Die südkoreanische Superstar-Schauspielerin Gianna Jun kehrt nach elf Jahren an der Seite des Regisseurs Yeon Sang-ho für den Film “The Colony” auf die Kinoleinwand zurück und erkundet dabei kollektive Intelligenz, moderne Ängste und die beständige Faszination der “Colony”-Produktion.
Nachdem Regisseur Yeon Sang-ho mit dem weltweiten Überraschungserfolg Train to Busan (2016) und dem postapokalyptischen Nachfolger Peninsula (2020) das moderne koreanische Zombie-Genre nahezu neu definiert hatte, legte er die Messlatte für seine eigene Arbeit außergewöhnlich hoch. Als die Nachricht seiner Rückkehr zum Zombie-Kino bekannt wurde, waren Fans und Branchenexperten gleichermaßen gespannt: Wie könnte der Meister des koreanischen Action-Horrors dieses Genre neu erfinden, ohne sich zu wiederholen?
Mit “The Colony” liefert er eine beeindruckende Antwort. Der Film entfernt sich von den klassischen, gehirnlosen kannibalischen Horden und führt stattdessen eine infizierte Spezies ein, die von einer erschreckenden “Schwarmintelligenz” gesteuert wird, welche in Echtzeit lernt, sich anpasst und weiterentwickelt.
Der Film markiert zudem einen kulturellen Meilenstein: Es ist das lang ersehnte Kino-Comeback der südkoreanischen Ikone Gianna Jun (Jun Ji-hyun) nach einer elfjährigen Pause. Nach einer enthusiastisch aufgenommenen Vorschau in Hongkong eröffnete der Film offiziell die 23. Ausgabe des New York Asian Film Festival (NYAFF).
Vor der Festival-Vorführung sprachen Jun und Yeon über die modernen Ängste, die “The Colony” zugrunde liegen, die Inszenierung von Spannung inmitten des Chaos und die Unersetzlichkeit des Kinos.
Passend dazu: Regisseur Park Chan-wook über seine Liebe zum Hongkong-Kino, K-Pop und die visionäre Kraft des Gwangju-Aufstands

Above Von links: Yeon Sang-ho und Gianna Jun bei der Eröffnung des New York Asian Film Festival 2026, wo ihr Film “The Colony” im Walter Reade Theater in New York City gezeigt wurde (Foto: Getty Images).
Regisseur Yeon, Sie sind bekannt für Ihre Zombie-Filme wie Train to Busan und Peninsula. Was inspirierte den biologischen Twist der kollektiven Intelligenz in “The Colony”?
Während ich mit Choi Gyu-seok – dem Co-Autor der Sci-Fi-Horror-Webtoon-Serie Hellbound – am Drehbuch arbeitete, diskutierten wir über die Gefahren des Kollektivismus. Wir erkannten, dass Technologie im Zeitalter der künstlichen Intelligenz oft als Summe universellen menschlichen Denkens wahrgenommen wird. Tatsächlich birgt sie jedoch das Risiko, Minderheitenmeinungen und individuelle Perspektiven auszulöschen. Dieses Konzept löste die Geschichte aus. Da das Kernthema die Gefahren kollektiven Denkens behandelt, fühlte sich die Umsetzung als Zombie-Film wie ein natürliches Medium an, um diese modernen “Colony”-Ängste zu erforschen.
Was fasziniert Sie so beständig am Zombie-Genre?
Seit George A. Romeros 1968er Sci-Fi-Horror-Klassiker Night of the Living Dead dienen Zombie-Filme als Spiegel für die verborgenen Ängste ihrer Zeit. Während meiner gesamten Karriere haben mich soziale Themen ebenso gereizt wie das Genre-Kino. Zombie-Filme bieten die perfekte Schnittstelle, an der Unterhaltung und gesellschaftliche Kommentare nahtlos ineinandergreifen.

Above Gianna Jun verkörpert eine Ärztin in Yeon Sang-hos Science-Fiction-Horrorfilm “The Colony” (Bild: IMDB).
Gianna, “The Colony” ist Ihre erste große Filmrolle seit über einem Jahrzehnt. Was hat Sie an diesem Projekt gereizt?
Es war keine bewusste Entscheidung, elf Jahre lang dem Kino fernzubleiben, aber die Rückkehr auf die große Leinwand ließ mich erkennen, wie sehr ich sie vermisst habe. Mit Yeon zu arbeiten, ist der Traum jedes Schauspielers in Korea. Das Drehbuch war so meisterhaft geschrieben, dass ich sofort wusste: Das ist ein Film, den ich unbedingt im Kino erleben möchte.
Ihre Figur ist gezwungen, Überlebende durch schreckliche Situationen zu führen. Wie haben Sie sich auf eine emotional so intensive Rolle vorbereitet?
Die Szenarien am Set waren von Natur aus beängstigend, daher habe ich mich nicht auf eine übertriebene Kalkulation meiner Leistung verlassen, sondern auf die unmittelbare Atmosphäre und die Energie meiner Co-Stars reagiert. Kwon Se-jeong ist eine außergewöhnlich besonnene Anführerin, die die Gruppe inmitten des “Colony”-Chaos zusammenhält. Ich konzentrierte mich darauf, diese geerdete, gefasste Stärke selbst in den spannendsten Momenten zu verkörpern.

Above Eine Szene aus dem Sci-Fi-Horrorfilm “The Colony” zeigt die angespannte Atmosphäre des Werkes (Bild: IMDB).
Wie haben Sie Gianna angeleitet, diese tiefe Spannung zu vermitteln?
Gianna besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit, den Fokus am Set extrem hochzuhalten. Einer der bemerkenswertesten Momente ereignete sich bei einer Szene über tiefen persönlichen Verlust. Sie unterdrückte ihren rohen Schmerz gerade so weit, um die Kontrolle über ihre Emotionen zu behalten, und ließ dabei eine unglaubliche Tiefe in ihr Spiel einfließen. Zu sehen, wie sie Kwon Se-jeong zum Leben erweckte, übertraf alle meine Erwartungen an diese “Colony”-Produktion.
Gianna, Sie erwähnten, dass lange Dreharbeiten für Serien anstrengend sein können. Wie veränderte ein zweistündiger Spielfilm Ihre Perspektive auf das Geschichtenerzählen?
Vom ersten Drehtag an waren wir von Zombies umgeben, und die Erzählung entfaltete sich in einem wesentlich dringlicheren Tempo. Das erzeugt eine andere Art von Verantwortung. Anders als beim Fernsehen, wo Zuschauer nur eine Taste drücken, kaufen Kinogänger aktiv ein Ticket und betreten physisch einen Saal. Diese Erkenntnis gibt mir das Gefühl, ein reichhaltiges und unvergessliches Erlebnis bieten zu müssen, das die Magie der großen Leinwand ehrt.





