: Vitt Salvador)
In einer durchgesungenen Rockoper hängt die emotionale Überzeugungskraft gänzlich von der Fähigkeit der Besetzung ab, die Lieder perfekt zu interpretieren und dabei ihre Mimik gezielt einzusetzen. Die wahren Höhepunkte der Produktion finden sich jedoch in den herausragenden Darbietungen von Judas, gespielt von Javon King, und Maria Magdalena, verkörpert durch Gab Pangilinan.
King verleiht der Figur des Judas eine notwendige Vielschichtigkeit — eben jenem Charakter, der dem Album von 1970 seine kritische, hinterfragende Stimme gab. Die in Manila ansässige Schauspielerin Pangilinan glänzt brillant in ihrer Rolle: Ihre Darstellung der Maria Magdalena bringt genau jene geerdete Wärme mit, die nötig ist, um die hektische Energie der Show auszugleichen. Joshua Bess übernahm in der Eröffnungswoche die Rolle des Jesus, da der Schauspieler Luke Street noch nicht in Manila eingetroffen war. Dennoch verfügt der Zweitbesetzung-Darsteller über einen fesselnden Blick und eine souveräne Bühnenpräsenz, die den strengen Anforderungen seiner musikalischen Nummern voll und ganz gerecht werden. Zwar wirkten einige seiner schauspielerischen Entscheidungen mitunter etwas vorsichtig, doch bildete dies einen reizvollen Kontrast zu dem kraftvollen, von tiefem Schmerz geprägten Gesang, den er eindrucksvoll ablieferte.

Above Gab Pangilinan und Joshua Bess in einer Szene von “Jesus Christ Superstar” (Foto: Vitt Salvador)
Die Philippinen haben eine tiefe, langjährige Tradition der Inszenierung von Passionsspielen, bekannt als Senakulo, die jede Karwoche stattfinden. Interessanterweise haben viele zeitgenössische Versionen dieser lokalen Aufführungen tatsächlich die nuancierte Charakterisierung des extravaganten Herodes, des machtlosen Pilatus und des rationalisierten Judas übernommen, die Jesus Christ Superstar der Welt vor über 50 Jahren vorstellte.
Angesichts dieser tief verwurzelten kulturellen Verbindung wirkt der überaus polierte Ansatz des Manila-Gastspiels der britischen Tourneeproduktion wie eine verpasste Gelegenheit für eine derart spektakuläre Show. Selbst mit ihren historisch als blasphemisch empfundenen Perspektiven auf die Leidensgeschichte und den Tod Jesu Christi spiegelt die Aufführung ewige Fragen über moralische Wahrheiten und den eigenen Glauben wider. Diese Themen hätten beim lokalen Publikum noch tiefgreifender Resonanz finden können, wenn die Inszenierung es gewagt hätte, auf aktuelle Ereignisse anzuspielen.
Dennoch bleibt Jesus Christ Superstar ein vokales und visuelles Spektakel; die schiere Elektrizität der zeitlosen Rockmusik und die herausragenden darstellerischen Leistungen machen den Abend zu einem äußerst unterhaltsamen und lohnenden Theatererlebnis.
JETZT LESEN
‘A Chorus Line’ (2026) festigt die Position der Theatre Group Asia in der lokalen Theaterszene
Boggi Milano präsentiert seine Frühjahr/Sommer-Kollektion 2026 im Greenbelt 5





