Cover Alexandra Carlin bei Diptyque: Ein Moment der inneren Einkehr.

Ein eleganter, besinnlicher Rhythmus wohnt den vertrauten Kräuternuancen der Duftkerzen von Diptyque inne, bei denen die Marke Diptyque stets neue Maßstäbe setzt.

In einer kontinuierlichen Weiterentwicklung und Erweiterung ihres olfaktorischen Erbes präsentiert Diptyque in der ersten Jahreshälfte 2026 neue Kreationen der Diptyque Classic Candle-Kollektion. Diesmal erweitert das ästhetisch geprägte Parfümhaus sein Portfolio mit Inspirationen aus einem “Herbarium of Scents” – einer Bibliothek von Düften, die auf bekannten Kräutern wie Shiso, schwarzem Sesam und weiteren Pflanzen basieren.

Hinter diesen Kreationen steht Alexandra Carlin, eine renommierte französische Parfumeurin, die gleichzeitig als offizielle Sprecherin für die Neuinterpretation dieser ikonischen Duftkerzen fungiert. Im Gespräch mit Tatler teilt sie ihre Sichtweise, wie Diptyque Duftkerzen als sinnliches Erlebnis begreift, bei dem der Duft nicht nur der Realität entfliehen lässt, sondern den Menschen tiefer mit dem gegenwärtigen Moment verbindet.

Lesen Sie auch: Welche Düfte werden diesen Sommer besonders gefragt sein?

Tatler Asia
Above Die neuen Diptyque-Duftkerzen präsentieren sich in einer modernen Ästhetik.
Tatler Asia
Above Details der handverlesenen Inhaltsstoffe in den Diptyque-Kerzen.

Sehen Sie als leitende Parfumeurin von Diptyque den neuen Abschnitt des Candle Revamps als eine völlige Neugestaltung oder als eine tiefere Interpretation des ursprünglichen Geistes der Marke Diptyque?

Ich betrachte dies eher als eine Fortführung denn als eine Neuerfindung. Das neue Design erlaubt es den klassischen Duftkerzen, in einer moderneren Form zu glänzen. Die neuen Diptyque-Kreationen, obgleich sie ein zeitgemäßeres Design aufweisen, enthalten Noten aus dem “Herbarium of Scents”, die dem charakteristischen Diptyque-Geist treu bleiben: minimalistisch, aber niemals eintönig, eng mit der Natur verbunden und geleitet von sensorischem Genuss. Ich nenne es eine Fortführung, eine Tradition.

Was hat dazu geführt, dass alltägliche Kräuter wie Shiso oder schwarzer Sesam anstelle exotischerer Noten ausgewählt wurden?

Am offensichtlichsten ist der direkte Dialog dieser Inhaltsstoffe mit dem Thema “Herbarium of Scents”. Obwohl sie vertraut sind, bergen sie aus olfaktorischer Sicht viele interessante Kontraste. Bei Rhabarberblättern beispielsweise wollte ich die frische, saure Fülle und die erdigen Noten einfangen. Bei schwarzem Sesam habe ich die geröstete, warme Duftschicht erkundet, die fast cremig und süchtig machend wirkt. Shiso bietet eine sehr vielschichtige Duftstruktur; ich habe direkt mit frischen Blättern gearbeitet, um den Grünton, die kräuterige Frische und die charakteristische, leichte Würze zu betonen.

Lesen Sie auch: Handgefertigte Parfums und die Vision kultureller Identität

Tatler Asia
Above Die Komplexität der Diptyque-Duftnoten im Fokus der Analyse.

Wenn Sie mit derart vertrauten Zutaten arbeiten, was ist die größte Herausforderung: die Auswahl der richtigen Rohstoffe, die Verarbeitung für mehr Tiefe oder die Bewahrung der Diptyque-DNA?

Es gibt viele Herausforderungen, die gleichzeitig bestehen. Zunächst müssen wir den Duft aus der Perspektive eines Parfumeurs statt aus der rein wörtlichen Bedeutung der Zutat interpretieren. Wir müssen die Emotionen und Eindrücke, die der Rohstoff vermittelt, umwandeln und dabei dennoch die charakteristische Sprache von Diptyque bewahren, die sich harmonisch in die bestehende Kollektion einfügt.

Die Herausforderung liegt auch im Wachs – es bestimmt den Verbrennungsprozess und die Art und Weise, wie sich der Duft im Raum entfaltet. Die Duftformel muss in enger Zusammenarbeit mit dem handwerklichen Know-how bei Diptyque fein abgestimmt werden, damit sich alle Ebenen beim Anzünden vollständig entfalten können. Der Dialog zwischen Rohstoffen, Flamme und Wachs ist ein wesentlicher Teil des Handwerks bei Diptyque.

Ist eine Duftkerze heute für Sie eine Form der Flucht oder ein Ritual, das den Menschen tiefer mit dem Hier und Jetzt verbindet?

Das Anzünden einer Kerze schafft immer eine Pause außerhalb des alltäglichen Zeitrhythmus. Es vermittelt ein ganz eigenes Schwebegefühl durch Licht, Duft und sensorische Erfahrung.

Seit der Gründung hat Diptyque den Duft im Wohnraum als etwas sehr Privates und Individuelles betrachtet. Eine Duftkerze von Diptyque kann den Alltag still begleiten und gleichzeitig an jedem Ort ein Gefühl von Vertrautheit erzeugen. Viele Menschen haben die Gewohnheit, auf Reisen eine Diptyque-Kerze mitzunehmen, um diese vertraute Atmosphäre wiederherzustellen. Ich zähle mich ebenfalls dazu.

Tatler Asia
Above Ein Moment der Ruhe mit Diptyque-Duftkerzen in einem privaten Ambiente.

Ein Kerzenglas ist sowohl ein materielles Objekt als auch ein flüchtiges Erlebnis, wenn es verbrennt. Was ist wichtiger in der Philosophie von Diptyque?

Bei Diptyque ist das Kerzenglas immer beides. Es ist ein sichtbares Symbol der Marke: das ovale Etikett, die Typografie von Desmond Knox-Leet, das weiße Wachs und das transparente Glas. Doch erst wenn sie angezündet wird, erwacht die Kerze wahrlich zum Leben. Die Flamme weckt den Duft und schafft einen Dialog zwischen Licht, Geruch und Form. Das ist ein besonderes Erlebnis, das besinnlich, ritualreich und ganz im Sinne der “Art de Vivre” ist, die ein so ästhetisches Haus wie Diptyque stets verfolgt.


Dieser Artikel erschien in der Mai-Ausgabe 2026 von Tatler Vietnam.

JETZT LESEN

Baby Glow und die moderne Frau: Wenn Anti-Aging nicht mehr „gegen das Altern“ bedeutet

Der „Geschmack“ der Düfte

Dior Prestige, französischer Stil und die Kunst der Schönheitspflege