ArtCraft, eine Open-Source-Suite kreativer Werkzeuge, die in der Programmiersprache Rust mit KI-Unterstützung entwickelt wurde, ahmt Adobe Photoshop, Illustrator und Premiere nach — und zielt zudem auf die Office-Suite von Microsoft ab
Jahrelang kämpften professionelle Grafikdesigner mit der Last monatlicher Abonnementgebühren, obligatorischer Cloud-Integrationen und nicht zuletzt kontroverser, exorbitanter Stornierungsgebühren. Im Jahr 2026 stimmte der Software-Riese Adobe einem Vergleich in Höhe von 150 Millionen US-Dollar mit dem US-Justizministerium zu, da die Handhabung dieser Gebühren und Kündigungen in der Kritik stand. (Adobe wies jegliches Fehlverhalten zurück.)
Als Reaktion auf diese Problematik veröffentlichte der amerikanische Softwareentwickler Brandon Thomas im Oktober 2026 ArtCraft: eine Familie kostenloser Open-Source-Desktop-Apps, die in der Programmiersprache Rust geschrieben wurden und die bekanntesten Werkzeuge von Adobe täuschend echt nachahmen. In einem Reddit-Beitrag zur Ankündigung von ArtCraft erklärte Thomas, er habe die Tools mit Anthropic’s Claude Opus 5.5 entwickelt. “Falls Sie befürchten, dies sei nur ein flüchtiger Trend, der bald verschwindet: Das ist es nicht. Ich bin kein bloßer Freizeit-Coder”, betonte er. Der Entwickler nimmt es zudem mit der Microsoft Office-Suite auf und hat kürzlich Anwendungen veröffentlicht, die Word und Excel ersetzen sollen.
Von prominenten Technik-Kommentatoren und Open-Source-Anwälten als “Adobe-Killer” bezeichnet, findet ArtCraft zunehmend Beachtung in Technologie-Publikationen. In Hongkong ist die Software bei lokalen Designern und Entwicklern beliebt geworden, wobei IT-Magazine sie bereits als “kostenloses Adobe” bezeichnen. Auch wenn frühe Versionen noch einige Ecken und Kanten aufweisen, hilft Tatler Ihnen dabei, die wichtigsten Fragen zu ArtCraft zu klären. Hier ist eine Analyse der Alternativen zu Adobe.
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Above Die FilmCraft-Software von ArtCraft, die Adobe Premiere stark ähnelt (Foto: ArtCraft)
Welche Funktionen bietet ArtCraft als Adobe-Alternative?
Das Projekt bietet mittlerweile 13 Apps an, die Menüs, Bedienfelder und Tastenkombinationen von Adobe akribisch kopieren — der Hauptanreiz für Designer, die ihren Workflow nicht neu erlernen möchten. Sie laufen nativ auf macOS, Windows und Linux, und die meisten sind browserfähig. Die Apps funktionieren zudem offline ohne Account-Pflicht.
Die Suite startete mit sieben Anwendungen, von denen jede ein Adobe-Pendant hat:
- PhotoCraft (Photoshop): Ebenenbasierte Bildbearbeitung mit PSD- und PSB-Unterstützung
- VectorCraft (Illustrator): Vektorillustration
- FilmCraft (Premiere Pro): Videoschnitt
- LightCraft (Lightroom, nicht Lightroom Classic): Fotoverwaltung und RAW-Entwicklung
- EffectCraft (After Effects): Motion Graphics
- DesignCraft (InDesign): Seitenlayout
- PdfCraft (Acrobat): PDF-Werkzeuge
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Above Die App-Suite von ArtCraft, stark inspiriert von Adobe- und Microsoft-Produkten (Foto: ArtCraft)
Zudem kündigte der Entwickler Apps für Microsoft Office, CAD, Design und Audio an:
- WordCraft (Microsoft Word): Textverarbeitung mit .docx-Unterstützung
- GridCraft (Excel): Tabellenkalkulation
- DeckCraft (PowerPoint): Präsentationen
- FigCraft (Figma): Wireframing für Designs
- CADCraft (AutoCAD): 2D-Zeichnungen, DXF-Unterstützung und DWG-Bearbeitung
- SoundCraft (Pro Tools): Audioaufnahme, -schnitt und -mischung
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Above Die WordCraft-Software von ArtCraft, die stark an Microsoft Word erinnert (Foto: ArtCraft)
Ist die Nutzung von ArtCraft rechtlich sicher?
Das ist noch unklar. Thomas beschreibt die Apps als “Clean-Room”-Neuentwicklungen, die auf öffentlichen Dateispezifikationen basieren, anstatt Adobe-Code zu verwenden. Den KI-Tools des Projekts ist es zudem untersagt, Adobe-Software zu kopieren oder zu disassemblieren. Diese Behauptung ist jedoch noch nicht unabhängig geprüft. Das Technik-Magazin PetaPixel nannte die Bezeichnung “fantasievoll”, und der genaue Anteil der KI am Code bleibt unklar; ein Mitbegründer beschrieb den Prozess in einem Interview als “Reverse Engineering” der Adobe-Tools.
Grundsätzlich sind Softwarefunktionen oder allgemeine Interface-Konzepte nicht urheberrechtlich geschützt, weshalb unabhängige Entwickler kompatible Alternativen erstellen dürfen. Wie stark ArtCraft das Design und Layout von Adobe kopiert, könnte jedoch rechtlich relevant werden; zudem betreffen Clean-Room-Methoden das Urheberrecht, nicht aber Patente. Adobe hat sich öffentlich bisher nicht geäußert.
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Wie funktioniert die Technologie hinter ArtCraft?

Above Die DesignCraft-Software von ArtCraft, welche das Adobe InDesign-Layout adaptiert (Foto: ArtCraft)
ArtCraft-Apps sind native Programme, die direkt auf die Grafikhardware Ihres Computers zugreifen. Dies bildet die Grundlage für die schnellen Startzeiten und das flüssige Rendering, auch wenn wir dies noch nicht offiziell gebencht haben. Da alles lokal läuft, verbleiben Ihre Dateien auf Ihrem Rechner. Zudem sollen die Apps durch KI-Assistenten für Aufgaben wie Batch-Verarbeitung und Export steuerbar sein.
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Ist ArtCraft bereits eine echte Adobe-Alternative?

Above Die PhotoCraft-Software von ArtCraft, ein Adobe-Ersatz mit Layer-Stil-Optionen (Foto: ArtCraft)
Nein, noch nicht, wie die Entwickler selbst einräumen. Nur PhotoCraft und PdfCraft befinden sich im “frühen Alpha-Stadium”; die restlichen Anwendungen sind noch in der Entwicklung. Alpha-Tests stellen die erste formelle Phase der Software-Entwicklung dar.
Tester berichten von Lücken und Fehlern, was bei weitgehend KI-geschriebenem Code zu erwarten ist. PhotoCraft unterstützt bisher keine Adobe-Plug-ins oder Skripte. Ein Pixel-Künstler bezeichnete PhotoCraft gegenüber Decrypt als “komplett unbrauchbar”. Kostenlose Alternativen wie Gimp, Inkscape, Krita und die kostenlose Version von DaVinci Resolve sind derzeit ausgereifter als die Adobe-Konkurrenz von ArtCraft.
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Warum ist ArtCraft aktuell so populär?
ArtCraft gewinnt in einer Zeit an Popularität, in der der Unmut über Adobe-Abonnementmodelle wächst und das Interesse an lokaler Software steigt. Bemerkenswert ist die Entwicklungsgeschwindigkeit: Thomas und sein kleines Team haben mit KI-Hilfe innerhalb weniger Wochen erste Versionen von zwölf Flaggschiff-Anwendungen produziert. Ob die Software eine ernsthafte Bedrohung für den Adobe-Giganten darstellt oder ein vorübergehender Hype bleibt, wird das nächste Update zeigen.
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