Yang Jen-Hao gestaltet unsere Art der kulturellen Interaktion neu. Als Mitbegründer und CEO von ARTOGO gibt er sich nicht mit bloßer technologischer Entwicklung zufrieden, sondern positioniert sich als “Übersetzer”, der sein Team leitet, um physische Ausstellungen in digitale Vermögenswerte zu verwandeln. In seinen Augen ist ARTOGO eine völlig neue Art von “Verlag”, der emotionale Kunst- und Kulturinhalte durch eine rationale Managementlogik strukturiert. Er strebt danach, das Schicksal physischer Ausstellungen zu durchbrechen, die nach ihrem Ende verschwinden, und eine völlig neue Branchenordnung im virtuellen Raum zu etablieren.
Der unternehmerische Weg von Yang Jen-Hao folgt keinem typischen Narrativ der Kunstwelt. Nach seinem Universitätsabschluss arbeitete er als Vollzeit-Lehrassistent an einer juristischen Fakultät, leitete ein Beratungsunternehmen für Rechtsmanagement und wandte sich anschließend Online-Lernplattformen zu. Obwohl sein vorheriges Unternehmen nicht den vollen Erfolg brachte, erkannte er das immense Potenzial der “Wertsteigerung von Inhalten” und der “Überwindung von Raum- und Zeitgrenzen”. Da er selbst ein leidenschaftlicher Ausstellungsbesucher ist, aber feststellte, dass es auf dem Markt an hochwertigen virtuellen Erlebnissen mangelte, beschloss er, die Logik des Online-Lernens in den Kunst- und Kultursektor zu übertragen.
“Sie können uns sich wie einen neuartigen Verlag vorstellen”, erklärt Yang Jen-Hao. “Genauso wie Online-Kurse Videos nutzen, um Wissen zu verkaufen, nutzen wir den virtuellen Raum, um Geschichten zu verkaufen.” Von der Lizenzierung der Inhalte über die Produktion bis hin zur Veröffentlichung und Vermarktung verbindet ARTOGO jeden Schritt des Veröffentlichungsprozesses. Für ihn ist dies nicht nur eine Anhäufung von Technologien, sondern ein präzises Projekt darüber, wie kulturelle Inhalte in neue Formate übersetzt werden können. Er ist fest davon überzeugt, dass der Kern von allem darin besteht, Werte wieder sichtbar zu machen, anstatt lediglich Bilder zu sichern. Er versteht sich als Übersetzer, der aus dem emotionalen Vokabular der Künstler ein rationales Format herausarbeitet, sodass diese Inhalte auch in der Cloud eine ebenso starke Überzeugungskraft entfalten können.

Above Ein exklusives Interview mit dem ARTOGO-Mitbegründer und CEO Yang Jen-Hao (Foto: Yonn Lin)

Above Ein exklusives Interview mit dem ARTOGO-Mitbegründer und CEO Yang Jen-Hao (Foto: Yonn Lin)
Der Raum ist ein präzise berechnetes Erlebnis
Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass eine Online-Ausstellung lediglich ein 360-Grad-Scan und ein Backup des physischen Ausstellungsraums ist. In den Augen von Yang Jen-Hao lässt sich das physische Erlebnis jedoch fast unmöglich direkt auf eine Webseite übertragen. “Jeder visuelle Fokuspunkt, den man beim Betreten des Ausstellungsraums sieht, und jeder Schritt auf dem Rundgang erfordert tatsächlich präzise Berechnungen.” Er betont, dass das Verhalten beim virtuellen Ausstellungsbesuch tiefgreifend übersetzt werden muss, anstatt einfach nur Bilder ins Internet zu stellen. Dies umfasst die Vorhersage der Aufmerksamkeit der Nutzer, die logische Anordnung automatisierter Führungsrouten sowie die rhythmische Abstimmung von Audio-Geschichten und räumlichen Bewegungen.
“Online-Nutzer sind sehr pragmatisch. Wenn das Erlebnis schlecht gestaltet ist, schließen sie die Webseite sofort.” Yang Jen-Hao betrachtet die “Verweildauer” als die wichtigste Metrik. Nehmen wir die Sonderausstellung “Ich vermisse dich bis zum Mond” von Chang Yu-Sheng als Beispiel: Obwohl die räumliche Struktur zu hundert Prozent originalgetreu nachgebildet wurde, mussten der Betrachtungsweg und die erzählerische Logik völlig neu entwickelt werden. Er muss darüber nachdenken, wie er die physische dreidimensionale Wahrnehmung in eine immersive Atmosphäre auf dem Bildschirm verwandeln kann. Durch gezielte Planung werden die Zuschauer auch vor ihren elektronischen Geräten geleitet und emotional berührt. In der Logik von Yang Jen-Hao sollte eine gute Online-Ausstellung einen eigenständigen Wert besitzen. Obwohl die kostenlose Zielgruppe der ARTOGO-Plattform derzeit hauptsächlich zwischen 20 und 35 Jahren liegt, sind diejenigen, die wirklich bereit sind zu zahlen, Frauen zwischen 30 und 50 Jahren mit familiärer Entscheidungsmacht. Diese Gruppe betrachtet virtuelle Führungen als hochwirksames Bildungswerkzeug. Ihr präzises Profil konnte nur durch kontinuierlich optimierte Datenberechnungen und Erlebnisdesigns geformt werden.

Above Ein exklusives Interview mit dem ARTOGO-Mitbegründer und CEO Yang Jen-Hao (Foto: Yonn Lin)

Above Ein exklusives Interview mit dem ARTOGO-Mitbegründer und CEO Yang Jen-Hao (Foto: Yonn Lin)
Die Exklusivität des physischen Ortes und die Allgegenwart der Cloud
Angesichts der Tatsache, dass Eintrittskarten für physische Ausstellungen immer teurer werden und oft die Marke von 500 NT-Dollar überschreiten, formuliert Yang Jen-Hao eine tiefgründige Beobachtung: “Das zukünftige Erlebnis wird sich polarisieren. Physische Erlebnisse werden aufgrund des durch die sinkende Geburtenrate verursachten Personalmangels und steigender Kosten immer seltener und teurer. Cloud-basierte Erlebnisse hingegen werden aufgrund ihrer leichten Zugänglichkeit zum Mainstream für den kulturellen Austausch der breiten Öffentlichkeit.” Er glaubt nicht, dass das Virtuelle das Physische ersetzen wird, sondern dass sich beide innerhalb der Wertschöpfungskette neu aufteilen werden. Der Personalmangel im Dienstleistungssektor der Veranstaltungsorte und die Seltenheit physischer Räume werden den persönlichen Besuch vor Ort zu einem hochpreisigen Luxuserlebnis machen, während virtuelle Plattformen eine Schlüsselrolle bei der Demokratisierung von Kultur spielen werden.
Um diesem Trend gerecht zu werden, expandiert ARTOGO derzeit in den japanischen Markt. Das ausgereifte Umfeld für Kunst- und Kulturkonsum in Japan sowie die große Akzeptanz für die Transformation von Eigentumsrechten waren entscheidende Schritte für diese Expansion. Gleichzeitig hat sich die Welle der künstlichen Intelligenz als wertvolle Unterstützung erwiesen. Er verrät, dass sich die Produktionskapazität durch KI-gestütztes Schreiben und die Generierung von Stimmen um das Vier- bis Fünffache erhöht hat. Diese technologische Dividende ermöglicht es ihm, sich noch stärker auf die Entwicklung von Inhaltskonzepten zu konzentrieren. Er freut sich darauf, dass das “Ausstellungsbesuchen im Liegen” in Zukunft durch tragbare Geräte oder fortschrittliche Technologien zu einem vollkommen immersiven Alltagserlebnis wird, das es ermöglicht, noch tiefer in Details einzutauchen als vor Ort.

Above Ein exklusives Interview mit dem ARTOGO-Mitbegründer und CEO Yang Jen-Hao (Foto: Yonn Lin)
Ein Handel mit dem Teufel
Am Ende des Interviews gibt Yang Jen-Hao einen sehr ehrlichen Ratschlag für Unternehmer: “Unternehmertum ist wie ein Handel mit dem Teufel. Wenn man sich etwas wünscht, wird man unweigerlich eines der folgenden Dinge verlieren: Gesundheit, Geld, familiäre Bindungen, Liebe oder Freundschaft.” Er ist der Ansicht, dass Unternehmertum nicht nur als ein Sprint von drei bis fünf Jahren betrachtet werden sollte, sondern mit einer Zeitspanne von zehn Jahren geplant werden muss. Wenn man Angst davor hat, in der Unsicherheit zu stolpern, und die Realität nicht akzeptieren kann, dass es als Unternehmer keine Wochenenden gibt, dann ist dieser Weg nicht der richtige.
“Wenn Sie sich Sorgen machen, wohin der nächste Schritt führen soll, dann kehren Sie zu Ihrem inneren Kern zurück und fragen Sie sich ernsthaft, was Sie wirklich wollen.” Für Yang Jen-Hao spielt es keine Rolle, wie ARTOGO in zehn Jahren heißen wird. Solange er erfolgreich dazu beiträgt, die Lebensgewohnheiten der Menschen zu verändern und virtuelle Führungen zu einem alltäglichen Bestandteil zu machen, hat dieses Abenteuer ein wahres Erfolgsgefühl erbracht. Er braucht keinen persönlichen Ruhm. Was er anstrebt, ist die Neuordnung der Branche und die Schaffung einer kulturellen Koordinate, die im Lauf der Zeit stets berechnet und abgerufen werden kann.

Above Ein exklusives Interview mit dem ARTOGO-Mitbegründer und CEO Yang Jen-Hao (Foto: Yonn Lin)

Above Ein exklusives Interview mit dem ARTOGO-Mitbegründer und CEO Yang Jen-Hao (Foto: Yonn Lin)
Von Ben Kuo. Fotografie von Yonn Lin. Styling von Xiang Huang. Make-up von Albee (Backstage). Haare von Pari.
Erstes Outfit:
Kompletter Look: HOMME PLISSÉ ISSEY MIYAKE
Zweites Outfit:
Jacke: Gr-uniforma
Hemd: OUR LEGACY
Hose: Gr-uniforma
Krawatte: Polo Ralph Lauren
Weiterlesen:




