Cover Der Vegetarismus in Asien wird seit Jahrhunderten durch Kultur, Gesellschaft und Religion nachhaltig geprägt

Vom Daoismus bis zum Sikhismus: Wir untersuchen die heiligen Gebote, die den Vegetarismus und die pflanzliche Küche Asiens maßgeblich geprägt haben

In Hongkong entscheiden sich viele Menschen an kulturell bedeutsamen Anlässen für eine vegetarische Ernährung. Das chinesische Neujahrsfest ist ein solcher Tag, ebenso wie der Geburtstag Buddhas, der am achten Tag des vierten Mondmonats gefeiert wird und meist auf den Mai fällt. Auch der Global Wellness Day im Juni bietet einen hervorragenden Anlass, die Welt der gesünderen und bewussteren pflanzlichen Ernährung zu erkunden. Der Vegetarismus in Asien ist tief in spirituellen Traditionen verwurzelt.

Vegetarische Essgewohnheiten sind oft religiös inspiriert, selbst bei denjenigen, die sich selbst nicht als religiös bezeichnen. Der Buddhismus ist nur eine der prominenten Religionen Asiens, die den Verzicht auf tierische Produkte als Ritual aus Hingabe und Respekt vor der Welt praktizieren. Diese Einstellung hat den Vegetarismus und die regionalen pflanzlichen Küchen des Kontinents entscheidend geformt.

Wir beleuchten die Ursprünge der fleischlosen Ernährung in Ost-, Südost- und Südasien und zeigen auf, wie der Verzicht zu einer kreativen Kulinarik geführt hat, die Geist, Körper und Seele gleichermaßen nährt.

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Das Streben nach Harmonie: Chinesischer Daoismus und Konfuzianismus

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Above Eine chinesische Hausmannskost mit vegetarischer Ente (Foto: Zi Cheng Xu/ Wikimedia Commons)

Das erste dokumentierte Beispiel für Vegetarismus in China war die daoistische und konfuzianische Praxis des Zhai-Asketismus während der Frühlings- und Herbstperiode (770 bis 476 v. Chr.). Diese Praxis diente der spirituellen Reinigung vor religiösen Ritualen. Der Daoismus bevorzugte das Gleichgewicht, während der Konfuzianismus die Harmonie schätzte, beides fundamentale Werte für den Vegetarismus. Die Ernährung basierte jedoch mehr auf Abstinenz als auf einem vollständigen Fleischverzicht.

Mit der Ankunft des Buddhismus während der Tang- und Song-Dynastien blühte die kulinarische Kreativität auf. Die alten Chinesen kreierten Fleischimitate aus Tofu und Pilzen. Dies entwickelte sich zu einem komplexen Repertoire vegetarischer Gerichte, das bis heute Bestand hat und oft anlässlich von Feiertagen oder der 49-tägigen Trauerzeit genossen wird. Der Vegetarismus bleibt somit ein fester Bestandteil der Kultur.

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Tiefer Respekt vor der Natur: Japanischer Shintoismus

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Above Ein vegetarisches Menü im Tempel Muryōkō-in (Foto: Maarten Heerlien/ Wikimedia Commons)

Japans naturverbundene Religion, der Shintoismus, legt Wert auf rituelles Gleichgewicht. Das Konzept des “Kegare” (Unreinheit) durch Kontakt mit Tod oder Blut führte zur Tradition der Fleischabstinenz bei heiligen Anlässen. Dies schuf die Basis für den Buddhismus im 6. Jahrhundert. Auch heute prägt der Vegetarismus durch diese spirituellen Werte die lokale Esskultur.

Die Ehrfurcht vor der Natur bleibt tief in der japanischen Küche, dem Washoku, verankert. Diese basiert auf Getreide, eingelegtem Gemüse und Saisonalität. Obwohl nicht rein pflanzlich, reflektiert Washoku die spirituellen Werte, die eine respektvolle Nutzung der Zutaten und eine tiefe Verbundenheit mit der Natur betonen.

Karma und Ahimsa: Hinduismus, Sikhismus und Jainismus

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Above Eine Auswahl an vegetarischen Platten aus der indischen Küche

Indische Küchen zeichnen sich durch ein beeindruckendes Angebot an vegetarischen Speisen aus. Geprägt von Hinduismus, Jainismus und Sikhismus, ist der Vegetarismus hier eine gelebte Philosophie.

Das Prinzip des Ahimsa (Nicht-Verletzen) und das Karma bestimmen die Ernährung im Hinduismus. Dies führt zu einer vorwiegend pflanzlichen Kost. Beliebte Gerichte umfassen Linsensuppen, Paneer-Spezialitäten und eine Vielzahl an Fladenbroten wie Dosas oder Naan. Während Fastenperioden werden Milchprodukte, Obst und Gemüse ohne Lauchgewächse bevorzugt.

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Above Hülsenfrüchte und Curry-Gerichte mit Milchprodukten sind zentraler Bestandteil der indischen Esskultur

Ahimsa und Karma bestimmen auch die Jain-Diät, die Fleisch, Fisch, Eier und sogar Wurzelgemüse ausschließt. Diese rigiden Einschränkungen haben eine der ältesten vegetarischen Traditionen weltweit hervorgebracht. Ein typisches Jain-Menü besteht aus Eintöpfen auf Hülsenfruchtbasis, Fladenbroten und Süßspeisen auf Milch- oder Kokosbasis, serviert auf einem Thali-Teller.

Der Sikhismus hingegen ist flexibler. Vegetarische und fleischhaltige Gerichte stehen oft nebeneinander, wobei in Gebetshäusern konsequent lakto-vegetarisch serviert wird. Die Diversität dieser Küche, besonders im Punjab, zeigt die Vielfalt der vegetarischen Möglichkeiten.

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Folklore und Erlösung: Luoismus und Yiguandao in Taiwan

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Above Vegetarismus in Taiwan ist Alltag, was an den vielen vegetarischen Buffets ersichtlich ist (Foto: Takoradee/ Wikimedia Commons)

Der Vegetarismus in Taiwan wurzelt in Erlösungsglauben wie dem Luoismus und Yiguandao, die buddhistische Fastengebote mit der daoistischen Suche nach Harmonie verbinden. Diese Spiritualität betont die moralische Reinigung.

Diätetische Anforderungen gehen weit über die Tempel hinaus. Im Alltag finden sich ethisch motivierte Mahlzeiten, die auf Fleischimitate setzen, bei denen Tofu, Pilze und Sojaprodukte im Zentrum stehen und den Vegetarismus als Lebensstil feiern.

Geister und Besessenheit: Koreanischer Schamanismus

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Above Koreanische Tempelgerichte im Sanchon, Insadong, Seoul (Foto: Richy/ Wikimedia Commons)

Bevor der Buddhismus im 4. Jahrhundert Korea erreichte, prägten animistische Überzeugungen den Vegetarismus und die Esskultur. Essen war ein heiliger Akt. Dies legte den Grundstein für die koreanische Tempelküche, in der Gemüse, Wildkräuter und Getreide sowie eine ausgefeilte Fermentationskultur eine zentrale Rolle spielen.

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Verschmelzung von Traditionen: Malaysia, Singapur und Thailand

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Above Während des Neun-Kaiser-Götter-Festes bieten Straßenstände vegetarische Spezialitäten an (Foto: Kirill Kay/ Wikimedia Commons)

Der Buddhismus motiviert viele in Südostasien zu einer vegetarischen Lebensweise. In Thailand haben religiöse Fastenperioden zu wunderbaren vegetarischen Variationen von Pad Thai und Currys geführt. In Malaysia und Singapur sind vegetarische Alternativen ebenso leicht zugänglich wie Fleischgerichte.

Eine weitere treibende Kraft ist der Daoismus, insbesondere während des jährlichen Neun-Kaiser-Götter-Festes. Hier wird durch eine neuntägige rein pflanzliche Ernährung der Körper gereinigt. Die Speisen sind komplett vegan und kommen ohne die fünf scharfen Gemüsesorten aus, die im Buddhismus abgelehnt werden. Das Fest spiegelt wider, wie tief der Vegetarismus im sozialen Leben verwurzelt ist.

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Celia Lee
Stellvertretender Redakteur für Gastronomie, Tatler Hong Kong
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Celia, ehemals Lifestyle-Redakteurin, ist nun stellvertretende Redakteurin für Gastronomie bei Tatler Hong Kong . Dort berichtet sie über die lokale Gastronomieszene und legt dabei großen Wert auf Erzählkunst und kulturellen Kontext. Ihr Fokus liegt auf den Menschen, Orten und Momenten, die die Food-Szene der Stadt prägen. Restaurantporträts, Chefkochporträts und Reportagen vor Ort zeichnen sich durch einen erzählerischen Ansatz aus.