“The Bride!” interpretiert den Monster-Klassiker neu als düstere, emotional aufgeladene Romanze, in der Schöpfung zu Chaos und Liebe zu einer zerstörerischen Kraft wird
Zu Beginn des Films lässt sich das Thema nur schwer greifen. Ist es ein Drama? Ein Horrorfilm? Oder eine Mischung aus beidem? Nicht wirklich. Es ist eine Liebesgeschichte — eine tragische —, in der die männliche Hauptrolle der berühmte, klassische Frankenstein ist.
Achtung: Spoiler folgen.
“The Bride!” ist kein Film der leisen Töne. Er ist direkt. Von Anfang an wissen wir, was die Protagonisten begehren: Die Braut (Jessie Buckley) sucht ihren Namen, und Frankenstein (Christian Bale) sehnt sich nach einer Gefährtin. Von den ersten Momenten an präsentiert sich das Werk als wild und fieberhaft — eine Gothic-Erzählung, elektrisiert von moderner Wut und Sehnsucht. Angesiedelt im Chicago der 1930er Jahre, interpretiert der Film den Frankenstein-Mythos nicht bloß als Geschichte wissenschaftlicher Hybris neu, sondern als psychologisch verdrehte, zutiefst tragische Liebesgeschichte darüber, was geschieht, wenn eine Frau sich weigert, nur für die Bedürfnisse eines anderen zu existieren.

Above Peter Sarsgaard als Detective Jake Wiles und Penélope Cruz als Myrna Mallow

Above Der Film “The Bride!” navigiert gekonnt durch Liebe, Angst und Begehren

Above Dr. Euphronius erschafft Frankensteins Braut in einem dramatischen Moment

Above Frankenstein begegnet seinem Lieblingsschauspieler Ronnie Reed in “The Bride!”
Buckley liefert eine Darbietung, die in ihrer Intensität beinahe gefährlich wirkt. Ihre Zeilen, ihre Augen, ihre Körpersprache — alles vervollständigt das Bild der Braut, die sowohl wütend als auch emotional ist. Sie spielt die Wiedergeburt nicht als Unschuld, sondern als Reizüberflutung: jedes Geräusch zu laut, jede Berührung zu scharf, jede Emotion zu groß für den Körper, der sie fasst. Diese Braut ist weder gefügig noch verwirrt; sie ist neugierig, unberechenbar und hungrig nach Bedeutung. Buckley verleiht ihr einen Verstand, der unaufhörlich arbeitet, und ein Herz, das sich nicht für den Komfort anderer verkleinern lässt. Sie will Autonomie, Wahrheit und eine Liebe, die sie nicht schmälert. Dieses Verlangen wird zur treibenden Kraft des Films.
Bales Frankenstein ist gänzlich anders. Er legt die Figur nicht übertrieben an. Stattdessen zeigt er ihn als einen Mann, den das Alleinsein tief verletzt hat. Man spürt seine Einsamkeit deutlich in der Art, wie er andere ansieht, und in seinen ruhigen, behutsamen Bewegungen. Er glaubt, die Erschaffung einer Gefährtin werde seine Leere füllen, unterschätzt jedoch die Komplexität dessen, worum er bittet. Bale fängt die stille Tragödie jemandes ein, der Besitz mit Partnerschaft verwechselt. Seine Szenen mit Buckley sind elektrisierend. Es ist keine sanfte Romanze, sondern eine feurige. Ihre Verbindung wirkt intensiv, süchtig machend und so, als könnte sie jeden Moment zerbrechen. Es ist eine Liebesgeschichte, ja, aber eine, die von Kontrolle, Angst und der drohenden Möglichkeit der Zerstörung durchzogen ist.

Above Die Braut, kurz bevor sie im Film zum Leben erwacht
Im weiteren Verlauf der Handlung wird die Geschichte zunehmend entfesselt — im besten Sinne. Was als Suche nach Zweisamkeit beginnt, entwickelt sich zu einer Spirale aus Gewalt, Rebellion und der Geburt von etwas kulturell Explosivem. Die Weigerung der Braut, ihre zugewiesene Rolle zu spielen, sendet Schockwellen aus, und der Film lässt sich voll und ganz auf dieses Chaos ein. Der Ton ist psychotisch, die emotionalen Wendungen verdreht, und das Werk scheut sich nicht, seine Charaktere schreckliche, zutiefst menschliche Entscheidungen treffen zu lassen. Doch unter dem Wahnsinn liegt etwas unbestreitbar Tragisches. Sowohl die Braut als auch Frankenstein suchen nach Verbindung. Sie wissen nur nicht, wie sie diese aufbauen können, ohne sich gegenseitig zu zerreißen.
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Above Regisseurin Maggie Gyllenhaal inszeniert “The Bride!” mit großer Intensität

Above Die Verbindung zwischen der Braut und Frankenstein ist intensiv und tragisch
Mit einem kühnen Schachzug fordert die Schauspielerin und Regisseurin Maggie Gyllenhaal eine Figur zurück, die lange durch Schweigen definiert war. Inspiriert von der kurzen, aber kulturell dauerhaften Präsenz der Braut in Frankensteins Braut, konstruiert sie eine Version, die denkt, spricht und fordert. Gyllenhaals Regie ist emotional intuitiv und lässt das Spektakel aus dem Charakter heraus wachsen, anstatt ihn zu überwältigen. Sie glättet die Ecken und Kanten nicht. Stattdessen schärft sie sie und traut dem Publikum zu, dieses Unbehagen auszuhalten. Es passiert definitiv viel in diesem Film, aber das Durchhalten lohnt sich allemal.

Above Die Braut erhebt sich als Frankensteins vorgesehene Partnerin

Above Die Herzen der Braut und Frankensteins verbinden sich allen Widerständen zum Trotz

Above Jessie Buckley verkörpert die unbändige Wut der Braut

Above Frankenstein wünscht sich nur eines — eine wahre Lebensgefährtin
“The Bride!” ist nicht aufgeräumt und versucht es auch gar nicht zu sein. Der Film ist chaotisch, leidenschaftlich und gelegentlich schockierend. Es ist eine verdrehte Romanze über zwei beschädigte Wesen, die auf der Suche nach Ganzheit aufeinanderprallen. Und auch wenn er einen aufgewühlt zurücklassen mag, ist er hochgradig fesselnd. Er ist gerade deshalb so sehenswert, weil er Risiken eingeht. Am Ende bleibt das Gefühl, Zeuge von etwas Wildem, Tragischem und seltsam Schönem geworden zu sein. Es ist mehr als nur eine Neuerzählung. Es ist eine Konfrontation.
Man könnte sogar fragen, ob die Braut und Frankenstein sich wirklich liebten. Oder vielleicht war es nur ein flüchtiger Moment, in dem sie die Gesellschaft des anderen genossen und ihre Verrücktheiten teilten. Aber nein — sie sagten es selbst. Sie lieben einander. “Bis ans Ende aller Tage.”
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Images: Mit freundlicher Genehmigung von Warner Bros Pictures
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