Wir sprachen mit Peter Gago, dem Chief Winemaker von Penfolds, über 75 Jahre “Grange”, die legendäre australische Rotwein-Ikone, und erfuhren die Geheimnisse hinter der Entstehung dieses erstklassigen Weins.
Als Max Schubert, der erste Chief Winemaker von Penfolds, 1951 seine ersten Versuchsreihen startete, verfolgte er ein klares Ziel: Einen australischen Rotwein zu kreieren, der in seiner Komplexität, Tiefe und Langlebigkeit den legendären europäischen Weinklassikern in nichts nachsteht. ‘Grange’ entwickelte sich in den vergangenen sieben Jahrzehnten von einem ambitionierten Experiment zu einer weltweiten Wein-Ikone, die Sammler überall in ihren Bann zieht.
Im Jahr 2026 feiert Penfolds das 75-jährige Jubiläum von ‘Grange’ – einem Symbol für Innovation, akribische Sorgfalt und die Kunst des ‘Multi-regional Sourcing’. Dieser Wein hat nicht nur neue Standards für die ‘New World’-Weinkultur gesetzt, sondern wurde zudem bereits über 37-mal von führenden Weinkritikern weltweit mit der Höchstpunktzahl bewertet. Um dieses Erbe zu würdigen, veranstaltete Penfolds in Bangkok ein exklusives Dinner mit vertikaler Verkostung, bei der Gäste das zeitlose Potenzial und die faszinierende Entwicklung von ‘Grange’ hautnah erleben konnten.
Der Mann, der Penfolds seit fast vier Jahrzehnten prägt, ist Peter Gago, der vierte Chief Winemaker und Mitglied der ‘Decanter Hall of Fame’. Der ehemalige Chemielehrer sieht sich heute als Hüter der ‘Grange’-Seele. Anlässlich dieses Jubiläums gewährt er Einblicke in die Wahrung des einzigartigen ‘House Style’ und verrät, warum der wahre Zauber eines exzellenten Weines stets im Weinberg seinen Ursprung findet.

Above Penfolds präsentierte in Bangkok ein exklusives Wine-Pairing-Dinner, um das Erbe und die Geschichte von Penfolds ‘Grange’ zu feiern (Foto: Penfolds).
Sie begannen Ihre Karriere als Chemie- und Mathematiklehrer, bevor Sie 1989 zu Penfolds kamen. Inwieweit hilft Ihnen Ihre wissenschaftliche Basis in der Weinwelt?
Ich wünschte, es hätte alles einfacher gemacht, aber so ist es leider nicht. Dennoch war es keineswegs ein Nachteil. Ich war achteinhalb Jahre lang Lehrer, bevor ich mich für ein Studium der Oenologie entschied. Mein wissenschaftlicher Hintergrund sowie meine pädagogischen Fähigkeiten sind heute von großem Wert. Weinbau ist jedoch weit mehr als bloße Wissenschaft; es ist eine harmonische Verbindung aus Kunst, Intuition und einem tiefen Verständnis für die klimatischen Launen jeder Saison.
Penfolds blickt auf eine 182-jährige Geschichte zurück, hatte aber nur vier Chef-Winemaker. Wie wahren Sie als vierter Hüter dieses Erbes die Tradition, während Sie gleichzeitig eigene Akzente setzen?
Penfolds ist weit mehr als eine Marke; es ist eine Kultur, deren Verantwortung von Generation zu Generation weitergegeben wird – von Max Schubert über Don Ditter und John Duval bis zu mir. Doch diese Aufgabe ruht nicht allein auf meinen Schultern. Wir agieren als Team, was mir die Freiheit gibt, weltweit zu reisen, während meine Kollegen die Qualität bei der Abfüllung und im Weinberg sichern. Gemeinsam wahren wir den ‘House Style’ von Penfolds.

Above Max Schubert, der erste Chief Winemaker in der Geschichte von Penfolds (Foto: Penfolds).

Above Max Schubert gemeinsam mit dem Penfolds-Team in den 1950er Jahren (Foto: Penfolds).
Obwohl Penfolds ein Inbegriff Australiens ist, produzieren Sie heute auch in Bordeaux, der Champagne, Kalifornien und China. Wie reagieren die Konservativen in Europa auf Ihre Präsenz in deren traditionellem Terroir?
Die Resonanz war überraschend und außerordentlich warmherzig. Penfolds ist eine ‘New World’-Kellerei, die sich jedoch tief mit der ‘Old World’-Tradition verbunden fühlt. Während Magill Estate in Südaustralien stets unser Herzstück bleiben wird, sind unsere internationalen Projekte wie faszinierende Begleiter. Ob die Zusammenarbeit mit der Familie Thiénot beim Champagner oder der ‘Grange La Chapelle’, eine 50/50-Cuvée aus Hermitage-Syrah und südaustralischem Grange: Die französische Weinwelt begegnet unserem Engagement mit echtem Enthusiasmus.
Sie haben mit der G-Serie und grenzüberschreitenden Cuvées neue Maßstäbe gesetzt. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, wann Sie Tradition brechen und Innovation wagen?
Wir würden niemals das Ansehen unserer Flaggschiffweine gefährden. Der klassische ‘Grange’ hat immer oberste Priorität. Gelegentlich bietet sich jedoch die Gelegenheit, einzigartige Weine zu kreieren, ohne den Kernbestand zu beeinträchtigen. Risikomanagement und der Blick auf die nächsten 182 Jahre bilden unsere Basis. Die Rückkehr der Shiraz-Traube zu ihrem Ursprung nach Hermitage war ein kalkuliertes Wagnis, das wir mit größter Ehrfurcht und Präzision eingingen.

Above Peter Gago präsentiert während der Jubiläumsfeierlichkeiten ein neues Buch über Penfolds ‘Grange’ (Foto: Penfolds).

Above Gäste bei einer exklusiven Verkostung anlässlich der 75-jährigen Geschichte von Penfolds ‘Grange’ (Foto: Penfolds).
Wie bewältigen Sie angesichts des Klimawandels die Herausforderung, dass zukünftige Jahrgänge die Qualität historischer Legenden erreichen?
Alles beginnt im Weinberg. Wir streben bei jedem Detail nach Perfektion. Bei unseren Chardonnays wählen wir Trauben von Standorten aus, die eine ideale physiologische Reife bieten, um Frische und Präzision zu bewahren.
Was ‘Grange’ so besonders macht, ist seine Herkunft aus verschiedenen Regionen. Bei Hitze greifen wir auf Trauben aus kühleren südlichen Lagen zurück, bei kühleren Jahren nutzen wir die Wärme des Nordens. Wir bleiben flexibel, um den unverwechselbaren Penfolds-Stil zu erhalten, egal wie sich das Klima wandelt.
Was bedeuten Ihnen die ‘Penfolds Recorking Clinics’, die seit über 35 Jahren stattfinden?
Diese Kliniken sind weit mehr als ein einfacher Service zum Austausch von Korken. Sie sind ein Ort des Wissensaustausches – über Lagerung, optimale Trinkreife und Provenienz. Die Geschichten der Sammler, die oft von Jahrzehnten alter Weine erzählen, machen Penfolds erst richtig lebendig.

Above Der Penfolds ‘Grange’ La Chapelle 2021 verkörpert die Innovationskraft der Marke (Foto: Penfolds).
Welche Ziele verfolgen Sie noch, nachdem Sie bereits mit dem ‘Decanter Lifetime Achievement Award’ ausgezeichnet wurden?
Mein Ziel ist es, die ‘Recorking Clinic’ so bald wie möglich wieder nach Bangkok zu bringen! Darüber hinaus geht es darum, nie stehenzubleiben. Wir blicken auf die nächsten 182 Jahre bei Penfolds und die kommenden 75 Jahrgänge für ‘Grange’. Wir suchen unermüdlich nach mehr Finesse, damit unsere Weine zeitgemäß und außergewöhnlich bleiben.
Wenn Sie für einen besonderen Abend nur einen ‘Grange’ wählen könnten, welcher wäre das?
Den Jahrgang 1953, gefolgt vom 1952er. Beide sind legendär, ebenso wie der 1955er. Wenn es um modernere Jahrgänge geht, ist der 2010er herausragend – behalten Sie ihn im Auge, er wird noch zu einer wahren Legende heranreifen.

Above Peter Gago, der renommierte Chief Winemaker von Penfolds (Foto: Penfolds).
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