Die Uhrenmesse Watches and Wonders in Genf ist vergangenen Monat zu Ende gegangen – was haben wir auf der Uhrenmesse gesehen?
Die jährlich stattfindende Watches & Wonders, die Uhrenmesse in Genf, startete am 14. April und dauerte rund sechs Tage. Über 60 Marken schlossen sich der Präsentationsplattform an und stellten ihre neuesten Kreationen vor. Ziel war es, internationale Medien und Fachhändler zu erreichen, Sichtbarkeit zu schaffen und neue Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen.<\/p>
Rückblickend hat die Schweizer Uhrenindustrie im vergangenen Jahr spürbare Erschütterungen erlebt. Besonders einschneidend war die US-Zollproblematik, die für branchenweite Verunsicherung sorgte. Nach Gesprächen zwischen Politik und Wirtschaft wurde der Zollsatz von ursprünglich 39% auf 15% abgesenkt. Das verteuert zwar weiterhin die Kosten, bleibt jedoch hinter den düsteren Prognosen zurück. Parallel dazu treiben der anhaltend hohe Goldpreis und steigende Lohnkosten die Preise im Luxussegment inklusive Armbanduhren weiter nach oben. Das belastet Konsumentinnen und Konsumenten und dämpft die Kauflaune. Die Marken reagieren mit intensiver Produktentwicklung, um die Kundschaft vom Erwerb neuer Modelle zu überzeugen.<\/p>
Auch die Uhrenmesse selbst hat sich subtil gewandelt. So kehrte etwa Audemars Piguet, ein Schwergewicht mit hervorragender Marktperformance, ins Ausstellerfeld zurück und bezog eine Fläche im zweiten Stock des Palexpo – ein Gesprächsthema. Montblanc oder Bell & Ross hingegen pausierten und setzten auf alternative Formate der Markt- und Medienansprache. Insgesamt blieb die inhaltliche Fülle auf dem Niveau des Vorjahres. Man spürte eine Atmosphäre der Stabilisierung nach der Krise – mit Zuversicht für die weitere Entwicklung.<\/p>
Weiterführende Lektüre: 【Watches & Wonders 2026】Neue Rolex-Modelle und Preise im Überblick: 100 Jahre Oyster feiern, Yacht-Master II in neuer Gestalt<\/a><\/strong><\/em><\/p>

Above Während der Uhrenmesse Watches and Wonders herrscht in ganz Genf eine Atmosphäre des gemeinsamen Feierns. (WWGF/KEYSTONE/$6TVQL9L0M20MEV#1$)
Offiziell wachsende Besucherzahlen – eine ganze Stadt feiert
Seit der Wiederöffnung von Watches & Wonders setzt der Veranstalter auf vielfältige Maßnahmen, um Publikum und Medien zu mobilisieren, die Uhrenmesse im Gespräch zu halten und damit die Branche zu beleben. Laut offiziellen Angaben zählte man in diesem Jahr 60.000 einzigartige Besucherinnen und Besucher, darunter 1.750 Medienschaffende und 6.000 Händler. An den Publikumstagen kamen 25.000 Gäste. Das entspricht einem Zuwachs von rund neun Prozent gegenüber dem Vorjahr – die Strategie geht auf.<\/p>
Zugleich war vor Ort spürbar, dass Marken prominente Gäste noch aktiver einbinden. Roger Federer und der amtierende Tennis-Star Jannik Sinner, die F1-Piloten George Russell, Arvid Lindblad und Pierre Gasly sowie Lauflegende Usain Bolt besuchten die Messe. Auch US-Sänger Usher, die koreanische Schauspielerin Jun Ji-hyun, Joshua von Seventeen und der thailändische Star Apo (Nattawin Wattanagitiphat) reisten an. Das sorgte für zusätzliche Strahlkraft – die Uhrenmesse fand damit auch in Entertainment-Ressorts und bei Fangemeinden statt und „durchbrach die Blase“ der Fachöffentlichkeit.<\/p>
Am Seeufer in der Innenstadt zeigte Audemars Piguet eine öffentlich zugängliche AP House-Ausstellung, Patek Philippe präsentierte wie gewohnt ein eindrucksvolles Handwerks-Showcase, und auch Breitling sowie andere Marken organisierten flankierende Veranstaltungen. Der Veranstalter selbst richtete eine Tic-Tac-Zone, das Watchmaking Village mit Ateliers und weitere Formate aus und verband sich unter anderem mit dem Montreux Jazz Club. So entstand ein stadtweites Kulturfest – ein Grund, weshalb viele Uhrenliebhaberinnen und -liebhaber den Weg nach Genf auf sich nehmen.<\/p>
Gleich am ersten Messetag betrat der Autor das Gelände. In einem dichten Programm nahm er an 28 Touch & Try-Sessions teil, hörte die Schwerpunkte der Neuheiten direkt von den Marken, begutachtete die Uhren am Handgelenk und gewann so vielfältige Eindrücke. Daraus lassen sich spannende Phänomene und Trends ableiten, die wir hier für alle an der Uhrenmesse und der Uhrenindustrie Interessierten zusammenfassen.<\/p>
1. Edelmetalle im Fokus – wird Platin zum neuen Liebling?
Der Goldpreis ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das verteuerte Gelb- und Weißgolduhren spürbar. Einerseits steigt damit die Einstiegshürde, andererseits stützt es die Wertbeständigkeit. Seit 2025 lancieren zahlreiche Marken vermehrt Uhren, deren Gehäuse und Armbänder vollständig aus Gold gefertigt sind. Das spürbare Gewicht korrespondiert mit dem materiellen Wert – eine „süße Last“ am Handgelenk.<\/p>
Diese Tendenz setzt sich fort, doch Platin tritt heuer auffällig als Favorit auf. Platin ist seltener als Gold und in der Regel teurer. In Zeiten hoher Goldpreise könnte sich der unmittelbare Schritt zu Platin für Käuferinnen und Käufer als kalkulierter erweisen. Wie dem auch sei: Platin ist zur vielzitierten „Gelehrsamkeit“ avanciert – ein Thema mit Strahlkraft.<\/p>
So erhielt etwa eine neue Vacheron Constantin Overseas ein Gehäuse und Armband aus 950er Platin und den neu entwickelten, extraflachen Automatik‑Kaliber 2550. Rolex<\/a> wiederum lancierte erstmals eine Platin‑Cosmograph Daytona mit Grand‑Feu‑Emailzifferblatt – ein Klassiker mit neuer Haptik und gesteigertem Sammelwert.<\/p>
Aufgrund seiner Seltenheit und Aura prädestiniert Platin auch Jubiläumsmodelle. Patek Philippe feiert heuer 50 Jahre Nautilus mit einer Platin‑Edition.<\/p>

Above Grand Seiko SBGZ011 mit handgraviertem Platin‑Gehäuse. (Photo: Grand Seiko)
Grand Seiko SBGZ011 setzt ebenfalls auf Platin. Zifferblatt und Gehäuse sind von Hand so graviert, dass die Textur herabstürzender Wasser sprudelnd nachempfunden wird – eine virtuose Technik mit großer poetischer Kraft.<\/p>
2. Neue Metallwerkstoffe treten auf den Plan

Above Die neue Rolex Day‑Date 40 verwendet die neu entwickelte Legierung Jubilee Gold. (Photo: Rolex)
Neben Platin rücken neue Metalllegierungen ins Blickfeld. Rolex ergänzte das etablierte Everose Gold um Jubilee Gold. Der Ton erinnert an Gelbgold, wirkt jedoch dezenter mit einem feinen Silbergrau. In der neuen Day‑Date 40 kontrastiert es reizvoll mit grünem Aventurin des Zifferblatts und schafft klare Differenzierung. Es ist zu erwarten, dass Rolex diesen Werkstoff in weiteren Referenzen einsetzen wird – ein kommender Liebling der nächsten Sammlergeneration.<\/p>

Above H. Moser & Cie. Pioneer Perpetual Calendar – die Konzeptuhr aus Tantal. (Photo: H. Moser & Cie.)
H. Moser & Cie. erprobt Tantal, einen dunkelgrauen, leicht bläulich schimmernden Werkstoff mit hoher Härte und Zähigkeit. Gehäuse und Zifferblatt tragen feine Sonnenschliffe und zeigen die Materialästhetik pur.<\/p>

Above Panerai Submersible Navy SEALs Experience Edition aus einer speziellen Hafnium‑Legierung: robust und korrosionsbeständig. (Photo: Panerai)
Panerai setzt zudem mit der „Afniotech“-Technologie auf Hafnium. Die Submersible Navy SEALs Experience Edition verwendet erstmals in der Uhrenwelt dieses aus der Raumfahrt und Reaktortechnik bekannte Metall. Es ist extrem korrosionsfest und hart; mit verstärkter Gehäusestruktur erreicht die Uhr 1.000 Meter Wasserdichtheit. Limitiert auf 35 Exemplare.<\/p>
3. Kleinere Durchmesser bleiben Mainstream – die Grenzen der Geschlechter verwischen
Die gängigen Gehäusegrößen sind seit 2025 spürbar geschrumpft. Dieser Trend setzte sich fort und verstärkte sich teils. Abgesehen von wenigen Ausnahmen lagen die meisten Modelle zwischen 41 und 36 Millimetern; manche erschienen sogar mit 28 bis 30 Millimetern. Das erhöht den Tragekomfort. Diese Formate stehen nicht nur Herren, sondern auch Damen hervorragend – im Einklang mit dem androgynen Zeitgeist und zum Vorteil eines breiteren Marktes.<\/p>
Die Octo Finissimo von Bulgari steht traditionell für flaches Profil und hohen Komfort. Neu kommt sie in 37 Millimetern, mit optimiertem Werkkonzept um 20 Prozent kompakter. Tudor frischt die seit den 1950ern bekannte Royal‑Linie mit neuen Farben und den Größen 40, 36 und 30 Millimeter auf. Chanel erweitert die J12 um mehrere Referenzen, darunter diverse 28‑Millimeter‑Modelle – eine willkommene Vielfalt.<\/p>
Nicht nur runde, auch anders geformte Gehäuse folgen dem Trend. Hermès aktualisiert die seit 1991 bestehende, quadratische Cape Cod: Die „Mini“-Variante misst 27 × 20 Millimeter und kommt in Stahl oder Gelbgold. Bei Patek Philippe wird die Golden Ellipse mit den neuen, besonders eleganten Größen 3738/100G (31,1 × 35,6 mm) und 5738G (34,5 × 39,5 mm) lanciert – mit einem neuen Zifferblatt in Olivgrün.<\/p>

Above Baume & Mercier Joia M0A10850 in handlichem 28‑mm‑Format. (Photo: Baume & Mercier)
Nach internen Weichenstellungen zeigt Baume & Mercier eine deutliche Fokussierung auf die weibliche Klientel. Die neue Joia mit 28 Millimetern strahlt eine klassische, zurückhaltende Eleganz aus und eröffnet spannende Styling‑Optionen.<\/p>
4. Edelstein- und Steinzifferblätter sind allgegenwärtig
In den vergangenen Jahren lag der Fokus vieler Neuheiten auf frischen Zifferblattfarben. Darauf aufbauend sah man heuer besonders viele Uhren mit Zifferblättern aus Natursteinen – ein klarer Trend.<\/p>
Piaget war bereits in den 1960er‑Jahren Pionier der Edelstein‑Zifferblätter – aus Lapislazuli, Tigerauge, Malachit und mehr. 2026 stellt die Manufaktur dieses Erbe ins Zentrum und bringt in den Linien Polo, Sixties und Andy Warhol markante Steinzifferblätter. Seltener zu sehen und daher besonders reizvoll: der himmelblaue Blauquarz und der warm schimmernde Bronzit – Glanzpunkte des Jahres.<\/p>
Zudem kehrt Piaget mit den langen Kettenuhren Swinging Pebbles zurück. Tigerauge, Muskovit und Pietersit werden jeweils aus einem einzigen Steinblock geformt, im Inneren ausgehöhlt und mit dem Quarzkaliber 355P bestückt. Die geschlossene, glattpolierte Form erinnert an einen Kiesel – elegant und taktil zugleich.<\/p>

Above Chopard Happy Sport – die neue Happy Hearts mit beweglichen Diamanten. (Photo: Chopard)
Mit großer Schmuckexpertise ist Chopard bei Steinzifferblättern selbstverständlich vertreten. Die neue Happy Hearts in der Happy‑Sport‑Familie kombiniert zarte Diamanten und Herzmotive, die über ein Perlmuttzifferblatt tanzen – lebhaft, verspielt und charmant.<\/p>
Frederique Constant präsentiert die Classics Manchette mit Armband im Pariser‑Nagelkopf‑Muster und Zifferblättern aus Türkis oder Onyx – ein markanter, modischer Kontrast. Baume & Mercier führt nach der blauen Riviera Coastline nun eine Variante mit grünem Perlmutt ein; seitlich zeichnen Diamanten die Küstenlinie der Riviera nach – maritim, frisch, unverwechselbar.<\/p>
Cartier verleiht der klassischen Santos‑Dumont einen neuen Auftritt – neben einem gliederbetonten Armband auch mit Goldobsidian‑Zifferblättern, die das Licht eindrucksvoll reflektieren. Bulgari ergänzt die Serpenti Tubogas um vier Capsule‑Modelle mit Nietenoptik am Band und Zifferblättern aus Karneol, Perlmutt, Sodalith und Malachit – jede mit eigenem Charakter.<\/p>
Weiterführende Lektüre: 【Watches & Wonders 2026】Punk-Attitüde für die Serpenti: Bulgari zeigt Nieten und reine Metall‑Ästhetik<\/a><\/strong><\/em><\/p>

Above Roger Dubuis „Lady of the Lake“ in „Seegün“ mit Perlmutt. (Photo: Roger Dubuis)
Roger Dubuis lanciert die neue Damenlinie „Lady of the Lake“ – eine Referenz an die Artus‑Sage und Gegenpart zur Schwert‑Kollektion. Ein 36‑mm‑Modell spielt mit Perlmutt in unterschiedlich intensiven Grüntönen, die an windgekräuselte Wellen erinnern – eine elegante, poetische Szenerie.<\/p>

Above Zenith G.F.J. mit seltenem Blutstein‑Zifferblatt. (Photo: Zenith)
Nach dem 160‑jährigen Jubiläum im Vorjahr zeigt Zenith erneut einen G.F.J.‑Neuzugang – mit dem seltenen Blutstein. Dunkle und helle Maserungen werden von roten Mineraleinschlüssen akzentuiert. Limitiert auf 161 Exemplare, jedes Stück mit unverwechselbarer Zeichnung.<\/p>

Above Audemars Piguet “Établisseurs Galets” inspiriert von geschliffenen Seesteinen. (Photo: Audemars Piguet)
Audemars Piguet hatte bereits Anfang 2026 erste Neuheiten vorgestellt und setzte zur Uhrenmesse drei Kunst‑ und Designstücke in Szene. “Établisseurs Galets” nimmt glatte Kieselsteine aus dem Jurasee als Vorbild: ovale, aneinandergereihte Elemente mit sanft geschliffenen Steinen und Edelsteinen. Die Ästhetik ist archaisch, ruhig und von anmutiger Natürlichkeit – ein anderes, sehr sinnliches Gesicht der Uhrmacherkunst.<\/p>
5. Klassiker kehren zurück

Above Cartier Roadster feiert sein Comeback. (Photo: Cartier)
Wahre Klassiker bestehen den Test der Zeit. Re‑Editionen und die Wiederauflage früherer Linien prägen seit einigen Jahren die Branche – und sie dominierten auch die Uhrenmesse 2026.<\/p>
Neben Privé‑Re‑Editionen bringt Cartier nach Jahren den Roadster zurück (Erstauflage 2002). Inspiriert von Tachometern und Automobil‑Aerodynamik zeichnet das Gehäuse fließende Linien und feiert die Ästhetik schwerer Mechanik. Markant sind die an Scheinwerfer erinnernde Datumslupe, Nieten und Schrauben. Heuer wurden die Formen verfeinert und über hundert technische Neuerungen integriert – zeitgemäß und frisch: ein Highlight unter Cartiers Neuheiten.<\/p>

Above Jaeger‑LeCoultre Master Control Chronometre mit verfeinerter Technik. (Photo: Jaeger‑LeCoultre)
1992 schuf Jaeger‑LeCoultre die Master Control mit dem branchenprägenden „1.000‑Stunden‑Test“. Nun erscheint die Master Control Chronometre mit dem neuen HPG‑Standard (High Precision Guarantee), der Finissierung und Präzision belegt. Zudem wurden zahlreiche Details überarbeitet: Integrierte Armbänder mit Doppelpfeil‑Gliedern greifen die Linienführung des Zifferblatts auf; polierte und satiniertierte Flächen setzen elegante Kontraste. Die Variante mit Datum und Gangreserve führt das neue Kaliber 738 ein – schlanke Architektur, starke Technik.<\/p>
Panerai zeigt drei Modelle mit Toolwatch‑Charakter: PAM1731, PAM1732 und PAM1733. Ursprünglich für die italienische Marine entwickelt, beschwören sie diesen Geist und führen die Geschichte weiter.<\/p>
PAM1731 und PAM1732 zitieren die Luminor‑Ästhetik der 1960er mit robustem Gehäuse, Kronenschutz, Leuchtindizes und Sandwich‑Zifferblatt. Die PAM1733 führt das neue Brunito‑Finish ein: Spuren natürlichen Abriebs sind bewusst Teil der Gestaltung. Bei häufiger Nutzung verändert sich der Ton von tiefschwarz zu grau – eine Uhr, die das Leben ihrer Trägerin oder ihres Trägers mitschreibt.<\/p>

Above Vacheron Constantin Historiques American 1921 in neuer Ausführung. (Photo: Vacheron Constantin)
In den „Roaring Twenties“ lanciert, vereinte die American 1921 von Vacheron Constantin Kissenform und versetzte Krone zu einer reduzierten, zugleich expressiven Ästhetik. Nach mehreren Re‑Editionen folgt nun eine neue Version mit fein gekörntem, silberfarbenem Zifferblatt. Blaue Zeiger und Ziffern verbinden Klassik mit moderner Frische.<\/p>
Beide Referenzen wurden gegenüber früheren Re‑Editionen verkleinert: auf 36,5 beziehungsweise 40 Millimeter – ganz im Sinn der aktuellen Vorliebe für kleinere Durchmesser.<\/p>

Above Oris Star Special Edition im Vintage‑Look. (Photo: Oris)
Oris reinterpretiert die Star von 1965 mit Hebelhemmung. Das 35‑mm‑Tonneau‑Gehäuse aus Stahl mit integrierten Bandanstößen und Acrylglas zitiert das Original liebevoll und folgt zugleich dem Trend zu kleineren Uhren. Überraschend attraktiv ist der offizielle Preis: 70.000 Taiwan‑Dollar (NT$) – angesichts Design und Historie ein bemerkenswertes Preis‑Leistungs‑Verhältnis.<\/p>
6. Komplikationen dürfen auch Spaß machen

Above Patek Philippe 5249R/001 mit poetischer Automaten‑Szenerie. (Photo: Patek Philippe)
Komplikationen galten lange als nüchterne Präzisionsinstrumente: Zeitgleichung, Chronograph, astronomische Anzeigen. Für viele blieben sie abstrakt. Heuer zeigte die Uhrenmesse jedoch Uhren, die Handwerkskunst mit Spieltrieb vereinen – Technik, die Emotion und Freude stiftet.<\/p>
Patek Philippe 5249R‑001 ist eine Automaten‑Armbanduhr, die eine Fabel Äsops aufgreift. Feinste Gravuren zeigen Fuchs, Krähe und den Wald. Drückt man den Knopf bei zwei Uhr, hebt der Fuchs den Kopf oder bewegt die Pfote und weist so auf die Stunde. Die Krähe im Baum lässt den Käse fallen und markiert damit die Minute. Bei sechs Uhr rotiert ein diamantbesetztes kleines Sekundenrad pro Minute einmal – als Kraftanzeige. Beim Aktivieren liest man die Gesten und erlebt die Moral der Geschichte gleich mit.<\/p>

Above H. Moser & Cie. x Reebok: Pioneer “Pump” als verspielte Kollaboration. (Photo: H. Moser & Cie.)
H. Moser & Cie. kooperiert mit Reebok und überträgt das Pump‑Prinzip auf die Uhr. Über den orangefarbenen Drücker wird das Werk aufgezogen; jeder Druck speist Energie in das Federhaus und bewegt die Gangreserve – ein haptisch‑visuelles „Aufpumpen“. Passend dazu erscheinen zwei Pump‑Sneaker in Schwarz und Weiß, exklusiv für Käuferinnen und Käufer der Uhr.<\/p>

Above Parmigiani Tonda PF Chronographe Mystérieux mit neuartiger Zeigerlogik. (Photo: Parmigiani Fleurier)
Parmigiani verleiht dem Chronographen frische Dramaturgie. Das Kaliber PF053 verfügt über eine neuartige „Drei‑Kupplungs‑Struktur“. Beim Start fliegen drei rhodinierte Chrono‑Zeiger auf zwölf Uhr zusammen und beginnen zu messen. Die ursprünglich für die Standardzeit zuständigen Zeiger übernehmen nun Chronographen‑Minuten und ‑Stunden; die zuvor verdeckten, roségoldenen Zeiger treten hervor und zeigen die Uhrzeit. Beim Spielen öffnen und schließen sich die Zeiger immer wieder – ein verblüffender Effekt.<\/p>

Above IWC Portofino „Der kleine Prinz“ mit Tag‑/Nacht‑Anzeige. (Photo: IWC)
Zum 20‑jährigen Jubiläum der „Der kleine Prinz“-Edition lanciert IWC mehrere Modelle. Die Portofino mit Tag‑/Nacht‑Anzeige zeigt eine Sonne und den auf dem Mond stehenden kleinen Prinzen, die in 24 Stunden eine Umdrehung absolvieren und Tag oder Nacht signalisieren. Der Gehäuseboden ist mit einer Gravur des kleinen Prinzen versehen – eine erzählerische, charmante Erweiterung klassischer Mechanik.<\/p>

Above Chanel Coco Game J12 mit pixelierter Mademoiselle als Sekundenfigur. (Photo: Chanel)
Chanel widmet das Jahr der Coco Game‑Kollektion und präsentiert verspielte Modelle. Drei J12‑Uhren integrieren eine pixelierte Mademoiselle aus lasergeschnittenem Carbonfaser‑Material — sie fungiert als Sekundenanzeige und „läuft“ über das Zifferblatt, lebendig und charmant. Es gibt glänzend weiße Keramik, matt schwarze Keramik sowie eine schwarze Keramikversion mit diamantbesetzter Lünette – jeweils mit prägnantem Schwarz‑Weiß‑Kontrast.<\/p>
7. Grenzen verschieben und Innovation wagen

Above Panerai PAM01631 Luminor mit 31 Tagen Gangreserve. (Photo: Panerai)
Jedes Jahr zeigen Marken außergewöhnliche Komplikationen und technische Grenzgänge – ein Fixpunkt für Fachmedien und Enthusiasten der Uhrenmesse.<\/p>
Panerai präsentiert die PAM01631 Luminor mit einer Gangreserve von 31 Tagen nach Vollaufzug. Das über sieben Jahre entwickelte Kaliber P.2031/S verbindet 276 Bauteile und vier Federhäuser, deren Feder insgesamt 3,3 Meter misst. So läuft die Uhr nach Vollaufzug einen Monat lang präzise. Spezielle Aufzugswerkzeuge sind nicht erforderlich: 128 Kronenumdrehungen genügen – einfach und verlässlich.<\/p>

Above Jaeger‑LeCoultre mit einem neuen, sphärischen Extrem‑Tourbillon. (Photo: Jaeger‑LeCoultre)
Jaeger‑LeCoultre eröffnet die Linie Master Hybris Inventiva – ein Bekenntnis zu radikaler Innovation. Die erste Kreation ist ein weiterentwickeltes sphärisches Tourbillon: Drei Käfige sind gestapelt und rollen nahezu kugelartig, wodurch die Schwerkraft nahezu vollständig kompensiert wird. Die Effizienz liegt bei 98% – ein neuer Maßstab, der auch frühere Rekorde der Marke übertrifft.<\/p>

Above TAG Heuer Monaco Chronograph mit neuem Kaliber TH80‑00. (Photo: TAG Heuer)
Nach fünf Jahren Entwicklung debütiert bei TAG Heuer das Automatik‑Kaliber TH80‑00 mit „flexibler bistabiler Chronographenmechanik“. Eine elastische Metallfeder startet und stoppt das Räderwerk, der Z‑förmige Rückstelthebel führt die Nullstellung aus. Reibung und Stöße zwischen Komponenten werden deutlich reduziert – das erhöht Haltbarkeit und Präzision.<\/p>

Above Ulysse Nardin Super Freak mit zwei fliegenden Tourbillons und Karussell. (Photo: Ulysse Nardin)
Zum 25‑jährigen Jubiläum der Freak führt Ulysse Nardin die Super Freak vor, entworfen von Mitbegründer Ludwig Oechslin. Das zentral aufgebaute Werk aus 511 Teilen trägt zwei fliegende Tourbillons und ein Karussell; während des Laufs drehen sich rund 97% der Bauteile mit dem Karussell mit. Erstmals besitzt die Freak eine Sekundenanzeige – über eine extrem feine Welle.<\/p>

Above Bremont Supernova Chronograph: gebaut für extreme Bedingungen bis hin zum Mond. (Photo: Bremont)

Above Bremont Supernova Chronograph mit eindrucksvoller Leuchtwirkung in der Dunkelheit. (Photo: Bremont)
Die britische Marke Bremont schlägt einen eigenen Weg ein: Nach Uhren für Land, Meer und Luft visiert sie nun den Weltraum – konkret den Mond – an. Der Supernova Chronograph besitzt ein 41‑mm‑Stahlgehäuse und ein schwarzes Zifferblatt, das an Solarpanels eines Raumfahrzeugs erinnert; starke Leuchtmasse sorgt für Lumineszenz im Dunkeln. Die Uhr durchlief harte Tests in Thermovakuum, Vibration, Schock und elektromagnetischer Verträglichkeit – für zuverlässige Funktion auf dem Mond.<\/p>
Gemeinsam mit dem US‑Raumfahrtunternehmen Astrolab soll das Modell 2026 in das FLIP‑Mondfahrzeug integriert und mit einer Mission zum Südpol des Mondes gebracht werden – um dort dauerhaft zu verbleiben.<\/p>
8. Nicht nur komplex – auch ästhetisch-poetisch

Above A. Lange & Söhne präsentiert die Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender ”Lume”. (Photo: A. Lange & Söhne)
Neben technischem Wagemut zählt auch die visuelle Poesie komplexer Uhren zu den Königsdisziplinen der Uhrmacherei.<\/p>
A. Lange & Söhne stellt die Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender ”Lume” vor. Das automatische Kaliber L225.1 vereint springendes Großdatum, retrograden Wochentag, springende Monats‑ und Schaltjahresanzeige, Tag‑/Nacht‑Indikation sowie eine geneigte Mondphasenanzeige bei sieben Uhr, die erst nach 122,6 Jahren korrigiert werden muss. Die Himmelscheibe im Mondfenster rotiert alle 24 Stunden und bildet den Hintergrund der Mondbahn; tagsüber ein heller Himmel, nachts ein tiefes Firmament mit Sternen. Das halbtransparente Zifferblatt lässt mit Leuchtbeschichtungen die Anzeigen im Dunkeln grün erstrahlen – funktional und faszinierend zugleich.<\/p>

Above Hermès Arceau Samarcande: skelettierte Minutenrepetition mit Pferdekopf‑Ausschnitt. (Photo: Hermès)
Die Hermès Arceau Samarcande überrascht mit einem pferdekopfförmigen Ausschnitt im Zifferblatt – eine Hommage an die Sattlerhistorie des Hauses und ein Blickfenster auf das Werk. Der Klang der Repetition entfaltet sich hinter einem Zifferblatt aus der Kristallmanufaktur Saint‑Louis – eine ebenso visuelle wie akustische Romanze.<\/p>

Above Hublot Big Bang Impact One Million: Haute Joaillerie trifft Technik. (Photo: Hublot)
Hublot vereint bei der Big Bang Impact One Million ein zentrales fliegendes Tourbillon und fünf Tage Gangreserve mit opulenter Edelsteinfasskunst. Insgesamt rund 44,6 Karat und mehr als 500 Diamanten sind in dynamischen Wirbeln gefasst und lenken den Blick auf das Tourbillon – ein überwältigender Auftritt.<\/p>

Above Van Cleef & Arpels Midnight Jour Nuit Phase de Lune mit kombinierter Tag‑/Nacht‑ und Mondphasenanzeige. (Photo: Van Cleef & Arpels)
Van Cleef & Arpels wagt mit der Midnight Jour Nuit Phase de Lune die Vereinigung von Tag‑/Nacht‑ und Mondphasenanzeige auf einem Zifferblatt und entwickelt dafür ein neues Werk – eine Weiterentwicklung der traditionellen Tag‑/Nacht‑Komplikation.<\/p>
Im oberen Bereich sind eine guillochierte goldene Sonne und ein Mond aus weißem Perlmutt zu sehen, die im 24‑Stunden‑Rhythmus auf‑ und absteigen: Steht die Sonne, ist Tag; steht der Mond, ist Nacht. Der Perlmuttmond folgt dabei dem realen Zyklus von 29,5 Tagen und zeigt die Mondphase in Echtzeit. Unten bilden Perlmutt und Guillochierung eine sanft gewellte Landschaft – poetisch, romantisch, höchst verführerisch.<\/p>
Weiterführende Lektüre: 【Watches & Wonders 2026】Sonnenaufgang und Mondlauf in zehn Sekunden am Handgelenk: Die poetischen Himmelsuhren von Van Cleef & Arpels<\/a><\/strong><\/em><\/p>
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