Christopher Nolans “The Odyssey” — der erste vollständig auf IMAX gedrehte Film — ist eine Rückkehr zu alter Form, sowohl für das Format als auch für den Regisseur selbst, der mit diesem “The Odyssey” neue Maßstäbe setzt.
Christopher Nolan hat zwei Jahrzehnte damit verbracht, die IMAX-Technologie auf ein einziges Ziel zuzusteuern. Mit The Odyssey kommt er endlich an. Sein Epos erscheint am 17. Juli in den Kinos. Allein die Besetzung rechtfertigt bereits einen Kinobesuch, doch Nolan erhöht den Einsatz weiter, indem er den gesamten Film auf IMAX 70mm dreht — eine Leistung, die zuvor noch keine Produktion in diesem Umfang gewagt hat. Zusammen mit seinem langjährigen Kameramann Hoyte van Hoytema entstand ein Werk, das für die größtmögliche Leinwand konzipiert wurde und sich gegen jede kleinere Darstellung wehrt. Es gibt keinen anderen Weg, dieses filmische Meisterwerk “The Odyssey” angemessen zu erleben; alles andere fühlt sich wie ein völlig anderer, kleinerer Film an.
Das Kino kämpft seit einem Jahrzehnt darum, die Zuschauer von ihren Sofas wegzulocken. Nolan hat seine Karriere auf der Überzeugung aufgebaut, dass filmische Größe, sofern sie korrekt gefilmt und projiziert wird, eines der wenigen Argumente bleibt, das noch funktioniert. Während Dunkirk das Großformat für eine Evakuierung am Strand und Interstellar für die Unendlichkeit des Weltraums nutzte, verschreibt sich The Odyssey vollständig dem Format und betrachtet das Kinoerlebnis als die einzige Bedingung, unter der man “The Odyssey” beurteilen sollte.
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Above Vollständig auf IMAX 70mm gedreht: “The Odyssey” ist ein einzigartiges filmisches Erlebnis

Above Matt Damon als Odysseus, ein König, der noch immer seinen Weg nach Hause sucht

Above Robert Pattinson als Antinous, dessen Zurückhaltung ihn verstörender macht als jeden klassischen Bösewicht
Homer, mit Sorgfalt inszeniert
Wer mit Homers Epos vertraut ist, wird eine Adaption vorfinden, die sich künstlerische Freiheiten nimmt, dabei aber die Größe, emotionale Tiefe und komplexe Erzählweise des Originals bewahrt. Sie wurde mit einer Art von Respekt und Detailverliebtheit umgesetzt, die fesselt, statt bloß pflichtbewusst zu wirken. Nolans nichtlineare Struktur fordert das Publikum, anstatt es nur mitlaufen zu lassen — eine Entscheidung, die einer Geschichte über Umwege und eine verzögerte Heimkehr ebenso gut steht wie den Kriegsszenen in “The Odyssey”.
Die Handlung setzt nach dem Trojanischen Krieg ein: Troja ist durch die List mit dem Pferd gefallen, die Odysseus selbst zugeschrieben wird, und die griechischen Generäle treten nach zehn Jahren die Heimreise an. Für Odysseus und seine Männer ist die Rückkehr nach Ithaka jedoch alles andere als direkt. Verräterische Gewässer, feindselige Inseln und ein Unglück nach dem anderen machen die Heimreise zum emotionalen Kern von “The Odyssey”, der mit jedem Umweg dunkler wird.
Dahinter liegt zudem ein thematischer Unterton. Das Trojanische Pferd markiert einen tatsächlichen Verfall dessen, was man als Gesetze des Zeus bezeichnen könnte — den Ehrenkodex, der Mensch und Gesellschaft regieren sollte. Die Winde in “The Odyssey” verschieben sich hier von Kraftproben hin zu Verrat und Ehrlosigkeit trotz des Sieges, wodurch die niederen Instinkte des Menschen in den Vordergrund treten, anstatt den Erfolg der Griechen unhinterfragt zu lassen.
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Above Zehn Jahre Krieg, komprimiert in einer einzigen, brutalen Nacht in “The Odyssey”

Above Eine Heimreise in “The Odyssey”, die immer neue Wege findet, schiefzugehen

Above Jimmy Gonzales als Cepheus, Matt Damon als Odysseus und Himesh Patel als Eurylochus
Handwerkskunst ohne Exzesse
Die Kameraarbeit von van Hoytema ist durchweg brillant und spiegelt Nolans offensichtliche Liebe zum Medium Film wider. Dunkle Szenen wirken so, wie das menschliche Auge sie tatsächlich wahrnehmen würde, während die Farben von Meer, Himmel und Land gegen diese Dunkelheit prägnant, lebendig und klar bleiben. Visuelle Effekte in “The Odyssey” werden sparsam eingesetzt, gerade genug, um die mythischen Momente glaubwürdig zu machen, ohne in bloßes Spektakel zu verfallen. Dieses Gleichgewicht zwischen visueller Pracht und Gefühl ist das, was “The Odyssey” so meisterhaft macht.
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Above Anne Hathaway als Penelope und Tom Holland als Telemachos in “The Odyssey”

Above Robert Pattinson als Antinous in “The Odyssey”

Above Christopher Nolans “The Odyssey” bietet die größte Leinwand, die das Kino zu bieten hat
Ein Ensemble, das den großen Rahmen ausfüllt
Matt Damon liefert als Odysseus die beste Darstellung seiner Karriere. Er verleiht der Rolle eine bodenständige Anziehungskraft, wirkt sympathisch und nahbar, während er gleichzeitig die Stärke und unterschwellige Einschüchterung eines Helden und Königs verkörpert. In “The Odyssey” lässt er uns vor der Figur des Odysseus staunen und zieht uns gleichzeitig in die Prämisse des Films, sodass seine Überzeugung für das Publikum zum Zugangspunkt wird.
Anne Hathaway übertrifft ihre bereits bewegende Arbeit in Interstellar und verleiht ihrer Rolle als Penelope eine Schichtung, die sie zu einer der subtilsten, forderndsten Darbietungen des Films macht. Sie wirkt gefasst, erschöpft und manchmal ein wenig entrückt, während sie sich an Fragmente der Hoffnung klammert, dass ihr Mann am Leben ist. Diesen Schmerz in “The Odyssey” vermittelt sie vor allem durch ihren Blick in Nahaufnahmen.
Robert Pattinson zeigt vollen Einsatz als Antinous und vermeidet die offensichtlichen Klischees eines Freiers, der um das Haus eines anderen kreist. Tom Holland ist die echte Überraschung in “The Odyssey” und bringt eine Tiefe ein, die ihn von seinen Spider-Man-Rollen abhebt; sein Telemachos ist jung und naiv, aber niemals dumm. Zendaya ist als Athena schlichtweg perfekt — wunderschön, gequält, freundlich und barmherzig zugleich. Auch Charlize Theron fasziniert als Calypso, eine der Darbietungen, die in “The Odyssey” am längsten nachhallen.
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Ein nicht minder beeindruckender Jon Bernthal bringt seine charakteristische Bravour und Ernsthaftigkeit als Menelaos ein. Zusammengenommen leistet das Ensemble genau das, was das Format von “The Odyssey” verlangt: Darstellungen, die stark genug sind, um den 70mm-Rahmen auszufüllen, ohne die menschlichen Details zu verlieren, die diese Geschichte so lebenswert machen.

Above Die Produktion von “The Odyssey” wurde vollständig auf IMAX 70mm realisiert
Fazit
The Odyssey ist Nolan auf dem Höhepunkt seines Schaffens und auf seine eigene Weise die Krönung des Kinos — es erreicht genau das, was es sich vorgenommen hat. Ein Vergleich zu Bong Joon-hos Parasite drängt sich auf: ein Film, in dem jedes handwerkliche Element im Einklang sang. Auch “The Odyssey” strebt nach dieser Synchronizität und führt die ganze Bandbreite der cineastischen Ambitionen in einem einzigen Epos zusammen.
Nolan verschiebt die Grenzen des Mediums mit dem IMAX-Format, erweckt eine geliebte Geschichte mit echter Treue zum Leben und spricht das Publikum mit echtem Unterhaltungswert in “The Odyssey” an, ohne dabei emotionale Tiefe zu opfern. Es ist eine Kinoreise, die den Ticketpreis wert ist, und genau dafür ist das Kino da: Spektakel, das aus dem Gewöhnlichen gezogen wird, eine Chance, etwas zu fühlen und uns selbst im Helden wiederzuerkennen.
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Es liegt etwas Universelles in Odysseus’ Kampf gegen unüberwindbare Widrigkeiten, im Gefühl, von Kräften besiegt zu werden, die größer sind als wir selbst. “The Odyssey” ist ein starker Kandidat für Nolans bestes Werk, was angesichts von Oppenheimer, Memento, Inception, Interstellar und The Dark Knight sehr viel bedeutet. Es ist passend, dass Nolan mit “The Odyssey” nach einer langen eigenen Reise genau dort ankommt, wo er hinwollte.
Credits
Photography: Universal Pictures
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