Schweiß, Burnout und tiefgründiges Storytelling — Mari Dance kehrt zurück, um das philippinische Tanztheater neu zu gestalten
Die gefeierte zeitgenössische Tanzproduktion von Mari Dance, a dance in a day in a dance, ist vom 16. bis zum 31. Mai für eine fesselnde mehrwöchige Spielzeit in das Doreen Black Box Theater im Areté zurückgekehrt. Unter der Choreografie von JM Cabling und der Regie des Musical-Regisseurs Mikko Angeles verwebt die Inszenierung nahtlos fünf eigenständige Tanzwerke zu emotionalen Szenen, die einen Einblick in das zermürbende und zugleich wunderschöne Leben von Tänzern sowie Choreografen gewähren. Indem das Stück den Vorhang der darstellenden Künste lüftet, widmet es sich Themen wie Burnout, Ablehnung, kreativem Druck und dem Überleben innerhalb dieser anspruchsvollen Kunstform.
Was diese Wiederaufnahme so ungemein bedeutsam macht, ist ihre Funktion als lebendiges Archiv in ständiger Bewegung. Hierbei werden Tanzwerke, die auf verschiedenen unabhängigen Plattformen entwickelt wurden, in einen neuen Kontext gesetzt und zu einer abendfüllenden Theateraufführung verwoben. Vier der fünf präsentierten Werke entstanden ursprünglich im Rahmen des Tanzprogramms des Cultural Center of the Philippines (CCP) und seiner Choreographers Series. Dies verdeutlicht auf eindrucksvolle Weise, wie institutionelle Plattformen die Praxis des zeitgenössischen Tanzes von den ersten Experimenten bis hin zu vollständigen Theateraufführungen erfolgreich fördern können.

Above Das offizielle Plakat zur Wiederaufnahme von “a dance in a day in a dance” durch Mari Dance
Die wahre Brillanz von a dance in a day in a dance liegt in der nahtlosen Verknüpfung der unabhängigen Stücke aus Cablings Karriere zu einer einzigartigen Erzählung. Indem sie einen Blick auf die verletzlichen Realitäten dieser Kunstform werfen, tauchen diese Werke nicht als isolierte Vignetten wieder auf, sondern vielmehr als ein fortlaufender, tief empfundener Dialog über Überleben, Burnout und Intimität.
Aus der Isolation heraus geboren, wurde dieses Stück erstmals 2021 im Rahmen des CCP Professional Dance Support Program präsentiert, um unabhängige Künstler während der globalen Pandemie zu unterstützen. Es ist ein zermürbendes, hochenergetisches Werk, das seinem Ensemble absolute körperliche Aufopferung und ununterbrochene Ausdauer abverlangt. Durch die direkte Auseinandersetzung mit den Themen der kreativen Unterdrückung und dem verzweifelten Bedürfnis nach Ausdruck, dient es als ultimative Belastungsprobe für die gesamte Compagnie.
Im Vergleich zur früheren Interpretation dieses Werkes durch Alice Reyes Dance Philippines zeigten sich aufgrund der immensen technischen und physischen Anforderungen gewisse Unterschiede in puncto Energie und Ausdauer. Dennoch ist es dem brillanten Ensemble von Mari Dance gelungen, diese Herausforderung mit Bravour zu meistern.

Above Eine eindrucksvolle Szene aus dem Stück “Lihim ni Lea” (Foto: Cesar Morales)
Erstmals während der NeoFilipina 2019 präsentiert, liefert Lihim ni Lea der Produktion ihre wohl beunruhigendste und strukturell komplexeste Erzählung. In dieser Neuauflage schlüpft Janine Arisola-Cabrera, eine ehemalige Tänzerin des Ballet Philippines und von Alice Reyes Dance Philippines, in die Hauptrolle der Lea. Sie bereichert ein Stück, das die tiefen Strömungen von Spannungen und häuslichen Geheimnissen erforscht, mit ihrer ausgereiften, souveränen Technik. Cabling stellt meisterhaft ein verspieltes Äußeres einem zutiefst eindringlichen Kern gegenüber und erwischt das Publikum damit völlig unvorbereitet. Das Stück ist aufgeladen mit dramatischem Flair, das sich geschickt hinter seiner skurrilen und absurden Fassade verbirgt. Zugleich zeitgemäß und zeitlos, ist dies das mit Abstand wirkungsvollste Werk im gesamten Programm.
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Above Eine fesselnde Szene aus der Choreografie “Bent” (Foto: Cesar Morales)
Ursprünglich beim New Choreographers’ Competition des Wifi Body Festivals 2014 unter der Leitung von Myra Beltran uraufgeführt, stellt Bent Cablings frühestes Werk in diesem retrospektiven Programm dar. Die Choreografie, die bei jenem Wettbewerb den ersten Platz belegte, balanciert gekonnt theatralische Leichtigkeit mit einem Unterton wahrhaftiger menschlicher Verletzlichkeit aus und stellt sicher, dass die Aufführung niemals unter ihrem eigenen emotionalen Gewicht zusammenbricht. Durch eine nahtlose Erzählstruktur mit humorvollen Höhepunkten entwickelt das Stück nach und nach seine tiefgründige Sentimentalität.
Unter der schöpferischen Anleitung von Denisa Reyes und Myra Beltran für die CCP Choreographers’ Series entwickelt, erlangte Nothing Special internationale Anerkennung als Finalist bei der Yokohama Dance Collection 2019 und wurde mit dem Alvin Erasga Tolentino Koryograpiya Award ausgezeichnet. Das Stück ist eine Meisterleistung an choreografischer Ökonomie: Es verzichtet auf überflüssige Kulissen sowie eine dichte Exposition, um sich stattdessen voll und ganz auf die ungeschliffene, kinetische Sprache des menschlichen Körpers zu konzentrieren. Wahrhaftig ist es ein Paradebeispiel dafür, wie es dem Publikum ermöglicht wird, die Geschichte mit nur begrenztem Kontext zu verstehen, um sich dann mit dem Charakter und der Erzählung so sehr zu verbinden, bis es schließlich zu unserer eigenen Geschichte wird. Für mich war es die beeindruckendste Darbietung, da sie emotional zutiefst berührt.
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Above Eine berührende Szene aus der Darbietung “Nothing Special” (Foto: Cesar Morales)
Die herausragende Stärke der Choreografie wird durch das außergewöhnliche Kaliber ihrer Interpreten perfekt ergänzt. Al Garcia bringt eine tiefe künstlerische Autorität auf die Bühne und nimmt seine Rolle als Choreograf wieder auf. Die ehemaligen Tänzerinnen des Ballet Philippines, Georgette Sanchez-Vargas und Ea Torrado, wechseln sich in der Rolle der Mutter ab. Torrado verleiht dem Charakter eine erdende, organische Qualität, die aus ihrer persönlichen Geschichte schöpft, während Sanchez-Vargas eine fließende, fein artikulierte Bewegungsqualität präsentiert, die von ihrer umfassenden internationalen Karriere geprägt ist. Arisola-Cabrera brilliert in der Hauptrolle der Lea mit souveräner Präsenz und ausgereifter Technik, während Michael Que und Sarah Samaniego die wiederkehrende Besetzung zuverlässig verankern.
Über die etablierten Hauptdarsteller hinaus liegt der wahre Triumph der Produktion in ihrem vielfältigen, breiter aufgestellten Ensemble. Mit Mari Dance Stipendiaten aus Butuan, Iriga, Sagay, Sorsogon und Surigao schließt die Compagnie aktiv die Lücke zwischen regionalem Talent und professioneller Sichtbarkeit im Mainstream. Dies spiegelt auf wunderbare Weise die bildungsorientierte Mission des Ensembles wider, welches Pädagogik und Gemeinschaftsaufbau durch Trainingsinitiativen sowie Stipendienprogramme am Guang Ming College auf ein neues Niveau hebt.

Above Eine dynamische Szene aus dem Werk “I Wanna Say Something” (Foto: Steven Bermudez)
Letztendlich ist a dance in a day in a dance weitaus mehr als nur eine Feier des institutionellen Vermächtnisses des CCP — es ist ein mutiges Manifest für die Zukunft der darstellenden Künste. Durch die Integration von rigorosem Training, regionaler Zugänglichkeit und tief nachklingendem Storytelling tritt Mari Dance an, um das Tanztheater auf den Philippinen nachhaltig neu zu gestalten.
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