Cartier, Chanel, Van Cleef & Arpels, Chopard und Bulgari präsentierten auf der Watches and Wonders 2026 überzeugende Argumente dafür, edle Steine am Handgelenk zu tragen.
Die Kreation von Schmuckuhren ist eine der wenigen Disziplinen, in der zwei völlig unterschiedliche Fachbereiche ein einziges Objekt erschaffen. Die Geschichte dieser Kategorie erzählt vor allem davon, wie verschiedene Häuser diesen Balanceakt im Laufe der Zeit gemeistert haben. Der Edelsteinfasser und der Uhrmacher sprechen von Natur aus nicht dieselbe Sprache — der eine denkt in Karat, Farbsättigung und Lichtreflexion, der andere in Drehmoment, Taktfrequenz und Gangreserve. Das Zifferblatt, jene kleine und unerbittliche Fläche, auf der beide Disziplinen unweigerlich zusammentreffen, war Schauplatz einiger der erfinderischsten und gelegentlich auch unbeholfensten Kompromisse in der Geschichte der dekorativen Künste.
Was jene Häuser, die beständig herausragende Schmuckuhren kreieren, von jenen unterscheidet, die lediglich teure Uhren produzieren, ist der Grad der Verinnerlichung dieses Dialogs. Bei den wahren Meistern ist dieser Austausch über Generationen hinweg in das institutionelle Wissen des Ateliers übergegangen, anstatt bei jeder Kollektion neu ausgehandelt zu werden.
Auf der Watches and Wonders 2026 demonstrierten fünf außergewöhnliche Zeitmesser, wie diese geballte Expertise in der Praxis aussieht. Jeder von ihnen beweist auf seine Weise, dass die Haute Joaillerie der Uhrmacherkunst in ihrer vollendetsten Form keine untergeordnete Disziplin ist, sondern eine Herausforderung, die weit über ihre Einzelteile hinausgeht.
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Die Myst de Cartier Uhr von Cartier

Above Die Myst de Cartier Uhr von Cartier (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Cartier)
Pierre Rainero, Director of Image, Style and Heritage bei Cartier, verweist auf Jeanne Toussaint als kreative Wegbereiterin der Myst de Cartier. Toussaint, die ab den 1930er Jahren das Designstudio der Maison leitete und intern als La Panthère bekannt war, besaß eine besondere Gabe für Objekte, die gleichermaßen skulptural und tragbar waren — Kreationen, die eher wie aus einem Stück gemeißelt als bloß zusammengesetzt wirkten. Die Myst de Cartier folgt diesem Instinkt mit großer Disziplin. Ihre Architektur baut auf abwechselnden Kurven, einem gewölbten Kristall und einem geometrischen Pavé-Zifferblatt auf, das in einen Onyx-Rahmen eingefasst ist. Die schwarzen Lackpunkte wurden in der Maison des Métiers d’Art in der Schweiz einzeln von Hand aufgetragen. Das perlengefasste Armband verwendet Steine in bewusst variierenden Größen, um Tiefe und Perspektive zu schaffen, anstatt lediglich die Oberfläche zu bedecken. Die Edelsteinfassung der gesamten Uhr nahm insgesamt 112 Arbeitsstunden in Anspruch. Das wohl beeindruckendste technische Detail ist das elastische Armband, das es ermöglicht, die Uhr ohne Schließe über das Handgelenk gleiten zu lassen — eine ingenieurtechnische Meisterleistung, die erhebliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit erforderte und beim Tragen völlig unsichtbar wird, wie es bei der besten Handwerkskunst stets der Fall ist.
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Chanel Noeud de Camélia Bestickte Manschettenuhr

Above Die bestickte Manschettenuhr Noeud de Camélia von Chanel (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Chanel)
Gabrielle Chanel wählte die Kamelie aus gutem Grund: Sie trug keinerlei Bedeutung — keine romantischen Assoziationen, keinen gesellschaftlichen Ballast, keinen Duft, der sie zur Blume eines anderen gemacht hätte. Die Neutralität dieser Blüte ist seither zu einem der aufgeladensten Symbole der Modewelt avanciert. Man mag dies als Paradoxon betrachten oder als Beweis dafür, wie vollkommen sie sich dieses Motiv zu eigen machte. Die Noeud de Camélia Manschettenuhr folgt genau dieser Logik und präsentiert sich in erster Linie als stilvolles Schleifenarmband und erst in zweiter Linie als Uhr.
Das Ripsleder ist mit schwarzen Pailletten von Lesage bestickt, jenem Pariser Stickereiatelier, das seit Jahrzehnten mit Chanel zusammenarbeitet. In der Mitte thront eine Kamelie aus 18-karätigem Weißgold, besetzt mit 60 Diamanten im Baguetteschliff von insgesamt 2,46 Karat. In ihrem Herzen verbirgt ein Brillant von 0,70 Karat ein Zifferblatt, das gerade einmal 10 Millimeter misst. Dieses Meisterwerk ist auf 20 Exemplare limitiert, was angesichts der Komplexität der Stickereien von Lesage überaus verständlich ist. Es wird von einem Quarzwerk angetrieben — die einzig richtige Entscheidung, denn ein mechanisches Werk hätte die Proportionen der Schleife verändert, und genau diese Schleife ist das eigentliche Herzstück.
Die Ludo Secret Uhr von Van Cleef & Arpels

Above Die Ludo Secret Uhr von Van Cleef & Arpels (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Van Cleef & Arpels)

Above Detailansicht der Ludo Secret Uhr von Van Cleef & Arpels (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Van Cleef & Arpels)
Das Ludo-Armband gehört seit 1934 zum festen Repertoire von Van Cleef & Arpels. Damals führte die Maison die ineinandergreifenden Glieder als Hommage an einen Ledergürtel ein — ein meisterhaftes Trompe-l’œil. Die Vision war es, dass sich etwas, das vollständig aus spiegelpoliertem Gelbgold besteht, wie geschmeidiger Stoff bewegen und drapieren sollte. Nach fast einem Jahrhundert der steten Verfeinerung tut es dies noch immer in Perfektion.
Diese neue Ludo Secret interpretiert ein Modell aus dem Jahr 1949 neu. Die handangepassten Glieder fügen sich zu einem Armband zusammen, bei dem tiefblaue Saphire in Halbmondmotiven auf Gelbgold treffen. Die Edelsteine wurden von den Gemmologen der Maison sorgfältig auf farbliche Konsistenz und Schnittqualität abgestimmt, anstatt sich nur auf das Karatgewicht zu konzentrieren. Dieser feine Unterschied ist von enormer Bedeutung, wenn man mit Steinen in einer abgestuften Reihe von Durchmessern arbeitet.
Der Mechanismus der geheimen Uhr ist jenes Detail, das diese Kategorie seit jeher definiert: Ein gleichzeitiger Druck auf beide Seiten der Schließe enthüllt ein weißes, guillochiertes Perlmuttzifferblatt, das bei 12 Uhr mit einem einzelnen Saphir im Baguetteschliff versehen ist. Es ist eine subtile Geste, die den Träger der Uhr belohnt und nicht den Beobachter am anderen Ende des Raumes. Dies entspricht ganz dem Verständnis von wahrer Eleganz, das Van Cleef & Arpels seit jeher pflegt.
Chopard L’Heure du Diamant

Above Die Chopard L’Heure du Diamant präsentiert sich in einem kissenförmigen Gehäuse aus ethischem 18-Karat-Weißgold (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Chopard)
Chopard fertigt seit dem frühen 20. Jahrhundert erlesene Schmuckuhren. Damals erarbeitete sich die Gründerfamilie Scheufele einen derart exzellenten Ruf, dass ihr der Titel “Meister der Schmuckuhren” verliehen wurde — eine Auszeichnung, der das Haus seither mit großer Überzeugung gerecht wird. Die Kollektion L’Heure du Diamant führt ihre Ursprünge auf eine Schmuckuhr aus dem Jahr 1970 zurück und wird nun durch ein Modell mit kissenförmigem Gehäuse aus ethischem 18-Karat-Weißgold bereichert.
Die Lünette ist mit Diamanten von insgesamt 4,40 Karat in Chopards Kronenfassung besetzt. Diese Technik wurde von der dritten Generation der Familie Scheufele entwickelt und nutzt V-förmige Krappen, die jeden Stein anheben, um die Lichtdurchdringung zu maximieren. Darunter verbirgt sich ein Zifferblatt aus Onyx — einer Chalzedon-Varietät, mit der Chopard seit den 1960er Jahren arbeitet. Dieser Stein besitzt die wunderbare Eigenschaft, dass er jedes Stück zu einem absoluten Unikat macht, das mehr von der Natur des Steins als von der Hand des Handwerkers geformt wird. Das Herzstück bildet das hauseigene Uhrwerk Chopard 09.01-C mit 148 Komponenten und einer Gangreserve von 42 Stunden, abgerundet durch diamantbesetzte Zeiger und vier Brillantindizes an den Kardinalpunkten. In einem Segment, in dem Quarzwerke die pragmatische Norm sind, ist die Entscheidung für ein Automatikwerk ein Detail, das auf der Watches and Wonders 2026 besonders hervorsticht.
Die Serpenti Aeterna von Bulgari

Above Die beeindruckende Serpenti Aeterna Uhr von Bulgari (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Bulgari)
Bulgari kreiert bereits seit den 1940er Jahren Schlangenschmuck. Diese Ikone wurde so oft neu interpretiert, dass die spannende Frage nicht mehr lautet, ob es erneut möglich ist, sondern ob sich damit noch etwas wahrhaft Neues ausdrücken lässt. Die Serpenti Aeterna beweist auf eindrucksvolle Weise, dass dies durchaus der Fall ist. Sie löst sich beinahe vollständig von der figürlichen Schlange und wendet sich einem skulpturalen Objekt zu — einem Armreif aus Roségold, besetzt mit 122 Steinen. Die bewusst ungezähmte Farbpalette umfasst unter anderem Rubellit, Tansanit, Paraíba-Turmalin, Tsavorit, Smaragd und Peridot, die in runden, Brillant-, Princess-, Tropfen- und Ovalschliffen angeordnet sind und sich keiner strengen Ordnung unterwerfen.
Die Zahlen hinter diesem Kunstwerk sprechen für sich: 225 Stunden für die Entwicklung, allein 185 Stunden für die Auswahl und Vorbereitung der Steine sowie mehr als 60 Stunden für die Fassung. Flankiert wird sie von einer Variante aus Gelbgold, bei der funkelnde Diamantlinien Kopf und Schwanz des Armreifs vor einem weißen Perlmuttzifferblatt definieren. Bulgari hat zudem einen digitalen Pass für dieses Stück eingeführt — einen Blockchain-verifizierten Datensatz, der durch Scannen eines Datamatrix-Codes auf dem Gehäuseboden zugänglich ist und Informationen zu Authentizität, Spezifikationen und Provenienz liefert. Für eine Branche, die sich historisch auf Papierzertifikate und institutionelles Vertrauen verlassen hat, ist dies eine überaus sinnvolle Evolution.
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