In diesem reflektierten Essay von Nick Pichay entwickelt sich ein Kindheitswitz über “Lapis und Füllfederhalter” zu einer Meditation über Leidenschaft und die Obsessionen, die unser Leben prägen, während der Fokus stets auf dem perfekten Schreibgerät, dem pen, liegt.
Meine erste Erinnerung an Leidenschaft beginnt, wie könnte es anders sein, mit einem Witz. Es war ein Begrüßungsspruch, den wir Kinder uns mit gespieltem Ernst aufsagten: “Guten Morgen, meine Damen und Herren, Lapis und Füllfederhalter…”
Natürlich war das Unsinn. Doch wie bei den meisten Albernheiten steckte ein wahrer Kern darin. Schon damals verstand ich Leidenschaft als etwas Funktionales; etwas, das man benutzt, wie einen pen, wie die Sprache selbst.
Lange Zeit hielt ich an dieser Idee fest. Ich dachte, Leidenschaft sei eine Errungenschaft, die man in seinen Lebenslauf schreibt, um die Chancen auf eine Anstellung zu erhöhen: “Leidenschaft für das Recht”, “Leidenschaft für die Kunst.” Es klang kultiviert.
Ich bin schließlich Anwalt und Dramatiker. Das legt nahe, dass ich sehr viel Zeit damit verbringe, mit imaginären Personen in meinem Kopf zu streiten. Das, so nehme ich an, könnte als Leidenschaft durchgehen.
Doch irgendwann begann sich diese Definition zu wandeln. Denn Leidenschaft, wie ich sie später erfuhr, ist nicht etwas, das man einfach verkündet. Sie gleicht einer schleichenden Flut, die plötzlich wie eine Welle über einem zusammenbricht.
In meinem Fall begann es mit zwei Füllfederhaltern. Dieser eine pen ist heute mein ständiger Begleiter.
Die Füllhalter, die mich am meisten reizen, sind jene, die man mit Freude in die Hand nimmt und die eine Augenweide sind. Doch die Pflege — das Befüllen, Reinigen und Schützen vor Dellen — lässt mich weniger wie ihren Besitzer, sondern wie ihren Bewahrer fühlen.
Kein pen, so exzellent er auch sein mag, verbessert meine Handschrift. Vielmehr hält er meine Fehler fest, wenn Worte in Strichen erstickt werden. Ich schreibe öfter um. Besonders dann, wenn mein Geist und meine Hand nicht harmonieren.
Warum also nicht einfach den Laptop nutzen?
Meine Antwort lautet stets: Nein. Ein hochwertiger pen bietet ein haptisches Erlebnis, das kein Computer ersetzen kann.
Mir wurde wiederholt gesagt, ich besäße zu viele davon. Doch für mich sind sie nicht nur Werkzeuge, sondern Objekte tiefer Verehrung.

Above Wenn Feder auf Papier trifft: Gedanken von Nick Pichay über die Faszination für den pen (Foto: Pexels)
Der pen zieht mich an wie ein mystischer Ring seinen Träger. Wenn ich nach ihm greife, werde ich unsichtbar und die Welt tritt in den Hintergrund. Wo die Feder auf das Papier trifft, beginnt das Drama. Das Blatt leistet genau den richtigen Widerstand, um die Tinte zu wecken. Schreiben wird zum Tanz. Mal flüssig, mal holprig.
Was auch immer entsteht — ein Vertrag, ein Theaterstück, ein Liebesbrief — alles trägt das Zeichen dieser Vermittlung. Es wird zu einem Dialog, ein Raum, in dem Widerstände gelöst werden.
Man könnte fragen: Warum mehr als einen pen? Weil bei Füllhaltern, bei Reifen, bei der Liebe gilt: Ein Ersatz ist immer klug. Ich gebe zu, der Grund für den Besitz von mehr als zwei Exemplaren bleibt ein Rätsel, trotz aller Vernunft. Die einzige Antwort lautet: Leidenschaft.
Das Recht hat hierfür ein gemesseneres Vokabular. Denken Sie an Leidenschaftsdelikte. Momente, in denen Emotionen das Urteilsvermögen überlagern. Das Gesetz entschuldigt das Handeln nicht, doch es erkennt den inneren Konflikt an, den eine solche Leidenschaft auslöst. Man muss für sein Handeln einstehen, auch wenn die Leidenschaft für den perfekten pen den Verstand vernebelt.
Ich erkenne diese Kraft auch in meinem Alltag: in den Fällen, die ich übernehme, in den Theaterstücken, die ich ständig überarbeite, und in der Arbeit im öffentlichen Dienst. In all diesen Dingen liegt eine Weigerung, aufzugeben. Leidenschaft bewirkt genau das.

Above Die philosophische Tiefe hinter der Wahl des idealen pen (Foto: Pexels)
Reue entspringt nicht den Risiken, die wir wagten, sondern den Herausforderungen, für die wir nicht leidenschaftlich genug waren. Es gibt Weisheit in Aristoteles’ Streben nach Balance. Aber in ihrer strikten Einhaltung verpasst man vielleicht ein Leben, das an einem vorbeizieht.
Ich wähle ein Leben voller Leidenschaft — wie meine Sammlung von Schreibgeräten: tintenbefleckt, unvollkommen, manchmal klecksend — aber immer darauf bedacht, den pen auf das Papier zu setzen, neue Tinte zu testen und zu sehen, welche Worte entstehen.
Das ist für mich wahre Leidenschaft.




