Gucci Herbst/Winter 2026: War dieser gewagte Zug der richtige?
Demna präsentierte in Mailand endlich seine erste offizielle Gucci-Modenschau für Herbst/Winter 2026. Die Schau, betitelt “Gucci Primavera” (“Gucci Frühling”), war ein Wagnis der Kering-Gruppe und zugleich die seit Langem erwartete Neuordnung der Kräfteverhältnisse in der Mode. Demna machte Gucci nicht zu einem zweiten Balenciaga. Statt apokalyptischer Endzeitstimmung dominieren kühle Präzision, subtile Ironie und eine zutiefst emotionale “italienische Sinnlichkeit”. Er betrachtet Gucci als eine “Person”, ein Wesen, das Wildheit erlebt und Evolution durchlaufen hat und das stets nach Begehren dürstet.
Diese visuelle Opulenz aus 83 Looks zeigte Demnas umfassende Übernahme der Gucci-Agenda. Ultrapräzise, körpernahe Schnitte und geniale Verweise auf die goldene Ära von Tom Ford: Er zerlegte die “Gucciness” und setzte sie neu zusammen. Das Line-up auf dem Runway wirkte wie eine generationsübergreifende Stabübergabe – von 90er-Jahre-Ikonen wie Kate Moss bis zu von Gen Z gefeierten Rappern sowie Transgender-Models. Es war ein “neues Manifest der Sinnlichkeit”, das Vielfalt mit Autorität verband – ein Italien des 21. Jahrhunderts, das an der Spitze marschiert.
Die Botticelli'sche Ästhetik der Pose

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau auf dem Laufsteg in Mailand.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau mit skulpturalen Silhouetten.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau in markanter Lichtsetzung.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau mit klarer Linienführung.
Am eindrucksvollsten war Demnas radikale Kontrolle über die “Körperproportionen”. Er sprach von der Erschütterung, die ihn beim Anblick des Originals von Botticellis “Die Geburt der Venus” in den Uffizien erfasste – eine Erschütterung, die er unmittelbar in die visuelle Sprache der Schau übersetzte. Er verlegte die Präsentation in einen musealen Raum voller Marmorskulpturen und interpretierte mit hochmoderner Handschrift die Renaissance-Besessenheit von “Proportion” neu.
Die Models wirkten wie Renaissancefiguren, die vom Sockel gestiegen sind; ihre bewusst gesetzten Gesten brannten sich ins Gedächtnis. Die männlichen Models zeigten vielfältige Erscheinungen – teils Touristenanmutung, teils Rollenspiel –, manche mit in die rückwärtigen Taschen gesteckten Händen. So entstand ein spannungsreicher Eindruck von gestauchten, gezogenen Proportionen. Diese Struktur, die “nicht beruhigen will”, ist Demnas schärfste Handschrift: Er machte Kleidung zur Architektur und den Körper zur dynamischen Skulptur darin.
Von legendären Supermodels bis zu Gen Z-Ikonen

Above Elsa Hosk auf dem Gucci-Laufsteg 2026 in Mailand.

Above Karlie Kloss auf dem Gucci-Laufsteg, kraftvolle Präsenz.

Above Transgender-Topmodel Alex Consani auf dem Gucci-Laufsteg.

Above Gabbriette, moderne Cool-Girl-Ikone, bei Gucci.

Above Vivian Wilson, Transgender-Tochter von Elon Musk, bei Gucci.

Above Vittoria Ceretti verkörpert kühle, italienische Eleganz.
Mit der Besetzung seiner ersten Schau demonstrierte Demna schulmäßige Präzision und Ambition. Er zeichnete ein klares Bild seines “neuen Manifests der Sinnlichkeit” jenseits von Identität und Körperform. Auf dem Runway feierten “Victoria’s Secret”-Größen wie Karlie Kloss und Elsa Hosk ein kraftvolles Comeback, das die Bühne augenblicklich mit luxuriöser Sinnlichkeit auflud. Mariacarla Boscono und Vittoria Ceretti trieben die kühle, italienische Eleganz zur Vollendung. Parallel setzte er auf zahlreiche Gen-Z-Protagonisten, die den Zeitgeist prägen, und verwandelte die Show in ein Fest der Diversität: von Vivian Wilson, der Transgender-Tochter Elon Musks, über Topmodel Alex Consani bis zu Cool-Girl Gabbriette, TikTok-Star Sydney Lynn Carlson sowie den Rappern Nettspend und Fakemink. Diese neue Generation mit starkem Profil steht für einen unkonventionellen, radikaleren Schönheitsbegriff – und hielt die Spannung der Gucci-Präsentation hoch.

Above Hommage an Tom Fords goldene 90er: T‑String-Robe mit ikonischem G-Metallemblem am Rückenbund.

Above Legendäres Supermodel Kate Moss als krönender Abschluss bei Gucci.
Der unbestrittene Höhepunkt des Abends war das Finale mit der legendären Kate Moss. Ihr Kleid – eine Hommage an Tom Fords goldene 90er, mit dem ikonischen G-Metallzeichen am hinteren Bund – funkelte im Blitzlicht gefährlich und betörend zugleich. Die Zeit schien zwischen der Hemmungslosigkeit der Millenniumjahre und der Avantgarde des 21. Jahrhunderts zu verschmelzen. Der Saal kochte – genau jener epochale Schlusspunkt, den Demna für Gucci geschaffen hat.
Ein unprätentiöses Italien

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau, klare Inszenierung im Museum.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau, großzügige Proportionen im Raum.

Above Details der Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau, raffinierte Texturen.

Above Details der Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau, präzise Schnitte.
Diese Schau faszinierte, weil sie durch und durch “italienisch” wirkte, jedoch ohne jede Manieriertheit. Demna vereinte die Seelen mehrerer Gucci-Generationen: Er hob Tom Fords sinnliche Grundlage, bewahrte die florentinische Handwerkskunst und verbarg darin seine unverkennbare Ironie. Spitze, Pailletten und opulente Blumenroben – eine Verbeugung vor Botticellis “Primavera” (“Der Frühling”) – koexistierten mit scharf konturierten Schnitten.
Im Fokus standen zudem Leichtigkeit, Körpernähe und Nahtlosigkeit. Das eröffnende, wie Strumpfgewebe anliegende Minikleid ist weich und dehnbar. Demna entwickelte unsichtbare, thermoversiegelte Kanten und diverse Hightech-Verfahren, sodass Lederbikerjacken und Leggings sich so bequem tragen wie Pyjamas, jedoch skulpturale Konturen besitzen. Er brach Dresscodes, indem er Sportswear, Kleider und Office-Looks mischte – Demnas Paradedisziplin des “Hybrid-Designs”. Sein Ansatz bleibt dabei pragmatisch: Produkte sind zum Tragen da – um das Leben zu veredeln. Sie müssen keine Theorien kennen; entscheidend ist, dass Sie sich darin wie eine starke Persönlichkeit fühlen. Und selbstverständlich aktivierte Demna erneut den “See Now, Buy Now”-Modus: Direkt nach der Show sind die Stücke in den Boutiquen und online erhältlich.

Above Details der Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau, feine Handwerkskunst.

Above Details der Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau, strukturierte Materialien.

Above Details der Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau, grafische Linien.

Above Details der Gucci Herbst/Winter 2026 Modenschau, elegante Drapierungen.
Die neuen Taschen im Überblick

Above Die ikonische Bamboo 1947 wirkt schlanker; der mit Leder angesetzte “flexible Bambus”-Griff liegt moderner und besser in der Hand.

Above Auch die Bamboo 1947 erscheint entschlackt; der “flexible Bambus”-Griff mit Lederbesatz ist griffiger und zeitgemäßer.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Taschen-Details, polierte Beschläge im Fokus.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Taschen-Details, präzise Kanten und Schlüsselelemente.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Taschen-Details, luxuriöse Ledertexturen.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Taschen-Details, ikonische G-Signaturen.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Taschen-Details, neue Proportionen.

Above Gucci Herbst/Winter 2026 Taschen-Details, tragbare Alltags-Eleganz.
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