Cover Andreas Kronthaler über das Schmuck-Erbe von Vivienne Westwood und eine Vorstellungskraft, die keine Grenzen kannte (Bild mit freundlicher Genehmigung von SJM)

Die Stücke der Ausstellung “Vivienne Westwood & Jewellery” in Macau reichen von einer handgefertigten Amazonia-Halskette bis hin zu einer Tiara aus Pappmaché. Gemeinsam erzählen sie die Geschichte eines Hauses, das nie nach den Regeln spielte. Wir trafen uns mit Andreas Kronthaler — dem Kreativdirektor der Marke und Ehemann der verstorbenen Designerin —, um die Geschichten hinter den Exponaten von Vivienne Westwood zu erfahren.

Die Ausstellung “Vivienne Westwood & Jewellery 2026” ist noch bis zum 15. Juli im Grand Lisboa Palace Resort Macau zu sehen. Sie erstreckt sich über acht immersive Räume und zieht die Besucher durch Archivstücke und Laufsteg-Schmuck aus vier Jahrzehnten in die grenzenlose Vorstellungskraft von Vivienne Westwood.

Vivienne Westwood weigerte sich zeitlebens, in eine Schublade gesteckt zu werden — und ihr Schmuck trägt genau diesen Geist weiter. Um die Geschichten hinter jedem Stück zu erfahren, sprachen wir mit Andreas Kronthaler, dem Kreativdirektor des Hauses und Westwoods Partner in Design und Leben in den drei Jahrzehnten vor ihrem Tod. Gemeinsam reflektierten wir über ihre gemeinsame kreative Reise, die Symbole, die das Haus prägten, und einen Pioniergeist, der bis heute nachklingt.

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Fashion designer Vivienne Westwood (R) and Andreas Kronthaler acknowledge applause following the Vivienne Westwood's Fall/Winter 2013/14 Ready-to-Wear show as part of Paris Fashion Week, in Paris (Photo by Stephane Cardinale/Corbis via Getty Images)
Above Andreas Kronthaler ist der Kreativdirektor von Vivienne Westwood und war der Partner der verstorbenen Designerin in Design und Leben (Foto von Stephane Cardinale/Corbis via Getty Images)
Fashion designer Vivienne Westwood (R) and Andreas Kronthaler acknowledge applause following the Vivienne Westwood's Fall/Winter 2013/14 Ready-to-Wear show as part of Paris Fashion Week, in Paris (Photo by Stephane Cardinale/Corbis via Getty Images)

Für Vivienne Westwood und Andreas Kronthaler war Schmuck der Bereich, in dem ihr formelles kreatives Leben begann. Westwood schrieb sich in ihren Teenagerjahren kurzzeitig an der Harrow Art School — die heute zur University of Westminster gehört — ein, um Modedesign zu studieren, war jedoch schnell frustriert; sie hatte das Gefühl, dass es nur ums Zeichnen und nicht ums Erschaffen ging. Die Silberschmiedekunst gab ihr die Möglichkeit, mit ihren Händen zu arbeiten. Kronthaler lernte in seiner Jugend in Österreich das Goldschmiedehandwerk, obwohl sich die Strenge der traditionellen handwerklichen Ausbildung bald als zu einengend erwies. “Diese Welt war einfach zu klein für mich”, erinnert er sich. “Man ist ständig über einen Tisch gebeugt — ich wollte mehr; ich wollte die Welt sehen.”

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LONDON, ENGLAND - JANUARY 09:  Vivienne Westwood is seen on the runway for the finale of the Vivienne Westwood show during London Fashion Week Men's January 2017 collections at Seymour Leisure Centre on January 9, 2017 in London, England.  (Photo by Jeff Spicer/Getty Images)
Above Vivienne Westwood auf dem Laufsteg der London Fashion Week Men's Herbst/Winter 2017 mit einem Kopfschmuck aus Pappmaché (Foto von Jeff Spicer/Getty Images)
LONDON, ENGLAND - JANUARY 09:  Vivienne Westwood is seen on the runway for the finale of the Vivienne Westwood show during London Fashion Week Men's January 2017 collections at Seymour Leisure Centre on January 9, 2017 in London, England.  (Photo by Jeff Spicer/Getty Images)

Die Welt des Schmucks von Vivienne Westwood ist von dem rebellischen Geist des Duos geprägt, was sich am deutlichsten in der Wahl der Materialien widerspiegelt. Das Hauptplakat der Ausstellung zeigt ein Foto von Westwood mit einer vom 17. Jahrhundert inspirierten Tiara, die nicht aus Diamanten und Gold, sondern aus Pappmaché gefertigt ist — ein sarkastischer Kommentar zu edlem Schmuck, der lange Zeit als Symbol für Prestige galt. Die Idee stammte von Kronthaler. “Ich sah in alten Büchern einige sehr komplizierte Schmuckdesigns und mochte, wie sie auf der Seite aussahen”, erzählt er. “Also kopierten wir sie, legten das Papier in die Mikrowelle, um es zu trocknen — manchmal verbrannte es dabei an den Rändern ein wenig — und montierten sie dann als Ohrringe und alle möglichen anderen Stücke.”

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Above Eine ausgestellte Krone aus Pappmaché in der Ausstellung von Vivienne Westwood & Jewellery
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Above Ein detailreiches Schmuckset aus Pappmaché von Vivienne Westwood
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Dies spricht für Westwoods “Do It Yourself”-Ethos — so lautet auch der Titel eines der Ausstellungsräume — und ihre tiefe Überzeugung, dass Kreativität jedem gehört, unabhängig davon, zu welchen Materialien man Zugang hat. “Vivienne schmückte sich mit allem, was gerade zur Hand war”, erzählt uns Kronthaler. “Sie nahm die Folie aus Zigarettenschachteln und legte sie um ihre Zähne, sodass man goldene Zähne hatte — es ist so einfach, aber sie machte es zu etwas ganz Besonderem.” Die Ausstellung erweckt diesen Geist durch eine Vielzahl solcher Stücke zum Leben: ein aus Getränkedosen gefertigtes Schmuckset, alte Uhren, die zu zarten Vogel-Broschen umfunktioniert wurden, und eine Halskette aus Häkelarbeit und Kastanien, die Vivienne Westwood selbst regelmäßig trug.

Aus Neugier fragten wir Kronthaler — dessen Haus auch für seine Brautkleider berühmt ist —, wie ein Ehering von Vivienne Westwood wohl aussehen könnte. Er hielt inne und versank für einen langen Moment in Gedanken, bevor sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete. “Wahrscheinlich ein Ring aus dem Verschluss einer Bierdose.”

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HONG KONG, CHINA - JANUARY 20:  (CHINA OUT) A model showcases designs by Andreas Kronthaler during the Vivienne Westwood Spring-Summer 2010 collection on the catwalk during the  Hong Kong Fashion Week Fall/Winter 2010 on January 20, 2010 in Hong Kong, China.  (Photo by Visual China Group via Getty Images)
Above Ein Model auf dem Laufsteg der Vivienne Westwood Frühjahr/Sommer-Show 2010 mit einem aus einer Cola-Dose gefertigten Schmuckstück (Foto von Visual China Group via Getty Images)
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Above Aus Getränkedosen gefertigte Halsketten in der Ausstellung von Vivienne Westwood & Jewellery
HONG KONG, CHINA - JANUARY 20:  (CHINA OUT) A model showcases designs by Andreas Kronthaler during the Vivienne Westwood Spring-Summer 2010 collection on the catwalk during the  Hong Kong Fashion Week Fall/Winter 2010 on January 20, 2010 in Hong Kong, China.  (Photo by Visual China Group via Getty Images)

Die Ausstellung wäre nicht vollständig ohne einen Raum, der ganz dem Orb gewidmet ist — dem Logo der Marke, das aus einem von Ringen umgebenen Globus besteht, ähnlich einem Planeten. Das Symbol tauchte erstmals 1987 in der Harris-Tweed-Kollektion von Vivienne Westwood auf und ist seitdem die unverkennbare Ikone des Hauses geblieben — eine, die Kronthaler sichtlich am Herzen liegt. “Der wertvollste Schmuck drückt immer etwas aus, das über Reichtum hinausgeht”, sagt Kronthaler über den Orb. “[Er] repräsentiert die Vergangenheit, existiert in der Gegenwart und sagt etwas über die Zukunft aus.” Das Design vereint einen königlichen Reichsapfel — eine Hommage an die britische Tradition und Geschichte — mit den Ringen des Saturn, die für Raum, Innovation und die Zukunft stehen. Seit seiner Einführung wurde er im Schmuck und in der Prêt-à-porter-Mode des Hauses in einer stetig wachsenden Vielfalt von Materialien, Größen, Farben und Veredelungen neu interpretiert — wie die mehr als 100 ausgestellten Orb-Stücke von Vivienne Westwood eindrucksvoll belegen.

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Above Der Vivienne Westwood Orb wurde erstmals 1987 in der Harris-Tweed-Kollektion präsentiert
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Above Dabei wurde der Orb von Vivienne Westwood auch zum ersten Mal mit Perlenketten kombiniert

Die Ausstellung beleuchtet zudem Westwoods Liebe zum Reisen und ihre Wertschätzung für Handwerkskunst aus aller Welt. Der Entdeckungsraum präsentiert Schmuckstücke, die von unterschiedlichsten globalen Traditionen und Geschichten inspiriert sind. Darunter befindet sich auch die Amazonia-Halskette, ein perlenbesetztes Stück, das Vivienne Westwood während einer Reise nach Brasilien nahe dem Amazonas kreierte, wo sie sich aktiv für den Schutz des Regenwaldes und der dort lebenden Gemeinschaften einsetzte.

Durch Schmuck, der an der Oberfläche exzentrisch und rebellisch erscheint, offenbart die Ausstellung eine Vivienne Westwood von unerwarteter Zartheit und emotionaler Tiefe — eine Facette, die auch in “Vivienne Westwood & Jewellery”, einem zeitgleich zur Wanderausstellung bei Thames & Hudson erschienenen Katalog, ebenso präsent ist.

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PARIS, FRANCE - MARCH 01:  Fashion designer Vivienne Westwood walks the runway during the Vivienne Westwood show as part of the Paris Fashion Week Womenswear Fall/Winter 2014-2015 on March 1, 2014 in Paris, France.  (Photo by Francois Durand/Getty Images)
Above Vivienne Westwood trägt die Amazonia-Halskette und einen passenden Kopfschmuck bei der Paris Fashion Week Herbst/Winter 2015 (Foto von Francois Durand/Getty Images)
PARIS, FRANCE - MARCH 01:  Fashion designer Vivienne Westwood walks the runway during the Vivienne Westwood show as part of the Paris Fashion Week Womenswear Fall/Winter 2014-2015 on March 1, 2014 in Paris, France.  (Photo by Francois Durand/Getty Images)

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