Cover Architekt Khoa Vũ, Gründer des Studio KHOA VU, integriert wertvolle Erinnerungen in seine Arbeit

Die Kombination aus seiner Lehrtätigkeit für Architektur in Harvard und seiner internationalen Praxis lässt den Architekten Khoa Vũ die Bedeutung seiner eigenen “Erinnerungen” an seine Heimat sowie die tiefe Verbindung zwischen Mensch, Gemeinschaft und Ort neu schätzen.

Khoa Vũ (Vũ Phước Đăng Khoa) ist ein Architekt und Gründer des Studio KHOA VU, einem unabhängigen Architekturbüro mit Sitz in New York, das innovative Ansätze in den Bereichen Raum, Kultur und menschliche Erfahrung verfolgt. Mit einer Philosophie, die rationales Design mit dem Empfinden der Nutzer in Einklang bringt, kreiert er Werke, die sowohl forschungsintensiv als auch tief in den Alltag verwurzelt sind. Seine “Erinnerungen” fließen dabei stets in seine Arbeit ein.

Neben seiner beruflichen Praxis ist Khoa Vũ Dozent für architektonisches Design an der Harvard Graduate School of Design, wo er das Core Master Design Studio leitet. Als Absolvent der Harvard GSD und der UC Berkeley wurde er mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter WAF 40 Under 40, der Venice Biennale, dem Lexus Design Award und dem Architecture MasterPrize. Durch Studio KHOA VU erweitert er kontinuierlich die Rolle der Architektur als ein Mittel, um innovative Kreativität, Nachhaltigkeit und kulturelle Werte in das tägliche Leben zu integrieren.

Was macht in Ihren Augen ein unvergessliches Bauwerk aus?

Meiner Meinung nach bedeutet ein bleibender Eindruck nicht zwangsläufig, dass ein Gebäude ein reines Symbol sein muss. Architektonische Ikonen sind oft mit Bildern in den Massenmedien verknüpft, doch ein Raum, der in unseren “Erinnerungen” haften bleibt, ist tief mit der physischen Wirkung auf den Menschen verbunden. Er hinterlässt Spuren in der Art und Weise, wie Licht in den Raum fällt, in der Atmosphäre, die sich sanft wie ein im Wind wiegender Schleier bewegt, oder darin, wie Materialien den Lauf der Zeit widerspiegeln. Es sind die Emotionen, die entstehen, wenn ein Gebäude uns dazu bringt, langsamer zu werden, innezuhalten oder uns unserer selbst deutlicher bewusst zu werden.

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Wie haben Sie gelernt, Architektur zu “lesen”?

Meine ersten Erfahrungen mit Architektur stammten nicht von prunkvollen Bauten, sondern aus meiner Heimatstadt Đà Lạt. Diese Stadt lehrte mich, dass Architektur eine Symphonie aus Natur, Klima, Kultur, Geschichte und dem Leben selbst ist. Die Schönheit von Đà Lạt liegt nicht in einem einzelnen Gebäude; man verliebt sich in diesen Ort durch die Atmosphäre aus Nebel, Pinienwäldern, steilen Straßen, alten Villen und Gärten. Diese “Erinnerungen” wurden später zur Grundlage meiner Masterarbeit in Harvard – Grayscale: Architecture of Fog.

Das Projekt erkundete den Nebel nicht nur als visuellen Effekt, sondern als Prisma zum Nachdenken über Architektur – ein Element zwischen Körperlichkeit und Biosphäre, zwischen Natur und künstlicher Welt. Dies ist auch meine Methode, Architektur zu lesen. Wenn ich auf ein Bauwerk treffe, achte ich weniger auf den Ausdrucksstil als vielmehr auf die dort vorherrschende Atmosphäre. Ich achte auf die Übergänge zwischen Räumen, Temperatur, Klang, Licht und die Verbindung zwischen Innen und Außen.

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Above Architekt Khoa Vũ, Gründer des Studio KHOA VU, ist Teil der Gen.T Vietnam 2026 Liste und nutzt Erinnerungen als kreative Basis

Warum sollten Architekturstudenten und Praktiker historische Stätten besuchen?

Man kann ein Gebäude als kulturelles Dokument lesen; es bewahrt nicht nur Materialien und Konstruktionstechniken, sondern auch soziale Beziehungen, Rituale und Zeit. Deshalb glaube ich, dass junge Architekten die Welt bereisen und historische Stätten direkt erleben sollten. Die Qualität und Schönheit der Architektur lässt sich nicht allein durch Fotos erfassen.

Ein Foto zeigt die Fassade, doch es vermittelt nicht das Gewicht des Steins oder die Atmosphäre, die “Erinnerungen” an vergangene Epochen weckt. Reisen helfen Studenten, ihre eigene Bibliothek an räumlichen Eindrücken aufzubauen, die später zu einer Quelle der Inspiration für neue Konzepte werden.

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Was ist der erste Schritt, wenn Sie ein Projekt beginnen?

Ich stürze mich nicht sofort auf die Formen, sondern suche nach der Biosphäre: einem Gefühl, das ich erreichen möchte, oder einer Eigenschaft, die schon lange auf dem Grundstück existiert. Manchmal entspringt dies “Erinnerungen”, manchmal dem Klima oder den Materialien. Sobald dieses Gefühl in mir Gestalt annimmt, entwickelt sich das Projekt darauf aufbauend. Diese Methode habe ich vom Hörsaal bis in die Praxis beibehalten.

Ich wurde an der University of California, Berkeley, der Harvard Graduate School of Design und der ETH Zürich ausgebildet und sammelte Erfahrung in Büros wie Michael Maltzan Architecture und OXMAN. Dort vertiefte ich mein Wissen über die Beziehung zwischen Architektur und Wohnraum, Technologie und Innovation.

Diese Erfahrung hat mich gelehrt, dass Architektur niemals nur um Formen geht, sondern um Systeme, die das Leben tragen: wie Menschen zusammenkommen, wie sich Städte verändern und wie unsere Erinnerungen in die kulturelle Identität eines Ortes einfließen.

- Architekt und Gründer, Studio KHOA VU -

Müssen Ihre Arbeiten einen eigenen Stil ausdrücken?

Mit Studio KHOA VU erforsche ich Architektur als Brücke zwischen Struktur und Atmosphäre, zwischen Materie und Umwelt, “Erinnerungen” und Zukunft. Ich lege keinen großen Wert auf einen persönlichen Stempel im traditionellen Sinne. Stile können zu starr sein. Ich konzentriere mich mehr darauf, eine spezifische Sensibilität auszudrücken: für räumliche Übergänge, lokales Klima und kulturelle Erinnerungen.

Haben nostalgische Erinnerungen in der schnellen Stadtentwicklung noch einen Platz?

Ich interessiere mich nicht für Nostalgie als Flucht vor der Gegenwart. Nostalgie ist nur dann sinnvoll, wenn sie uns hilft zu erkennen, was nicht gelöscht werden sollte. Fortschritt bedeutet nicht den Verlust der “Erinnerungen”. Dies ist eine der wichtigsten Fragen für die Architektur in Vietnam, wo Städte sich ständig wandeln. Wie bauen wir zukunftsorientiert und nutzen gleichzeitig die über Generationen gewachsenen Erfahrungen auf diesem Land?

Zwischen Bewahrung, Renovierung und Neubau, was wählen Sie?

Vietnam muss nicht unbedingt schneller bauen, sondern braucht bessere Methoden, um vorhandene Ressourcen umzuwandeln. Wir müssen geduldig und klug vorgehen, damit Entwicklung nicht nur wirtschaftlichen Wert schafft, sondern Kultur und die Verbindung zwischen Mensch und Ort bewahrt. Hierbei spielen adaptive Wiederverwendung, klimagerechtes Design und kulturelle Infrastruktur eine Schlüsselrolle.

Eine Stadt wird schöner, wenn sie ihre Vergangenheit nicht vergisst, sondern den Dialog zwischen den Schichten des Erbes und dem urbanen Gesicht der Erneuerung eröffnet. Nach Jahren im Ausland möchte ich in der kommenden Zeit direktere Beiträge für mein Heimatland leisten. Mein Ziel ist es nicht, ausländische Architekturmodelle mechanisch zu kopieren, sondern Bauwerke zu schaffen, die die materielle Zivilisation Vietnams erben und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zum globalen architektonischen Diskurs leisten, bereichert durch unsere kollektiven “Erinnerungen”.


Dieser Artikel stammt aus der Tatler Vietnam Ausgabe Vol. 22.

CREDITS

Editor-in-Chief: Nikita Chu
Managing Editor: Hai Yen Ho
Head of Style: Nga H Nguyen
Art Director: Andy Trần
Photographer: Lê Lai, Kỳ Anh, Trí Nguyễn
Stylist: Long Ngọc
Producer: Joanne Dao
Editors: Lang Minh, Khương Hà, Quyên Hoàng, Sovy Han
Junior Editors: Hồng An, Emily Kỳ, Lana Nguyễn
Video Director: Viet Hoang
Videographer: Andrewng, Truong Dinh, Duc Anh, Vy Lê
Video Editor: Thiện Trung, Pham Gia Khanh, Vy Lê
Designer: Chau Duong, Dinh Gia Kiet, Anh Bui, Van Ly H
Retoucher: Nét Retouch
Social: Pham Gia Khanh
Makeup & Hair: Ngọc Li
Photo Assistant: Anh Nhựt, Lê Minh Quang
Gaffer/A.C: Hau Nguyen, Phuc
Stylist Assistant: Phúc Tín, Jayce, Minh Đức, Yến Nhi
Fashion: Gucci, Karl Lagerfeld, Calvin Klein, MoiDien

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Quyen Hoang
Editor, Tatler Vietnam
Tatler Asia