Das Lesen von Klassikern ist eine Aktivität, die weder beschleunigt noch optimiert werden kann. Es erfordert viel Zeit, Geduld und einen tiefen Dialog mit dem Autor sowie mit sich selbst.
Wenn die Welt sich immer schneller dreht, warum sollten wir dann wieder zu den Klassikern greifen? In den letzten zehn Jahren haben sich unsere Gewohnheiten rund um das Lesen drastisch verändert. Da Kurzvideos, soziale Medien und Instant Messaging zu den primären Informationsquellen geworden sind, ist das Lesen nicht länger eine Aktivität, in die Menschen gerne viel Zeit und Mühe investieren. Vor diesem Hintergrund möchten wir eine Diskussion anregen: Warum sollten wir anfangen, klassische Literatur zu lesen?
Microsoft wies in einer Studie darauf hin, dass die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne des modernen Menschen auf etwa 8 Sekunden gesunken ist — noch niedriger als die 12 Sekunden Anfang der 2000er Jahre. Diese “fragmentierte Aufmerksamkeit” verändert die Art und Weise, wie wir Wissen aufnehmen, und führt zu einem erschreckenden Phänomen: Mehr Informationen bedeuten nicht zwangsläufig ein tieferes Verständnis! Genau deshalb rückt die klassische Literatur wieder in den Fokus. Früher wurde sie oft als Symbol für Bildung oder als elitäres kulturelles Erbe betrachtet. Heute wird sie jedoch als wirksame Waffe gegen die Informationsflut gesehen. Das Lesen von Klassikern entzieht sich jeglicher Beschleunigung oder Optimierung; es erfordert vielmehr lang anhaltende Konzentration, Geduld und einen tiefen Dialog mit dem Autor sowie mit der eigenen Innenwelt.
Diese Art des Lesens steht im starken Kontrast zum rasanten Tempo unseres digitalen Alltags. Während wir unsere Aufmerksamkeit ständig zwischen Arbeit und sozialen Netzwerken hin- und herschalten, wird ein klassischer Roman, für dessen Lektüre man Wochen oder Monate benötigt, zu einem seltenen und wertvollen Erlebnis.
Weiterlesen: Der wahre Luxus des 21. Jahrhunderts ist der trainierte Körper: Warum die Elite ins Fitnessstudio geht
Ein intensives Trainingsgerät für das Gehirn

Above Das Lesen von Klassikern ist auch ein kognitives Training: Genau wie Muskeln Krafttraining benötigen, braucht das Gehirn komplexe Texte, um seine Leistungsfähigkeit zu erhalten (Foto: Getty Images)
Die Neurowissenschaftlerin Maryanne Wolf weist in ihren Forschungen darauf hin, dass digitale Leseumgebungen das Gehirn dazu verleiten, einen sogenannten “Skimming-Reflex” (Überfliegen) zu entwickeln. Dieses Lesemuster begünstigt die schnelle Suche nach Schlüsselwörtern und Schlussfolgerungen, umgeht jedoch die neuronalen Schaltkreise für tiefes Lesen, die Zeit benötigen. Genau diese Schaltkreise sind die Grundlage für menschliches Denken, Analogien, kritisches Hinterfragen und Empathie. Wenn Lesen nur noch aus Wischen und Überspringen besteht, trainiert das Gehirn diese komplexen Prozesse nicht mehr.
Im Gegensatz dazu zeichnet sich klassische Literatur oft durch lange Sätze, Metaphern, komplexe Charaktere und vielschichtige Kontexte aus, sodass Leser in einen verlangsamten Verständnisprozess eintauchen müssen. Dieses Verhalten beim Lesen aktiviert Bereiche im Gehirn, die für Sprachverarbeitung, emotionale Bewertung und logisches Schlussfolgern zuständig sind. Studien der Neurobildgebung zeigen, dass bei tiefem Lesen die für semantische Integration und abstraktes Denken verantwortlichen Hirnareale kontinuierlich aktiv bleiben — ein Zustand, der der Gehirnaktivität bei der Lösung komplexer Probleme ähnelt. Man kann sagen, dass das Lesen von Klassikern ein hervorragendes kognitives Training darstellt. Wie der Körper beim Sport, benötigt auch unser Geist anspruchsvolle Herausforderungen, um agil zu bleiben.
Der Unterschied zwischen Klassikern und populären Romanen
Der entscheidende Unterschied zwischen Klassikern und gewöhnlichen Romanen liegt oft nicht in ihrem Alter, sondern in der Frage: “Können sie jemals wirklich zu Ende gelesen werden?” Viele Bestseller hat man nach dem ersten Lesen vollständig erfasst. Klassische Literatur hingegen ist anders: Sie besitzt meist vielschichtige Symbolik und komplexe Charaktere. Mit jedem erneuten Lesen entdecken wir neue Bedeutungen. Der italienische Schriftsteller Italo Calvino bemerkte einst in seiner Essay-Sammlung “Warum Klassiker lesen?”, dass ein Klassiker ein Buch ist, von dem man glaubt, es bereits zu kennen, das sich aber bei jeder erneuten Lektüre anfühlt wie eine erste Begegnung. Diese Eigenschaft macht Klassiker zu langjährigen Begleitern und nicht zu einer bloßen Einweg-Unterhaltung. Psychologische Studien zeigen zudem, dass wiederholtes Lesen das tiefe Gedächtnis und das abstrakte Verständnis des Gehirns stärkt. Wenn wir in verschiedenen Lebensphasen dasselbe Werk erneut zur Hand nehmen, verknüpft das Gehirn neue Lebenserfahrungen mit dem Text und erschafft so völlig neue Verständnisebenen.
Eine neue Form der Psychotherapie

Above Menschen, die regelmäßig Bücher lesen, leben durchschnittlich 23 Monate länger als Nichtleser; ihr Sterblichkeitsrisiko sinkt um etwa 20 Prozent (Foto: Pexels)
Die Auswirkungen des Lesens auf die psychische Gesundheit werden zunehmend durch klinische Studien belegt. Forschungen der britischen University of Sussex und von Mindlab haben gezeigt, dass bereits sechs Minuten Lesen ausreichen, um Stressindikatoren um etwa 68 Prozent zu senken — ein Effekt, der sogar das Hören von Musik oder einen Spaziergang übertrifft. Diese beruhigende Wirkung ist bei immersiver literarischer Lektüre besonders ausgeprägt. Das Lesen klassischer Literatur gleicht dem Betreten eines sicheren, emotionalen Zufluchtsortes. Durch den Schmerz und die Konflikte der Charaktere können Leser ihre eigenen Emotionen indirekt verarbeiten.
Dieser Prozess erinnert an das Konzept der “Katharsis” (Reinigung), das bereits Aristoteles beschrieb. Eine Langzeitstudie der Yale University ergab sogar, dass Menschen, die regelmäßig Bücher lesen, durchschnittlich 23 Monate länger leben als Nichtleser und ihr Sterblichkeitsrisiko um etwa 20 Prozent sinkt. Diese Daten unterstreichen, dass das Lesen weit mehr als eine rein geistige Aktivität ist; es ist tief mit unserer physischen Gesundheit verbunden.
Klassische Literatur besitzt grenzüberschreitende Kraft

Above Ein Klassiker wird nicht deshalb zum Klassiker, weil er einst ein Bestseller war, sondern weil er den Test der Zeit bestanden hat (Foto: Pexels)
Für Wen-Chuan Tseng, eine erfahrene Redakteurin, die seit Jahren tief in der Verlagsbranche verwurzelt ist und die Werke namhafter Bestsellerautoren wie Hsun Chiang, Hwai-Min Lin, Lu Ping und Ka-Shiang Liu betreute, ist das Lesen nicht nur eine bloße Handlung, sondern eine Art und Weise, mit der Welt in den Dialog zu treten. Auf die Frage “Warum sollten wir heute klassische Literatur lesen?” beschreibt Tseng Klassiker als Lebenserfahrungen, die die Zeit überdauern. Sie formuliert es so: “Sogenannte Klassiker sind Werke, die wir in unserer Jugend gelesen haben und zu denen wir auch heute noch zurückkehren, weil wir sie vermissen.” In ihren Augen wird ein Werk nicht deshalb zum Klassiker, weil es einst ein Bestseller war oder hochgelobt wurde, sondern weil es im Laufe der Zeit nicht in Vergessenheit geraten ist. Leser verschiedener Generationen finden in ein und demselben Buch ihre ganz persönlichen Gefühle und Antworten — das ist das Wertvollste an Klassikern. Sie erwähnt zudem, dass Meisterwerke wie “Hundert Jahre Einsamkeit” oder “Anna Karenina” den Geist und die Geschichte einer ganzen Epoche in sich tragen. “Wenn Sie keine Klassiker lesen, ist es sehr schwer, die Geschichte oder das Leben der Menschen in jener Zeit wirklich zu verstehen.” Aus ihrer Erfahrung bündeln Klassiker die Emotionen, Werte und gesellschaftlichen Zustände einer ganzen Generation in vollendeter Sprachkunst.
Above Ein inspirierender Einblick in die transformative Kraft von klassischer Literatur und tiefgründigem Lesen.
Tseng hat zudem zahlreiche Veranstaltungen und Vorträge organisiert, um klassische Literatur zu fördern. Während ihrer Zeit als Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Hong Foundation (2021–2024) lud sie Wei-Tzung Jan als Chefkurator ein, um ein in Taiwan beispielloses Leseexperiment durchzuführen. Unter dem Titel “Zehn Vorlesungen über ‘Hundert Jahre Einsamkeit’ — Gemeinsames Lesen eines der größten lateinamerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts” versammelten sie zehn passionierte Leser dieses Meisterwerks. Sie analysierten Gabriel García Márquez' Werk aus unterschiedlichsten Blickwinkeln: Zeit, Liebe, Geschichte, Musik, Erinnerung, Geografie, Politik, Empathie und sogar Wohndesign. Jede Sitzung fühlte sich an, als würde man mit diesen zehn Literaturliebhabern in zehn völlig verschiedene Welten des Romans eintauchen. Das inspirierte sie zutiefst: “Wenn wir es nicht selbst erlebt haben, können wir es uns kaum vorstellen. Doch durch die Erfahrungen der Vorleser öffnet sich uns ein unermesslicher Vorstellungsraum. Alle Worte werden plötzlich dreidimensional, voller Bilder, Farben und unendlicher Erweiterung — ein Gefühl, das man nicht hat, wenn man sich als junger Mensch allein zum Lesen einschließt.”
Dieses Lese-Event verbreitete sich über das Internet auf der ganzen Welt und übertraf ihre Erwartungen bei Weitem. Ein Veranstaltungsort, der ursprünglich nur 250 Personen fassen konnte, erreichte durch den Livestream in jenem Jahr über eine Million Aufrufe. Sie erinnert sich noch immer mit etwas Staunen an diese grenzüberschreitende Verbindung: “Damals schalteten sich Leser aus über 30 Ländern zu, darunter die USA, Großbritannien, Frankreich, Polen, China, Hongkong und Kambodscha. Einige internationale Leser warteten sogar online auf den Beginn. Freunde, die in der Eslite-Buchhandlung arbeiten, posteten auf Facebook, dass sie sich mit Kopfhörern vor den Computer gesetzt hatten, um den Livestream zu verfolgen.” Dies beweist eindrucksvoll: Wenn man den richtigen Ansatz wählt, kann klassische Literatur im digitalen Zeitalter immer noch die ganze Welt faszinieren.
Ein immersiver Lebensstil
Wenn es um die digitale Angst des modernen Menschen geht, betrachtet Wen-Chuan Tseng die Technologie keineswegs als Feind. Sie erwähnt, dass auch sie Facebook, Instagram und Threads nutzt und über verschiedene Plattformen gesellschaftliche Trends verfolgt. Allerdings erinnert sie sich stets daran, zwischen “Informationen” und echter “geistiger Nahrung” zu unterscheiden. Inhalte aus sozialen Netzwerken sind schnelllebige Daten; ohne tiefes Lesen als Fundament ist es für Menschen schwer, ein echtes Urteilsvermögen aufzubauen. Offen erklärt sie: “Nur durch tiefgründiges Lesen können wir wirkliche Lebenserfahrung sammeln. Das Lesen von Romanen ermöglicht es uns, unterschiedlichste Lebenswege zu durchschreiten.” Für sie ist das Lesen nicht deshalb ein Mittel gegen digitale Sucht, weil es erhabener wäre, sondern weil es ein freudvolles Erlebnis darstellt, das zur persönlichen Weiterentwicklung beiträgt.
Lächelnd gibt sie zu, dass auch sie unbewusst oft viel Zeit am Smartphone verbringt. Doch in ihrem Inneren taucht dann stets eine warnende Stimme auf: “Genug gescrollt, es ist Zeit, zu den Büchern zurückzukehren.” Diese Erinnerung entspringt einem “Lese-Schalter”, der sich nach jahrelangem Umgang mit Büchern gebildet hat. Dieser Rhythmus ist zudem eng mit ihrer Arbeit verknüpft. Sie betont, dass sie bei der Bearbeitung von Werken wichtiger Autoren oder bei der Planung von Vorträgen stets deren Bücher liest: “Ich muss die Werke eines Autors lesen, um den Kern des Buches und die Perspektive des Autors zu erfassen. Wie könnte ich ein Buch lektorieren oder ein Thema für einen Vortrag festlegen, wenn ich es nicht einmal gelesen hätte?” Nach dem Lesen sucht sie mit ihren aufgeworfenen Fragen und Eindrücken den Dialog mit dem Autor. Für sie ist das Lesen nicht nur ein Hobby, sondern ein essenzieller Teil ihrer Professionalität und der beste Weg, die Welt und sich selbst zu verstehen.
Im Laufe der Jahre hat sie es sich zur Gewohnheit gemacht, stets ein Buch in der Tasche zu tragen. Sobald sich eine Lücke im Terminkalender ergibt, nimmt sie es heraus und liest einige Seiten. Sie sagt: “Dass das Lesen ein fester Bestandteil des Lebens sein kann, empfinde ich als etwas Wunderschönes.”
Klassiker sind kein Muss, sondern ein Privileg

Above Lesen ist auch ein Weg, die Welt und andere Menschen besser zu verstehen (Foto: Tatler)
Mei-Yao Yeh, die Chefredakteurin von Thinkingdom Media Group, beobachtet eine Verschiebung in den Leseschwerpunkten moderner Leser. Heutzutage neigen Menschen eher dazu, Werke zu wählen, die “nah an ihnen selbst” sind — Texte, die ihrer eigenen Situation, Sprache und Gefühlswelt entsprechen. “Es überrascht mich heutzutage nicht mehr, wenn jemand keine Klassiker lesen möchte. Ich betrachte diejenigen, die noch Zeit für die Lektüre klassischer Literatur aufbringen, als Träger eines Privilegs. Denn durch diese Art des Lesens erhält man letztlich etwas, das einen von anderen unterscheidet.” Dieser Unterschied entsteht durch die Tiefe der Zeit und die intellektuelle Dichte, die Klassiker vermitteln — eine Erfahrung, die zeitgenössische Inhalte kaum bieten können.
Sie betont, dass Klassiker auch deshalb die Zeit überdauern, weil sie sich mit universellen menschlichen Fragestellungen befassen. “Man bekommt das faszinierende Gefühl: Wow, die Menschen in der Vergangenheit haben sich mit genau denselben Themen auseinandergesetzt!” Diese Leseerfahrung lässt uns erkennen, dass wir nicht allein sind. “Die Dinge, die Ihnen am Herzen liegen, sind nicht nur Ihre individuellen Gefühle.” Ein perfektes Beispiel dafür ist, warum George Orwells “1984” heute wieder verstärkt gelesen wird. “Dieses Buch war über die Jahre stets präsent. Angesichts der extremen politischen Entwicklungen der letzten Zeit haben viele Menschen begonnen, es wieder zu lesen.” Die Leser erkennen darin zahlreiche Parallelen zur Realität. Wenn Gesellschaften Ängste vor Macht, Überwachung und Massenkontrolle entwickeln, sind “1984” und “Farm der Tiere” nicht länger nur historische Klassiker aus dem Schulunterricht, sondern wertvolle Referenzwerke zur Erklärung unserer heutigen Realität.
Das Lesen lässt uns verschiedene Leben erfahren
Wenn es um die Bedeutung des Lesens geht, zitiert Mei-Yao Yeh den Schriftsteller Hung-Tze Jan, der glaubt, dass die Essenz des Lesens darin besteht, uns die Möglichkeit zu geben, mehrere Leben zu führen. “Unser eigenes Leben ist sehr begrenzt. Selbst wenn wir 90 Jahre alt werden, haben wir nicht die Möglichkeit, viele Dinge selbst zu erleben. Doch das Lesen erlaubt es uns, in diese fremden Welten einzutauchen.” Durch Romane und Literatur können Menschen in die Rollen von Figuren aus unterschiedlichen Kulturen, Epochen und Schicksalen schlüpfen und deren Entscheidungen und innere Kämpfe nachempfinden. Diese Erfahrung ist weitaus facettenreicher als die eines einzigen Lebenswegs.
Für sie ist das Lesen nicht nur Teil ihrer Arbeit, sondern auch ein unverzichtbarer Weg, um die Welt und ihre Mitmenschen zu verstehen. Im Zeitalter der digitalen Sucht bietet das Lesen genau den richtigen Gegenrhythmus. “Wenn die Welt von rasch vergänglichen Dingen geprägt ist und man eine innere Unruhe spürt, erinnert einen ein gutes literarisches Werk daran, dass die Welt weitaus komplexer ist.” Durch lange Texte und tiefgründiges Lesen können wir unsere eigenen Emotionen und Gedanken neu ordnen. Abschließend resümiert sie: “Ich bin der Überzeugung, dass das Lesen der ultimative Weg zur Selbsterkenntnis ist.” In unserer heutigen Zeit wird die Notwendigkeit von Klassikern und der Lektüre an sich deutlicher denn je.
Die Lektüre von Klassikern wird zum neuen Luxus

Above Das Lesen erfordert Zeit, Geduld und Zurückgezogenheit, weshalb es zunehmend als eine neue Lebensphilosophie betrachtet wird (Foto: Tatler)
In einer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft wird die Bereitschaft, Zeit in einen dicken, klassischen Roman zu investieren, an sich schon zu einem Akt gegen den Strom. Das Lesen von Klassikern bietet kein schnelles Feedback, wird nicht von Algorithmen empfohlen und liefert kein sofortiges Erfolgserlebnis durch Likes in sozialen Netzwerken. Es erfordert Zeit, Geduld und bewusste Zurückgezogenheit. Gerade deshalb wird es allmählich als eine neue Lebenshaltung angesehen. Ähnlich wie bei handgebrühtem Kaffee, analoger Fotografie oder handgemachter Keramik liegt der Wert dieser Aktivitäten nicht in ihrer Effizienz, sondern im Prozess selbst. Während die Welt sich immer schneller dreht, strahlen diejenigen, die bereit sind, das Tempo herauszunehmen, eine bewundernswerte Gelassenheit aus. Das Lesen von klassischer Literatur gleicht in gewisser Weise einem zeitlichen Luxus und bedeutet gleichzeitig spirituelle Freiheit.
Weiterlesen




