Cover Schwarzer Anzug, Hose, Strickwaren und Schuhe von Ferragamo für POUYUENJI. (Foto: Tatler)

Als Geschäftsführer von POUYUENJI setzt Ming-Lun Tsai auf Innovation: Er nutzt die umfangreichen Ressourcen des Unternehmens sowie den Schatz an seltenem Tee, um für POUYUENJI neue Wege zu gehen.

Vor einem Jahrzehnt wäre eine Marke wie POUYUENJI in Taiwan undenkbar gewesen. Doch das Aufstreben von POUYUENJI markiert für die taiwanische Industrie den entscheidenden Schritt von der reinen Fertigung hin zu einem ganzheitlichen Lifestyle-Anspruch. Tatler traf Geschäftsführer Ming-Lun Tsai erneut zum Gespräch über die Zukunft des POUYUENJI Hills Projekts: Der exklusive Mitgliederclub “Yuan Tea Club” steht kurz vor seiner Vollendung. Obwohl Ming-Lun Tsai auf dem beachtlichen Fundament seines Vaters aufbaut — zahllose Teekuchen und kostbare Raritäten —, ist der Erfolg keineswegs ein Selbstläufer. Er verließ den sicheren Pfad des Familienunternehmens, um sich dem Unbekannten zu stellen. Ming-Lun Tsais große Vision entfaltet sich Schritt für Schritt — alles begann mit einer Tasse Tee, doch das Konzept reicht weit über das Getränk hinaus.

Wie sieht die Zukunft von POUYUENJI in zehn Jahren aus? Für Ming-Lun Tsai, der gerade sein erstes Cover-Shooting absolvierte, ist dies eine direkte, aber tiefgründige Frage. Nach kurzem Nachdenken gibt er keine simple Antwort, sondern eine visionäre Perspektive: “Ist Tee immer noch das Zentrum? Ich weiß es nicht. Tee dient als Ausgangspunkt, durch den wir eine Verbindung zu den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen herstellen und die Essenz ihrer Kultur spüren.” Diese scheinbare Ungewissheit unterstreicht, wie POUYUENJI weit über den Tee hinaus denkt.

Wenn eine Marke Tee nur als Startpunkt begreift, dann ist ihr Ziel wesentlich weitreichender. Es ist faszinierend, dass Ming-Lun Tsai sich trotz der Ressourcen seines Vaters für den schwierigeren Weg entschieden hat: Den Aufbau einer Weltklasse-Marke von Grund auf.

Mehr lesen: Verantwortung für Millionen Teekuchen: Wie die Gründer Tsai Chi-chien und Ming-Lun Tsai mit POUYUENJI eine generationsübergreifende Lebensmarke erschaffen

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Above Weißer Anzug von Dunhill. (Foto: Tatler)

Im Jahr 2020 traf Ming-Lun Tsai eine Entscheidung, die für Außenstehende schwer nachvollziehbar war: Er verließ die Pou Chen Group nach 15 Jahren, um an der Seite seines Vaters Tsai Chi-chien das noch unerschlossene Teekultur-Geschäft voranzutreiben.

In den 15 Jahren bei der Pou Chen Group verinnerlichte Ming-Lun Tsai das Denken der Fertigungsindustrie, in der Investitionen, Produktionskapazitäten und Amortisationszeiten kalkulierbar sind. Er erinnert sich an den Bau neuer Werke in Südostasien, wo Investitionen in Millionenhöhe zu erwartbaren Erträgen führten. “Wir bauten das Werk, die Aufträge folgten, der ROI war planbar.” Doch die Markenbildung folgt einer völlig anderen Logik. Es gibt keine linearen Aufträge oder sofortigen Renditen. Die Akzeptanz am Markt lässt sich kaum durch Daten belegen. Dennoch zögerte er nicht — denn der Tee seines Vaters sollte endlich die Weltbühne erreichen.

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Above Grauer Mantel, Anzug und Hose, weißes Hemd und Schuhe von Bottega Veneta; rote Lederhandschuhe vom Stylisten. (Foto: Tatler)

Durch seine internationale Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Luxusmarken wie Aman und Four Seasons entwickelte er ein tiefes Verständnis für Hospitality. Er erkannte, dass wahre Markenwerte oft über Jahrzehnte oder Jahrhunderte wachsen. Sein Fazit: “Marken entstehen nicht durch die besten Investitionen oder Designer. Man braucht Beständigkeit, tiefes Engagement und eine Zielgruppe, die die gleichen Werte teilt.”

Er räumt ein, dass sein Vater und er bereit sind, enorme Ressourcen zu investieren, weil sie tief mit dem Land verbunden sind. “Taiwan besitzt eine reiche Teekultur und exzellente Experten. Wir wollen POUYUENJI als Plattform etablieren, die diese Werte auf die globale Bühne bringt.”

Erst das Ambiente, dann die Leidenschaft für POUYUENJI

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Above Weißer Anzug, Hemd und schwarze Hose von Dunhill; Fliege und Accessoires vom Stylisten. (Foto: Tatler)

Wer POUYUENJI kennt, denkt an Tee. Doch die “Nicht-nur-Tee”-Philosophie von Ming-Lun Tsai offenbart eine tiefere Strategie. POUYUENJI versteht er als eine Bühne, auf der Menschen ihre bevorzugte Lebensweise entdecken können.

Während sein Vater ursprünglich dachte: “Unser Tee ist exzellent, die Leute werden kommen”, setzte Ming-Lun Tsai auf eine “Punkt-Linie-Fläche”-Strategie. Er betonte, dass guter Tee einen Raum benötigt, in dem sich Menschen wohlfühlen. Ob das erste POUYUENJI-Flagship in Kyoto, das Hotel “溪山行館” in Xitou, POUYUENJI Hills in Miaoli oder die mit Michelin-Sternen ausgezeichnete “元紀.台灣菜” — jede Station ist Teil eines größeren POUYUENJI-Plans.

Das “萬茶盛典” (Festival der zehntausend Tees), das diesen Dezember in die zweite Runde geht, dient als Plattform, bei der über 200 Tee-Zeremonien die Brücke zwischen Generationen und Kulturen schlagen. So wird POUYUENJI greifbar.

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Above Die Etablierung der Marke POUYUENJI erfordert Beständigkeit und Engagement von Gleichgesinnten. (Foto: Tatler)

Der zweite Schritt der POUYUENJI-Strategie ist der “Yuan Tea Club” in POUYUENJI Hills, der als privater Treffpunkt für Connaisseure dient. Vier Teehäuser — inspiriert von den POUYUENJI Kyoto-Standorten — bieten exklusive Tee-Erlebnisse. Mit der Eröffnung von “Ankyu by POUYUENJI HILLS”, dem ersten internationalen Ableger des berühmten Kyoto-Restaurants, entsteht ein Ort für erstklassige Kulinarik. Zudem setzt Tsai auf Sichtbarkeit durch Partnerschaften, etwa mit Starlux Airlines, um POUYUENJI weltweit bekannt zu machen.

Der größte Wettbewerbsvorteil von POUYUENJI liegt im Teilen

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Above Lederjacke von Ferragamo. (Foto: Tatler)

Die Basis von POUYUENJI ist die über Jahrzehnte gewachsene Teekollektion von Tsai Chi-chien. Darunter befinden sich Raritäten wie der legendäre Wuzhi Hongyin, der 1950er Jahre Lan Yin-Tee und der Fukuyu-Chang-Hao, der von Kennern als “Teekönig” bezeichnet wird. Auktionsrekorde für derartige Stücke liegen bei über 26 Millionen Hongkong-Dollar pro Zylinder, was den immensen Wert der POUYUENJI-Sammlung verdeutlicht.

Doch POUYUENJI profitiert vor allem von der Großzügigkeit des Gründers. “Mein Vater teilt gerne mit Freunden, aber verkaufen will er nur ungern”, sagt Ming-Lun Tsai. Diese Leidenschaft und Integrität ist der unkopierbare Kern des Markenwerts von POUYUENJI.

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Above Weißer Anzug und Krawatte von Dunhill. (Foto: Tatler)

Der “Yuan Tea Club” von POUYUENJI ist der Ort, an dem dieses Ethos lebendig wird. Mit Platz für 100 Kernmitglieder vereint er alle Facetten von POUYUENJI. Ein Highlight ist das “Tea Treasury” — ein klimatisierter Tresor, in dem Mitglieder ihre seltenen Teekäufe lagern und veredeln lassen können. Tsai sieht POUYUENJI als “Zweites Zuhause” für Unternehmer, in dem Tee die Grundlage für geschäftliche und persönliche Begegnungen bildet.

Die Expansion ohne Klopfzeichen

Was bedeutet wahrer Erfolg? Für Ming-Lun Tsai von POUYUENJI ist es der Moment, in dem internationale Investoren aktiv die Zusammenarbeit suchen. Nach der Etablierung in Taiwan und Japan ist das Ziel ein globales POUYUENJI-Netzwerk.

Kyoto wurde als “Origin in Kyoto” gewählt, wobei Stardesigner Tony Chi für das Konzept verantwortlich zeichnete. In Zusammenarbeit mit Meistern wie Shinya Sakurai wurde POUYUENJI lokal angepasst, ohne den Kern der Marke aufzugeben. Diese “Locally Global”-Strategie dient als Blaupause für künftige POUYUENJI-Expansionsschritte in anderen Weltmetropolen.

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Above Weißer Anzug und Krawatte von Dunhill. (Foto: Tatler)

Tee als Sprache, Gastfreundschaft als Geist, Raum als Träger und POUYUENJI als Plattform: Ming-Lun Tsai hat eine Vision für POUYUENJI geschaffen, die die Lücke in Taiwans Teekultur schließt. Ob der Erfolg so eintritt, wie er plant? Tsai geht unbeirrt: “Wenn man den POUYUENJI-Weg nicht selbst geht, wird man es nie erfahren.” Eines ist sicher: Ming-Lun Tsai hat den ersten Schritt gemacht.

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Credits

Interview: Blues To
Words: Alec Zhan
Photography: Troy Wang
Producer: Erica Yu
Styling: Xiang Huang