Diese asiatischen Ballerinas haben internationale Karrieren aufgebaut und das klassische Ballett in den führenden Kompanien weltweit nachhaltig geprägt
Das klassische Ballett wurde lange Zeit von europäischen Institutionen und deren Repertoire geprägt, doch der Pool an Talenten hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig erweitert. In Asien ausgebildete Tänzerinnen und Tänzer treten heute regelmäßig in führenden Kompanien in ganz Europa und Nordamerika auf, präsentieren den Kanon des 19. Jahrhunderts und tragen zu einer weitaus internationaleren Ballettlandschaft bei. Der Aufstieg asiatischer Ballerinas in großen Ensembles spiegelt umfassendere Veränderungen in den Ausbildungsstrukturen, bei globalen Wettbewerben und in der Mobilität der Tanzenden zwischen den Kontinenten wider.
Die Kunstform ist in den letzten Monaten zudem wieder verstärkt in den kulturellen Diskurs gerückt, nachdem Äußerungen von Timothée Chalamet über Ballett und Oper Kritik von Tanzenden und Kulturorganisationen auf sich zogen. Seine Kommentare lösten eine Welle von Reaktionen in den sozialen Medien und in der Welt der darstellenden Künste aus, wobei viele auf die anhaltende Vitalität von Ballettkompanien und das weltweite Publikum verwiesen. Diese Diskussion hat das Interesse an dem Berufsbild selbst neu entfacht, einschließlich der Karrieren jener asiatischen Ballerinas, die heute leitende Positionen in einigen der renommiertesten Institutionen der Welt innehaben.
Diese Liste würdigt herausragende asiatische Ballerinas, deren Karrieren sich mit entscheidenden Momenten der internationalen Ballettwelt kreuzten. Einige stiegen in historischen Kompanien in den Rang der Ersten Solotänzerin auf. Andere bauten einflussreiche Karrieren auf, die asiatische Tanzgemeinschaften mit bedeutenden westlichen Institutionen verbanden. Ihre Wege sind vielfältig, doch gemeinsam spiegeln sie die wachsende Präsenz von Ballerinas aus Asien in der globalen Ballettlandschaft wider.
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Miyako Yoshida
Kompanie: Royal Ballet
Die in Tokio geborene Miyako Yoshida gewann 1983 den Prix de Lausanne und absolvierte ihre Ausbildung an der Royal Ballet School, bevor sie dem Sadler’s Wells Royal Ballet beitrat, wo sie 1988 zur Solotänzerin befördert wurde. Im Jahr 1995 wurde sie Erste Solotänzerin beim Royal Ballet und verkörperte in ihrer bis 2010 währenden Karriere bedeutende Rollen wie Odette/Odile in Schwanensee und Aurora in Dornröschen. Nachdem sie sich 2019 von der Bühne zurückgezogen hatte, war sie zunächst als künstlerische Beraterin tätig und übernahm 2020 die Position der künstlerischen Direktorin für Ballett und Tanz am Neuen Nationaltheater Tokio, wo sie die Produktionen und die Ausbildung für das National Ballet of Japan leitet. Unter ihrer Führung unternahm die Kompanie ihre erste Tournee ins Vereinigte Königreich mit Yoshidas Inszenierung von Giselle am Royal Opera House in London.
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Yuan Yuan Tan
Kompanie: San Francisco Ballet
Die in Shanghai geborene Yuan Yuan Tan begann ihre Ausbildung an der Shanghai Dance School und später an der John-Cranko-Schule in Stuttgart. Sie trat 1995 als Solistin dem San Francisco Ballet bei und wurde 1997 zur Ersten Solotänzerin befördert — damit war sie sowohl die jüngste als auch die erste chinesische Primaballerina in der Geschichte der Kompanie. Über fast drei Jahrzehnte hinweg tanzte sie ein umfangreiches Repertoire, das klassische Rollen wie Giselle, Odette/Odile in Schwanensee und Julia in Romeo und Julia umfasste, ebenso wie Werke von Choreografen wie Helgi Tomasson, George Balanchine und Christopher Wheeldon. Tan verabschiedete sich im Februar 2024 nach 29 Spielzeiten vom San Francisco Ballet und widmet sich seither der künstlerischen Leitung und Ballettausbildungsprojekten, darunter ihre Rolle am Shanghai Grand Theatre und im Tan Yuan Yuan International Ballet Art Studio, welches den interkulturellen Austausch im Tanz fördert.
Hee Seo
Kompanie: American Ballet Theatre
Die südkoreanische Tänzerin Hee Seo begann ihr Studium an der Korea National University of Arts, bevor sie 2006 der Nachwuchskompanie ABT II des American Ballet Theatre beitrat. Noch im selben Jahr wurde sie in das Hauptensemble aufgenommen und 2012 zur Ersten Solotänzerin ernannt — als eine der ersten koreanischen Tänzerinnen in dieser Position bei einer großen amerikanischen Kompanie. Seos Repertoire beim ABT umfasste Julia in Romeo und Julia, die Titelrolle in Giselle sowie Hauptrollen in Werken von George Balanchine, Jerome Robbins und Christopher Wheeldon. Nach ihrem Abschied vom ABT im Jahr 2021 ist sie weiterhin international als Gastkünstlerin tätig, engagiert sich in Meisterkursen sowie Choreografieprojekten und bewahrt sich so eine starke Präsenz in der weltweiten Gemeinschaft der Ballerinas, während sie zwischen Seoul und New York pendelt.
Sae Eun Park
Kompanie: Pariser Opernballett (Paris Opera Ballet)
Die 1989 in Seoul geborene südkoreanische Tänzerin Sae Eun Park wurde an der Korea National University of Arts ausgebildet, bevor sie 2007 den Grand Prix de Lausanne und 2010 eine Goldmedaille beim Internationalen Ballettwettbewerb in Varna gewann. Nach ersten Engagements beim ABT II und dem Koreanischen Nationalballett trat sie 2011 in das Corps de Ballet des Pariser Opernballetts ein. Sie durchlief die verschiedenen Ränge der Kompanie — von der Coryphée zur Sujet und schließlich zur Premier Danseuse — bevor sie im Juni 2021 nach ihrer beeindruckenden Darbietung als Julia in Romeo und Julia zur Danseuse Étoile ernannt wurde. Durch diese Ernennung wurde sie zur ersten Tänzerin aus Asien, die in der über 350-jährigen Geschichte der Kompanie den höchsten Rang erreichte. In Anerkennung ihrer Verdienste um die Kunst wurde Park 2023 von der französischen Regierung zum Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres ernannt.
Misa Kuranaga
Kompanien: San Francisco Ballet
Die in Osaka geborene Misa Kuranaga begann ihre Ballettausbildung an der Jinushi Ballet School, bevor sie durch Auszeichnungen bei renommierten Wettbewerben wie dem Prix de Lausanne und dem Youth America Grand Prix internationale Bekanntheit erlangte. Sie schloss sich 2003 dem Boston Ballet an und wurde 2009 zur Ersten Solotänzerin befördert. Dort brillierte sie in Paraderollen wie Odette/Odile in Schwanensee, Aurora in Dornröschen und Tatiana in Onegin. Im Jahr 2019 wechselte sie als Erste Solotänzerin zum San Francisco Ballet, wo sie weiterhin sowohl klassische als auch zeitgenössische Werke interpretiert und so die wachsende globale Präsenz asiatischer Ballerinas in bedeutenden internationalen Kompanien eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Xiao Nan Yu
Kompanie: National Ballet of Canada
Die im chinesischen Dalian geborene Xiao Nan Yu erhielt ihre Ausbildung an der Shenyang School of Dance und der Beijing Dance Academy, bevor sie mit einem Stipendium die National Ballet School in Kanada besuchte. Im Jahr 1996 wurde sie Mitglied des National Ballet of Canada, stieg kontinuierlich auf und wurde 2001 zur Ersten Solotänzerin befördert. Über mehr als zwei Jahrzehnte tanzte sie Hauptrollen in Balletten wie Schwanensee, Giselle, Dornröschen, Onegin und Die lustige Witwe und wirkte an zeitgenössischen Werken von James Kudelka, Aszure Barton und anderen mit. Nach ihrem Abschied von der Bühne im Jahr 2019 schloss sie sich dem künstlerischen Team der Kompanie als Coach an und übernahm 2022 die Position der Probenleiterin und Chef-Trainerin, um die nächste Generation von Ballerinas und Tänzern zu fördern.
Lisa Macuja-Elizalde
Kompanie: Mariinski-Ballett (Mariinsky Ballet)
Die philippinische Tänzerin Lisa Macuja-Elizalde begann ihre Ausbildung am Philippine Ballet Theatre, bevor sie in den frühen 1980er Jahren ein Stipendium für die Waganowa-Ballettakademie in St. Petersburg erhielt. Im Jahr 1986 wurde sie als erste ausländische Solistin eingeladen, dem Kirow-Ballett (heute Mariinski-Ballett) beizutreten. Sie tanzte Rollen in Giselle und Schwanensee in einer Zeit, als nur wenige asiatische Tänzerinnen Solopositionen in großen russischen Kompanien innehatten. Nach ihrer Rückkehr auf die Philippinen war Macuja-Elizalde 1995 Mitbegründerin des Ballet Manila und wirkte als dessen künstlerische Leiterin, wodurch sie die professionelle Ballettausbildung und -produktion in der Region maßgeblich ausbaute. Zudem gründete sie die Lisa Macuja School of Ballet und engagierte sich in Outreach- und Bildungsprogrammen zur Förderung der Tanzkunst auf den Philippinen und darüber hinaus. Ihre bemerkenswerte Karriere unterstreicht, wie asiatische Ballerinas das Ballett sowohl auf als auch abseits der Bühne nachhaltig geprägt haben — auch innerhalb von Institutionen abseits der traditionellen westlichen Ballettzentren.
Von London über Paris bis nach Nordamerika ist die Präsenz asiatischer Ballerinas in den führenden Kompanien in den letzten Jahrzehnten immer sichtbarer geworden. Ihre Karrieren spiegeln einen weitreichenden Wandel in der Ausbildung und Rekrutierung wider, da die Institutionen ihre Talente aus einem deutlich internationaleren Pool schöpfen, während sie gleichzeitig ein Repertoire pflegen, das im 19. Jahrhundert verwurzelt ist. Das Resultat ist eine Ballettlandschaft, in der Ballerinas aus Asien ganz selbstverständlich auf den höchsten Ebenen ihrer Kunstform agieren.
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